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Serie

Matuschke will in die Karibik

Viele lieben ihn, für andere spinnt er: Bayern-3-Moderator Matthias Matuschik polarisiert. Bald hört er vielleicht auf.
Von Martin Kellermeier

Die meisten kennen nur die Stimme des gebürtigen Weideners Matthias Matuschik. Foto: Schrägformat

München.Es gibt zwei Sachen, die der Matuschke immer machen muss: den Teller umdrehen und den Kugelschreiber festhalten. Das mit dem Porzellan dient dem Heimatgefühl. Wenn der gebürtige Weidener Kabarettist Matthias Matuschik die Firmennamen Bauscher oder Seltmann auf der Rückseite des Tellers liest, geht’s ihm einfach gut. Beide produzieren in seiner Heimatstadt. Und der Kuli– der ist seine „Festhaltestange“ beim Moderieren. Nur den braucht er vielleicht bald nicht mehr. Matuschik, der unter der Woche jeden Abend unverkennbar als Matuschke auf Bayern 3 moderiert, will zehn Jahre vor der Rente etwas Neues wagen – in Zentralamerika.

Es reicht eine Sekunde, damit die Matuschke-Fans ihren Moderator an der Stimme erkennen, wenn er immer von Montag bis Donnerstag um 20 Uhr auf Sendung geht. Wohl kein anderer betont den Namen der Sängerin Beyoncé (auf Matuschkisch: Bionzääääh) so wie der Weidener. Kein anderer liest das Wetter so betont und beschwingt vor wie er – und selbst dem Verkehrsbericht verpasst der Matuschke seine eigene Note, wenn einmal wieder auf der A95 „ein Hund läuft und das Freibad sucht“.

„Hulapalu“ geht gar nicht

Es gibt Hörer, die rufen bei ihm an und fragen, ob es ihm gut geht. Ja, tut es. So ist er eben. Ein Mann, der nicht alles so ernst nimmt. Kein Spießer. Ein ehrlicher Typ, der das sagt, was er sich denkt. Wohl auch deshalb hören ihm jeden Abend Hunderttausende zu. Matuschke hat Prinzipien – vor allem bei der Musikauswahl für seine Sendung. Songs wie „Hulapalu“ von Andreas Gabalier würde er „nicht einmal besoffen aus Gaudi spielen“. Er hat ein Gespür für gute Musik. Seine Lieblinge der Woche finden sich kurze Zeit später regelmäßig in den Charts. Matuschke ist auf allen Genres unterwegs. Sogar die Raith-Schwestern spielt er. Und er hört sie mehrmals am Tag – spätestens, wenn sein Handy klingelt.

Der 53-Jährige lässt sich nicht verbiegen. Er hat feste Vorstellungen, auch für die Zukunft. Die plant Matuschke so: mit Badeshorts, Sonnenbrille und einem weitläufigen Sandstrand. „Das Salzwasser ist einfach gut für meine Haut“, sagt Matuschik. Panama, mitten in der Karibik gelegen, würde dem Weidener gefallen. Dort will er Geld verdienen, mit einer völlig neuen Idee. Mit was genau, das bleibt vorerst noch sein Geheimnis. So viel verrät der Mann aus dem Radio: Drohnen spielen in seinem Plan eine große Rolle.

Matuschke gibt es aber nicht nur beim BR. Der Künstler ist auch regelmäßig mit seinem Kabarettprogramm auf den Bühnen in Bayern und darüber hinaus vertreten. Nach „Heilige Scheiße“ spielt Matuschik aktuell „Entartete Gunst“ und hält in dem Stück mit Humor und Ironie seinen Zuschauern den Spiegel vor. In manchen Wochen arbeitet Matuschik an sieben Tagen. Ausgebrannt ist er noch nicht. Im Herbst bringt er sein drittes Programm auf die Bühne: „Gerne wider“. Nebenbei tritt er auch mit seiner Kollegin Susanne Rohrer auf. „Wir müssen reden!“ heißt das Stück, das beide im Duett spielen.

Privat ist der Matuschke ein ganz Gemütlicher. Sein Haus in Steinebach am Wörthsee hat er bis zum 28. Februar 2020 gemietet. Dann muss er raus, ob er will oder nicht, seine Vermieter kehren dann von einer Weltreise zurück. Das spielt dem Mann aus dem Radio aber voll in die Karten. So muss er sich etwas Neues suchen. Panama lässt grüßen.

Matuschke wohnt allein. 155 Quadratmeter Wohnfläche, spärlich eingerichtet, ein unscheinbares Haus mitten im Wohnviertel. Er hat es sich nicht sonderlich bequem gemacht. Warum auch, wenn es nur eine Bleibe auf Zeit ist?

Das Ende für DJ Matuschke

So war das übrigens auch mit seiner Wohnung davor in Obermenzing. Matuschke wohnte dort im ersten Stock und hatte öfter das Fenster zum Lüften gekippt – auch wenn er nicht zu Hause war. Das sah seine Vermieterin als Einladung für Ganoven. Es wurde diskutiert, bis Matthias Matuschik seiner Vermieterin einen Psychiater vermitteln wollte. Die Folge: Kündigung.

Bis vor ein paar Jahren hat der musikverrückte Matuschke auch noch auf Festen und Partys den DJ gegeben. Damit ist Schluss, seitdem ihm der Sohn eines ehemaligen Klassenkameraden auf einem Kirwa Grüße vom Papa ausgerichtet hat. „Da wusste ich: Matuschke, jetzt ist Zeit, dass du damit aufhörst.“ Hat er auch gemacht. Im Keller sind die CDs in Regale geschlichtet. Den Großteil seiner Musiksammlung hat er vor dem Umzug verkauft. Das Auflegen vermisst er nicht. Die DJs waren für Matuschik früher die Chefs auf der Party, heute sind das alle. „Du bekommst nur noch das Smartphone vor die Nase gehalten und sollst dann den Song spielen.“

Die Zeit, die er früher fürs Auflegen hatte, investiert Matuschik heute anders – in den sozialen Netzwerken. Dort will er „dem rechten Mob intellektuell eine überbraten“. Matuschke hat bei der Flüchtlingsdiskussion für sich festgestellt, dass „in den Deutschen viel rechtes Gedankengut steckt“. Damit will er nichts zu tun haben. Also, lieber ab in die Karibik! Oder überlegt er es sich doch anders? Beim Matuschke weiß man eben nie.

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