MyMz

Literatur

Max und Moritz erscheinen auf Bayerisch

Klaus Schwarzfischer hat schon den Struwwelpeter übertragen. Ihm ist wichtig, das bayerische Lebensgefühl zu vermitteln.
Von Marion Lanzl

Klaus Schwarzfischer hat nach dem „Schtruwlbeda af Bairisch“ nun den Wilhelm-Busch-Klassiker übersetzt. Fotos: Marion Lanzl
Klaus Schwarzfischer hat nach dem „Schtruwlbeda af Bairisch“ nun den Wilhelm-Busch-Klassiker übersetzt. Fotos: Marion Lanzl

Regensburg.Frech grinsen die zwei Lauser einem ins Gesicht. Man könnt schon Angst bekommen, was sie als nächstes aushecken, aber die Zwei sind inzwischen ja auch schon im gesetzteren Alter. Über 150 Jahre haben sie schon auf dem Buckel, da wären die Streiche jetzt wohl etwas altersmilder. In ihrer Neuauflage aber sind sie frech wie eh und je und dazu auch noch durch und durch bayerisch.

Schwarzfischer übertrug vorher den Struwwelpeter

Die Geschichten von Max und Moritz kennt wohl jedes Kind. Die Übertragung ins Bairische war für den Autor eine große Herausforderung, wie er sagt.
Die Geschichten von Max und Moritz kennt wohl jedes Kind. Die Übertragung ins Bairische war für den Autor eine große Herausforderung, wie er sagt.

Schon einmal hat Klaus Schwarzfischer, kurz Schwafi genannt, einen Klassiker in unsere Mundart übersetzt. Der Struwwelpeter wurde 2018 zum „Schtruwlbeda af Bairisch“ und hat dabei nichts an seinen makaberen Spitzen verloren. Die logische Folge für den wortfindigen Autor war nun die „Übersetzung“ von Max und Moritz – dem wohl bekanntesten Kinderbuchklassiker. „Die Übertragung in unseren Dialekt war eine ungleich höhere Herausforderung als beim Struwwelpeter“, erklärt Schwarzfischer, denn schließlich sollte auch das bayerische Lebensgefühl herauszulesen sein. „Ich finde es herrlich, wie Busch es schafft, die Spannung über viele Verse hinweg aufzubauen und kindgerechte Lautmalerei mit ausgefeilter Dichtkunst zu verbinden“, schwärmt Schwafi über den wohl größten deutschen Humoristen, Dichter und Zeichner. Der Ruhm indes kam spät und teils postum.

Buschs später Erfolg

Wilhelm Busch hatte sein Kunststudium in Düsseldorf und Antwerpen abgebrochen und auch in München hat es nicht so recht geklappt. Mit Karikaturen und Gebrauchstexten hielt er sich über Wasser. So wurde der Verleger der „Münchener Bilderbogen“ und der „Fliegenden Blätter“, Kaspar Braun, auf Busch aufmerksam. Als freier Mitarbeiter konnte er sich nun seinen Lebensunterhalt verdienen. Buschs Hoffnung auf die Veröffentlichung als Buch wurde aber jäh enttäuscht. Noch grausamer als der zuvor erschienene Struwwelpeter waren seine Bilderpossen gesellschaftlich nicht verträglich und ein finanzieller Flop. So lehnte sein neuer Verleger Heinrich Richter auch das Manuskript der Bubengeschichten mit Max und Moritz ab.

Fast schon demütig wandte sich Busch an seinen vorherigen Verleger Braun, bot seine Geschichte um die Bösewichte als eine Art Kinder-Epopöe für die Fliegenden Blätter an. Braun jedoch erkannte das Potenzial und zahlte dem mittellosen Busch für die Rechte 1000 Gulden. Ein stolzer Betrag für jene Zeit, der in etwa zwei Jahreslöhnen eines Handwerkers entsprach. Glück für Busch, ein Glücksgriff für den Verlag. Max und Moritz wurde 1865 veröffentlicht.

Der Streich rund um die Hühner darf auch in der bayerischen Version nicht fehlen.
Der Streich rund um die Hühner darf auch in der bayerischen Version nicht fehlen.

