mz_logo

Bayern
Sonntag, 19. August 2018 32° 2

Technik

Mähroboter werden zur Igel-Todesfalle

Vor allem nachts werden die Maschinen für die kleinen Tiere lebengefährlich. Die Industrie sucht nach Lösungen.
Von Wera Engelhardt

Igeln, Vögeln, Amphibien und anderen Tieren drohen im heimischen Garten zahlreiche Gefahren – unter anderem von Mährobotern. Foto: Balk/dpa
Igeln, Vögeln, Amphibien und anderen Tieren drohen im heimischen Garten zahlreiche Gefahren – unter anderem von Mährobotern. Foto: Balk/dpa

München.Igel sind keine Fluchttiere. Wenn sie Gefahr wittern, machen sie sich ihr dichtes Stachelkleid zunutze und – nun ja – igeln sich ein. So gut das funktioniert, wenn sich zum Beispiel Raubtiere nähern, so wenig hilft ihnen das gegen einen Gegner, der fast lautlos angesurrt kommt und von den kleinen Tierchen oft nicht einmal als Bedrohung erkannt wird. Die Rede ist von Mährobotern, jenen Gartenhelfern, die ganz von alleine über die Wiese gleiten und das Gras kürzen. Für Menschen eine bequeme Sache – für Igel eine Todesgefahr.

Dieser Igel wurde durch einen Mähroboter verletzt. Foto: Lydia Schübel/Tierschutzverein München/dpa
Dieser Igel wurde durch einen Mähroboter verletzt. Foto: Lydia Schübel/Tierschutzverein München/dpa

Igel leben ohnehin gefährlich – abgesehen, davon, dass viele von Autos überfahren werden, verfangen sich die Tiere in Netzen oder werden von Mäusefallen verletzt. Nun sind die Mähroboter als neue Gefahr hinzugekommen. Davor jedenfalls warnt der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) mit Sitz in Hilpoltstein. Vor allem wenn Gartenbesitzer ihre automatischen Rasenmäher nachts oder in der Dämmerung laufenlassen, riskieren sie, Igeln und anderen Tieren wie Vögeln oder Amphibien schlimme Verletzungen zuzufügen. „Die meisten Rasenmähroboter erkennen kleine Tiere nicht als Hindernis. Kleine Igel können dabei komplett überrollt und verletzt oder getötet werden, was uns zugesandte Fotos immer wieder beweisen“, erklärt die LBV-Igelexpertin Martina Gehret in einer Mitteilung des Verbandes.

Tiere werden übel verletzt

Solche Fotos kann auch Lydia Schübel vom Tierschutzverein München zuhauf vorlegen – und sie sind nichts für schwache Nerven. Einigen Igeln fehlt fast das ganze Gesicht, andere haben große Teile ihres Stachelkleids eingebüßt. Die Tiere würden oft nicht ganz niedergemäht, dafür würden sie durch die Klingen der Maschinen übel verletzt, erklärt Schübel. „Nachts sind Igel auf Beutezug, sie sehen die Maschinen nicht als Gefahr“, sagt die Biologin, die sich im Tierheim unter anderem darum bemüht, geschwächte oder verletzte Igel wieder aufzupäppeln.

In den vergangenen Jahren seien immer mehr Igel ins Tierheim gebracht worden, die einem Mähroboter in die Quere kamen. Im vergangenen Jahr seien es acht Igel gewesen, im Jahr davor sechs und 2015 nur drei. In diesem Jahr habe sie bislang einen vom Mähroboter verletzten Igel versorgt – doch das Tier habe eingeschläfert werden müssen. Nur die wenigsten überlebten, sagt Schübel.

Sicherheitsnormen verbessert

Beim Industrieverband Garten (IVG) in Düsseldorf ist man sich des Problems bewusst. In einer schriftlichen Stellungnahme betont IVG-Geschäftsführerin Anna Hackstein, dass internationale Produktnormen „hohe Sicherheitseinrichtungen, wie beispielsweise starke Sensoren an Bord, die bei Berührungen mit Menschen oder Tieren den Betrieb stoppen“, forderten. 2016 seien entsprechende Normen bereits verbessert worden.

Tipps für den Umgang mit Mährobotern

  • Appell:

    Die Igel-Expertinnen Martina Gehret und Lydia Schübel appellieren an Gartenbesitzer, Mähroboter nicht nachts laufen zu lassen.

  • Kontrolle:

    Die Wiese sollte vorher abgegangen und die Maschine bei der Arbeit im Blick behalten werden.

  • Dilemma:

    Gehret vom LBV ist sich allerdings bewusst: „Aber genau aus dem Grund, fürs Rasenmähen nicht zuhause sein zu müssen, kauft man sich doch so ein Gerät.“ Daher wünscht sie sich „mehr Mut zur Wildnis im Garten und einfach mal den Mäher im Schuppen stehenlassen.“

Die Stiftung Warentest hatte im Frühjahr acht Roboter auf den Prüfstand gestellt. Am Ende bekam keines der Geräte eine bessere Note als „befriedigend“. Denn bei allen gebe es ein Unfallrisiko, vor allem für Kinder, teilte die Stiftung Warentest damals mit. Sechs der getesteten Roboter hätten ein stehendes Kind immerhin erkannt, zwei hätten dagegen deutliche Schnitte an einem Kinderschuh hinterlassen. Beide Roboter wurden deshalb mit „mangelhaft“ bewertet.

Beim IVG heißt es, die Hersteller arbeiteten daran, die Maschinen noch sicherer zu machen. Einige Systeme, die auch den Schutz der Igel verbessern sollen, befinden sich demnach „in der Testphase“, teilte Anna Hackstein mit. Sie betont aber auch, dass hierbei der Verbraucher gefragt sei. „Leben Kinder und Haustiere im Haushalt, sollte der Mäher nicht arbeiten, wenn auf dem Rasen gespielt wird“, rät sie. Gebe es Igel im Garten, sollte außerdem nachts nicht gemäht werden. Und: „Wer Teile des Rasens ausspart, schafft naturnahe Flächen, in denen kleine Tiere Schutz finden können.“

Lesen Sie außerdem:

Immer wieder geraten Rehbabys unter Mähmaschinen. In Niedergebraching gab es jetzt einen besonders krassen Fall.

Weitere Nachrichten aus Bayern lesen Sie hier!

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht