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Missbrauchsskandal

Missbrauchsbeauftragter legt Bericht vor

Bistum Augsburg: Zahlreiche Hinweise auf Missbrauch durch Geistliche eingegangen. Jüngstes Opfer war zur Tatzeit erst acht.

Augsburg. Im Bistum Augsburg sind in den vergangenen sechs Monaten zahlreiche Hinweise auf zum Teil länger zurückliegende Fälle sexuellen Missbrauchs und körperlicher Gewalt durch Geistliche eingegangen. Das geht aus dem vorläufigen Schlussbericht des unabhängigen Missbrauchsbeauftragen des Bistums, Otto Kocherscheidt, hervor. „Es sind Einzelfälle, aber eine erschreckende Anzahl von Einzelfällen. Das jüngste Opfer war zur Tatzeit erst acht Jahre alt“, sagte er am Donnerstag. Der ehemalige Münchner Richter bestätigte damit einen Bericht der „Augsburger Allgemeinen“.

Insgesamt hätten sich von März bis August 80 Personen mit Hinweisen auf Missbrauchs- und Misshandlungsfälle gemeldet. 34 davon würden sich auf Angehörige der Diözese Augsburg beziehen.

Schwerwiegende körperliche Misshandlungen

Im Frühjahr, als die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche bekannt wurden, seien die meisten Hinweise bei ihm und drei unabhängigen Ansprechpartnerinnen eingegangen, sagte Kocherscheidt. „Insgesamt ebben die Hinweise inzwischen ab.“ Aus diesem Grund habe er aus seinen bisherigen Nachforschungen einen vorläufigen Schlussbericht verfasst, den er dem Bistum Augsburg am Donnerstag vorlegen wollte. Seine Tätigkeit sei damit aber noch nicht beendet.

Wie Kocherscheidt sagte, ereigneten sich sämtliche Fälle im Zeitraum von 1946 bis 2003. Unter den 34 Opfern waren 30 Buben und vier Mädchen, die meisten zur Tatzeit zwischen 10 und 14 Jahre alt. Die körperlichen Misshandlungen waren nach Angaben des Juristen schwerwiegend und auch zur damaligen Zeit nicht vom Züchtigungsrecht gedeckt.

So sei zum Teil wahllos mit Stöcken auf die Kinder eingeschlagen worden. „Die Opfer haben erzählt, dass sie gar nicht wussten, für was sie eigentlich bestraft wurden.“

Sexuelle Übergriffe fanden oft im Haus der Eltern statt

In 22 Fällen ging es laut Kocherscheidt um sexuellen Missbrauch. Während die körperlichen Misshandlungen sich vor allem in Schulen ereigneten, hätten die sexuellen Übergriffe oft im Haus der Eltern stattgefunden. Alle Fälle, bei denen ein Anfangsverdacht bestand, seien an die Staatsanwaltschaft weitergegeben worden. 20 Beschuldigte seien bereits gestorben, gegen sechs werde ermittelt. „Sie wurden von ihrer Aufgabe als Seelsorger entbunden.“

Den Opfern habe die Diözese Hilfe angeboten und für therapeutische Behandlungen bis jetzt 50.000 Euro zugesichert.

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