MyMz

Medizin

Menschen können Virus übertragen

Die Fallzahlen mit der neuen Lungenkrankheit in China steigen. Ein Regensburger Infektiologe sieht kein unmittelbares Risiko.
Von Marion Koller, Dirk Godder und Andreas Landwehr

  • Reisende stehen in der Nähe des Pekinger Bahnhofs und tragen Mundschutz. Die Zahl bestätigter Infektionen mit der neuartigen Lungenkrankheit in China ist sprunghaft angestiegen. Foto: Mark Schiefelbein/dpa
  • Der Regensburger Infektiologe Prof. Bernd Salzberger; Foto: Salzberger

Wuhan.Die neuartige Lungenkrankheit in China kann auch von Mensch zu Mensch übertragen werden. Zudem seien Infektionen bei medizinischem Personal bestätigt, teilte ein Expertenteam der chinesischen Gesundheitskommission am Montag nach Angaben der Nachrichtenagentur Xinhua mit. Für zwei Fälle in der Provinz Guangdong sei eine Übertragung von Mensch zu Mensch nachgewiesen, sagte der Chef des Teams, Zhong Nanshan.

Für Experten ist es ein wichtiger Indikator, ob Ärzte und Pfleger von einer neuen Erkrankung betroffen sind: Infizieren sich viele von ihnen, ist das ein deutlicher Hinweis auf eine leichte Übertragbarkeit von Mensch zu Mensch. Für die neue, wahrscheinlich von Wildtieren auf den Menschen übergesprungene Sars-Virus-Variante war anfangs angenommen worden, dass es keine oder kaum Übertragungen von Mensch zu Mensch gibt.

Drei Todesfälle sind bekannt

Die Zahl bestätigter Infektionen in China stieg sprunghaft auf rund 220. Ein weiterer Patient starb. Damit sind drei Todesfälle bekannt, wie die Gesundheitsbehörde der zentralchinesischen Metropole Wuhan berichtete. Dort hatte der Ausbruch begonnen. Außer in der Stadt Wuhan, wo es die meisten bestätigten Fälle gibt, wurde von Patienten in der Südprovinz Guangdong sowie in Peking im Norden und in Shanghai berichtet. Zudem wurden Verdachtsfälle in mehreren anderen chinesischen Städten gemeldet und es gibt Nachweise bei Menschen in Thailand, Japan und Südkorea, die zuvor in Wuhan waren. In Europa wurden bisher keine von Reisenden eingeschleppten Fälle bekannt.

Der Infektiologe Professor Bernd Salzberger vom Regensburger Universitätsklinikum sieht kein unmittelbares Risiko, dass der Virus die Region Regensburg erreicht. Natürlich könnten nach Deutschland reisende Chinesen den Erreger in sich tragen. „Aber das ist sehr unwahrscheinlich“, beruhigt der Facharzt für Innere Medizin. Er weiß jedoch, dass erkrankte Personen ins thailändische Bangkok und nach Südkorea gereist sind. Professor Salzberger verweist auf den entscheidenden Punkt: „Man hat Sorge, dass sich diese Viren im Menschen anpassen und dann übertragen werden.“ Trotzdem ist der Regensburger Infektiologe im Augenblick noch zurückhaltend mit großen Warnungen. Der Spezialist für Viruserkrankungen hielte es für übertrieben, von Chinareisen abzuraten. Reisenden, die sich sorgen, empfiehlt er aber durchaus, Mundschutz zu tragen. „Damit können sie sich wirkungsvoll schützen.“ Denn der Coronavirus wird mit Tröpfchen übertragen.

Wann sie Mundschutz tragen, müssten Reisende selbst entscheiden. Ob Passagiere von Kreuzfahrtschiffen schon beim Landgang in Hongkong Mund und Nase bedeckten, bleibe ihnen überlassen. Von hustenden und schnäuzenden Menschen sollten sie sich fernhalten.

Märkte in China meiden

Eines sagt der Infektiologe ganz deutlich: Chinareisende sollten Märkte meiden. Die ersten Erkrankten holten sich den Virus offenbar auf einem Lebensmittel- und Tiermarkt in der chinesischen Millionenstadt Wuhan. „Gerade in Südchina sind die Menschen große Feinschmecker. Die finden exotische Tiere interessant. Schleichkatzen zum Beispiel, kleine Raubtiere aus der Wieselgruppe, werden gekocht und gebraten.“

Zur Person

  • Prof. Dr. Bernd Salzberger:

    Der Bereichsleiter Infektiologie am Universitätsklinikum Regensburg gehört laut der Ärzteliste 2019 von Focus Gesundheit zu den besten Medizinern Deutschlands. Seine Spezialgebiete sind Viruserkrankungen, Pilzinfektionen, Haut- und Weichteilinfektionen, Tuberkulose sowie Knochen- und Gelenkinfektionen.

  • Tätigkeit:

    Im klinischen Alltag kümmert sich Professor Salzberger um Patienten, die am HIV-Virus, an Tuberkulose oder Grippe erkrankt sind, die sich eine Krankenhausinfektion geholt haben, oder an Herpes leiden. Der Facharzt für Infektiologie übernimmt seit Jahren auch die Schirmherrschaft für die Internationale Aids Tanz Gala im Regensburger Velodrom. (ko)

Die Märkte würden auch von Fledermäusen heimgesucht, die ebenfalls den Corona-Erreger übertragen könnten. Bei Sars, auch ein Coronavirus, sei das 2002 und 2003 so gewesen. „Es kommt vor, dass der Virus von Tieren auf Menschen überspringt“, sagt Salzmann. Eine Art der Schleichkatzen, der Fleckenmusang, ist übrigens für seine Rolle bei der Produktion des wertvollen Kopi-Luwak-Kaffees bekannt.

Analysen des Erbguts hatten dem Berliner Virusforscher Christian Drosten zufolge ergeben, dass es sich bei dem Erreger um eine Sars-Variante handelt. Ein Sars-Virus hatte von China ausgehend 2002/2003 eine weltweite Pandemie mit 8000 Infizierten zur Folge, etwa 800 Menschen starben.

Experten des Imperial College London gehen davon aus, dass die neue Lungenkrankheit schon wesentlich weiter verbreitet ist als bisher bekannt. Nach ihrer Hochrechnung könnte es bereits mehr als 1700 Infizierte geben. „Solche Schätzungen sind immer mit großen Unsicherheiten behaftet“, sagte Drosten dazu. „Im Kern glaube ich aber an diese Zahlen.“

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht