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Medizin

Letzte Anlaufstelle für junge Straftäter

In Regensburg eröffnet im Dezember die erste Jugendforensik, das Bezirksklinikum betritt damit therapeutisches Neuland.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Der Neubau ist bereits fertig: Das Einzugsgebiet für die Regensburger Jugendforensik wird sich wohl nicht auf Bayern alleine beschränken. Foto: Lex
Der Neubau ist bereits fertig: Das Einzugsgebiet für die Regensburger Jugendforensik wird sich wohl nicht auf Bayern alleine beschränken. Foto: Lex

Regensburg.Soziale Phobie, Angstzustände, depressive Verstimmungen. Das diagnostizierten die Ärzte bei dem 18-jährigen David S., bevor dieser im Juli 2016 am Münchner Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen erschoss und sich selbst tötete. Hätte David S. für seine Tat verurteilt werden können, dann hätte ein Gutachter wohl eine Schuldunfähigkeit aufgrund einer psychischen Erkrankung diagnostiziert. David S. wäre nicht in ein Gefängnis, sondern in eine Jugendforensik eingewiesen worden.

Die „ultima ratio“

„Wenngleich das ein sehr drastisches Beispiel ist, so schildert es einen Fall, wie er in der Jugendforensik vorkommen kann“, bestätigt Dr. Dr. Helmut Hausner, Vorstand der medizinischen Einrichtungen des Bezirkes Oberpfalz (medbo). Denn Jugendforensik sei immer die „ultima ratio“. Wenn Jugendgerichte einen so schwerwiegenden Eingriff in die Persönlichkeitsrechte vornehmen, dann gehen sie von einer hohen Wiederholungsgefahr aus.

In Bayern waren im Jahr 2015 insgesamt 87 jugendliche und heranwachsende Straftäter in forensischen Einrichtungen untergebracht, in 26 Fällen wurde eine psychische Erkrankung diagnostiziert, die zur Schuldunfähigkeit führte, in 53 Fällen lag eine Suchterkrankung vor, teilte die zuständige Fachaufsichtsbehörde, das Zentrum Bayern Familie und Soziales mit. Jene 26 Patienten mit psychischer Störung mussten bislang außerhalb Bayerns untergebracht werden. „Eine sehr kleine Gruppe junger Menschen, für die es dennoch sehr wichtig ist, dass es künftig eine therapeutische Einrichtung wie die Jugendforensik mit den entsprechenden Angeboten gibt“, sagt Michael Eibl, Direktor der katholischen Jugendfürsorge (KJF) der Diözese Regensburg. Die KJF soll in den kommenden Jahren ein Nachsorgeprogramm für die Patienten aus der Jugendforensik aufbauen. Gespräche dazu laufen bereits, sagt Eibl. Doch bis dahin werden wohl noch mehrere Jahre vergehen, denn die Therapiephase in der Jugendforensik ist lang.

Therapiezeit zwei bis drei Jahre

„Im Durchschnitt befinden sich die Maßregelvollzugspatienten circa zwei bis drei Jahre in unserer Behandlung, ehe dann unter fortschreitenden Lockerungsmaßnahmen eine Rückkehr in den Alltag angestrebt werden kann“, heißt es etwa in der Jugendforensischen Klinik Vitos in Marburg. In Marburg sind derzeit sechs der 13 zur Verfügung stehenden Plätze der Einrichtung belegt.

Das Einzugsgebiet für die Regensburger Jugendforensik wird sich wohl nicht auf Bayern alleine beschränken, auch in Baden-Württemberg gibt es derzeit keine solche Einrichtung. Die Rückverlegung von Patienten, die außerhalb Bayerns untergebracht sind, komme aber nur in Betracht, wenn hierdurch positive Auswirkungen auf den Unterbringungs- und Therapieverlauf der Jugendlichen zu erwarten seien, heißt es beim Zentrum Bayern Familie und Soziales.

Medbo-Vorstand Hausner sagt, dass es im Vorfeld schwer zu prognostizieren sei, wie die Auslastung der 24 Plätze sein werde. Aus Sicht der Bürger ist es sicherlich eine gute Nachricht, dass es in Bayern nur sehr wenige Jugendliche gibt, die aufgrund einer psychischen Störung schwere Straftaten begehen und deshalb als eine Gefahr für die Bevölkerung eingestuft werden müssen.

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