Ein Glück ist die Neuauflage in Bayerisch sicher, denn es liegt eine nostalgische Erinnerung über dem Buch, das wohl jeder als Kind in Händen hatte. Zartbesaitet darf man aber auch bei Klaus Schwarzfischer nicht sein. Er hat schon immer gerne provoziert und polarisiert. Ob mit seiner Punkband „den Spackos“ oder mit seiner bairischen Groteske „Der Verein, der Metzger und der Tod“, die 2015 sogar in die Kinos kam. Letzter Coup war die Ausstellung „R leuchtet“ im Neuen Kunstverein Regensburg, wo man eine abwechslungsreiche Mixtur aus Malerei, Fotografie, Comic, Video, Holzkunst und Zeichnung, mit künstlerischem Anspruch, amüsanter Satire und offener Kritik an den Regensburger Verhältnissen, so der Originaltext, bot.

Schwafi und der Spitz

Zurück zu Max und Moritz: Das herzhaft würzige Bairisch trägt das Seine bei zu einem amüsanten Werk für Groß und Klein – so sie denn des Dialektes mächtig sind. Das klingt dann so: „Wenn Kinder gscheid und gscheider wean, des segt da Lehrer Lämpl gern. Max und Moritz is des z`bled. Sie kinner nix und lerna ned. Leid drangsaliern – des kinners scho. Glei kimmt der Lehrer Lämpl dro.“ Und, man ahnt es schon, ei, ei, auch der Onkel Fritz ist dann dabei.

Heut hätten die Lauser vermutlich ein Problem, so viele Maikäfer zu fangen, um damit des Onkels Nachtruhe zu stören, aber vermutlich fiele ihnen noch Schlimmeres ein. Klaus Schwarzfischer frozelt: „Ich war und bin ein braves Kind! So gibt es mehr Süßigkeiten!“ Ansonsten hat auch er einschlägige Erlebnisse mit einem Spitz: Nachbar „Bifferlen“ von der „Bifferl-Heng“ hatte einen Spitz, ein äußerst verschlagener Hund. „Wenn ich mich recht erinnere, hat er mich zwei Mal gebissen und 27 Mal fast. So war es mir immer eine innerliche Genugtuung, dass Witwe Bolte dem Spitz den Kochlöffel um die Ohren g’haut hat.“

Max und Moritz Original und auf Bairisch

  • Verlag:

    Das Buch ist erschienen im Battenberg-Gietl-Verlag. Es ist im Buchhandel erhältlich und über den Online-Handel, zum Beispiel im Mittelbayerische Shop.

  • Lesungen:

    Lesungen von Schwafi aus dem bairischen Max & Moritz gibt es am 9. Juni in der Lesebühne im Vereinsheim München und im Mai (Termin wird noch bekannt gegeben) in der Stadtbücherei am Haidplatz.

  • Das Buch:

    Die Bildergeschichte von Wilhelm Busch ist in sogenannten vierhebigen Trochäen verfasst: „Max und Moritz, diese beiden mochten ihn darum nicht leiden.“

  • Kurioses:

    Der Verkauf der ersten Auflage mit 4000 Stück im schlichten Pappeeinband zog sich über vier Jahre hin. Für ein Exemplar dieser Erstauflage wurden 1998 auf einer Auktion 125 000 Euro bezahlt.

  • Autor:

    Im Wilhelm-Busch Museum, dem deutschen Museum für Karikatur & Zeichenkunst in Hannover, werden Originalschriften von Busch verwahrt. Seit 2006 wird alle zwei Jahre der Wilhelm-Busch-Preis für humoristisches Schreiben und satirische Sprachkunst verliehen. Preisträger sind unter anderem Ralf König, Loriot und 2019 Isabel Kreitz.

Doch Max und Moritz haben es doch zu weit getrieben und bekommen natürlich auch im Bayerischen ihre Quittung: Rickeracke, rickeracke, geht die Mühle mit Geknacke und so werden sie verfüttert an das Federvieh.

Hier können Sie das Buch erwerben

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht