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Justiz

Maria Baumers Familie muss weiter warten

Die Staatsanwaltschaft kommt 2017 nicht mehr zu einem Abschluss in dem mehr als fünf Jahre zurückliegenden Tötungsdelikt.
Von Isolde Stöcker-Gietl, mZ

Auch in diesem Jahr kommen die Ermittlungen im Fall Baumer nicht mehr zum Abschluss.Foto: MZ-Archiv
Auch in diesem Jahr kommen die Ermittlungen im Fall Baumer nicht mehr zum Abschluss.Foto: MZ-Archiv

Regensburg.Warten, das hat die Familie von Maria Baumer in den vergangenen Jahren auf schmerzlichste Weise gelernt. Sie hofften, dass die verschwundene Tochter und Schwester zurückkehrt. Seit September 2013, als die sterblichen Überreste der jungen Frau bei Bernhardswald gefunden wurden, auf Antworten, was mit Maria passiert war. Doch in der Sache hat sich in den vergangenen Monaten nichts mehr bewegt. Der angekündigte Abschluss der Ermittlungen ist ins Jahr 2018 verschoben worden. Theo Ziegler, Sprecher der Staatsanwaltschaft Regensburg, sagte diese Woche auf Nachfrage, dass man dem Verteidiger des ehemaligen Verlobten – der 33-Jährige gilt als einziger Tatverdächtiger – bis Ende des Jahres Zeit eingeräumt habe, Einsicht in die Akten zu nehmen und eine Stellungnahme abzugeben. Erst danach werde eine Entscheidung fallen.

Verteidiger hat viel zu tun

Dass in dem Verfahren eine Art Stillstand eingetreten ist, hat wohl auch mit dem vollen Terminkalender von Verteidiger Michael Haizmann zu tun. Er war und ist in diesem Jahr in eine Reihe aufsehenerregender Prozesse eingebunden. Er hat den Reichsbürger aus Georgsgmünd vertreten. Er gehört zu einer Reihe von Anwälten, die die Beschuldigten in der Regensburger Korruptionsaffäre vertreten und verteidigt gerade einen Heizungsbauer aus Niederbayern, der seine Geliebte und das ungeborene Kind tötete.

Haizmann hatte in einem Interview angekündigt, dass er die Ermittlungsakten im Fall Baumer genauestens studieren wolle, bevor er seine Stellungnahme abgibt. Der frühere Verlobte der Windanlagengutachterin saß nach dem Fund der Toten sechs Wochen in Untersuchungshaft. Das war 2013. „Hätten sich weitere Beweise, die gegen meinen Mandanten sprechen, gefunden, dann hätte man doch längst einen neuen Haftbefehl beantragt“, hatte Haizmann mehrfach betont. Auch der Beschuldigte hatte stets seine Unschuld beteuert.

Die Ermittlungsergebnisse der Polizei basieren auf einer Reihe von Indizien. Denn es konnte vieles nicht mehr mit Sicherheit geklärt werden. Weder wann, wo, noch wie Maria Baumer starb. Ihr Leichnam war nur mit einem Slip bekleidet. Ein Aspekt, der wohl dem Verlobten zur Last gelegt werden könnte. Die Kleidung hätte Hinweise auf den Todeszeitpunkt geben können. Belastend dürfte auch der neben der Grabstelle im Wald gefundene Spaten sein. Zwar waren die daran haftenden DNA-Spuren sowie ein Haar nicht mit dem Verlobten in Verbindung zu bringen, doch wenige Tage vor dem Verschwinden von Maria hatte er einen solchen Spaten, eine sogenannte Hausmarke eines in Regensburg ansässigen Baumarktes, erworben und mit EC-Karte bezahlt. Das Werkzeug war bei einer späteren Hausdurchsuchung nicht auffindbar. Die Staatsanwaltschaft wollte sich nie näher zu den Hintergründen des Spatens äußern, hatte aber mit Fotos nach Informationen gesucht und mehrfach erklärt, dass das Werkzeug Teil der Ermittlungen sei.

Zweifel an den Anrufen

Als Indiz für eine Täterschaft dürften zudem Löschungsvorgänge an Marias Laptop gewertet werden, ebenso wie die gelöschte Frizz-Box, die hätte dokumentieren können, dass Maria sich am Tag ihres Verschwindens noch zweimal – wie der Verlobte ausgesagt hatte – bei ihm gemeldet hat. Die Familie von Maria Baumer hatte in einem Gespräch mit unserem Medienhaus Zweifel an diesen Anrufen geäußert. Der Verlobte habe sie am späten Vormittag darüber informiert, dass er Maria nicht in der Wohnung angetroffen habe, obwohl man zum Mittagessen in Muschenried verabredet war. Am Nachmittag rief er erneut an – zu einem Zeitpunkt, als sich die Vermisste angeblich gemeldet hatte – und erwähnte das aber offenbar mit keiner Silbe. Erst bei einem weiteren Telefonat soll er von einer Auszeit Marias in Hamburg gesprochen haben. Die Eltern telefonierten noch am Abend mit Angehörigen im Norden. Doch Maria tauchte dort nie auf.

Ein ehemaliger Profiler, der in die Ermittlungen in dem Fall eingebunden war, sagte unserem Medienhaus, dass die Suche nach dem Motiv den Fall so schwierig mache. „Es bleibt rätselhaft, warum sie sterben musste.“

Der Fall Maria Baumer: eine Chronologie finden Sie hier.

Wir begleiten die Ermittlungen zum Fall Maria Baumer seit Beginn an. Alle Informationen zum Thema finden Sie hier.

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