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Bayern
Montag, 16. Juli 2018 29° 3

Ausstellungen

Ludwig-Erhard-Zentrum eröffnet

Er führte die D-Mark ein und wollte Wohlstand für möglichst viele: Ein neues Museum in seinem Geburtshaus in Fürth spürt dem Leben des zweiten deutschen Bundeskanzlers Ludwig Erhard nach.

Figuren des Konzeptkünstlers Ottmar Hörl stellen Ludwig Erhard dar. Foto: Daniel Karmann
Figuren des Konzeptkünstlers Ottmar Hörl stellen Ludwig Erhard dar. Foto: Daniel Karmann

Fürth.Er gilt als Vater der sozialen Marktwirtschaft und als Schöpfer des Wirtschaftswunders im Nachkriegsdeutschland: Dem Leben und Schaffen des früheren Bundeskanzlers und -wirtschaftsministers Ludwig Erhard kann man seit Mittwoch im fränkischen Fürth nachspüren. Im Geburtshaus Erhards (1897-1977) sowie einem modernen Neubau gegenüber informiert eine Dauerausstellung auf rund 1200 Quadratmetern über die geschichtliche und wirtschaftliche Entwicklung zu seiner Zeit.

Viele der Texte und Filme, durch die zum Teil der fränkische Komödiant Volker Heißmann führt, seien sehr verständlich gestaltet, damit auch Schüler etwas damit anfangen können, sagte der Historiker und Ausstellungsmacher Daniel Koerfer zur Eröffnung. Sie fand bewusst am 70. Jahrestag der Währungs- und Wirtschaftsreform statt. Diese trat am 20. Juni 1948 auf dem Gebiet der späteren Bundesrepublik in Kraft: Damals löste die neue Deutsche Mark die inflationäre Reichsmark ab. Gast bei der Eröffnung war unter anderen Fernsehmoderator Günther Jauch. Das rund 18 Millionen Euro teure Ludwig-Erhard-Zentrum wurde unter anderem vom Bund, dem Freistaat Bayern und einer privaten Stiftung finanziert.

Erhard verbrachte in Fürth seine Kindheit und Jugend. Die Ausstellung beginnt daher in der ehemaligen Wohnung der Familie und endet im Neubau in einem Raum, der sich mit der Zukunft der sozialen Marktschaftschaft beschäftigt. Zu den Exponaten gehören Originaltische aus Erhards Ministerien in Bayern und Berlin sowie „Kostbarkeiten“ wie die Eheringe, wie Koerfer sagte. Auch Erhards Militärakte sei vorher nie zu sehen gewesen. Neben vielen Dokumenten und Bildern gibt es mehr als 50 Medienstationen - Filme oder animierte Bilder von berühmten Ökonomen, die ihre Theorien erläutern.

Die Ausstellung versucht, möglichst anschaulich mit dem komplexen Thema Wirtschaft umzugehen. So zeigten die verstreuten Akten auf seinem Schreibtisch, was für ein „Akten-Chaot“ Erhard war, sagte Koerfer. Und anhand einer Vitrine kann man den „Schaufenstereffekt“ sehen, bei dem über Nacht das Straßenbild verwandelt wurde. Waren wie Wurst, Maggi-Würze oder Herren-Oberhemden, die seit langem nicht mehr erhältlich waren, tauchten plötzlich wieder in den Auslagen der Geschäfte auf und konnten mit der neuen D-Mark bezahlt werden. Auch ein amerikanischer Jeep, das Kultauto Isetta und natürlich Erhards Bestseller „Wohlstand für Alle“ sind in der Schau zu sehen.

Nach einer Pressekonferenz in den 1940er-Jahren, bei der Erhard sagte, dass Preise und Löhne nicht der Staat festlegen dürfe, sondern dies dem Markt überlassen werden müsse, schrieb Marion Gräfin Dönhoff an ihre Redaktionskollegen: „Gott schütze uns davor, dass der einmal Wirtschaftsminister in Deutschland wird.“ Hier habe die große liberale Publizistin glücklicherweise geirrt, sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kürzlich.

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