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Aufklärung

Missbrauchsfall wird neu aufgerollt

Das Bistum Regensburg will einen bereits angezeigten Missbrauchsfall bei den Regensburger Domspatzen nun nochmals prüfen.

Das Bistum will einen bereits angezeigten Missbrauchsfall bei den Regensburger Domspatzen neu prüfen.
Das Bistum will einen bereits angezeigten Missbrauchsfall bei den Regensburger Domspatzen neu prüfen. Foto: dpa

Regensburg.Im Zuge der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals bei den Regensburger Domspatzen wird ein bereits angezeigter Fall neu bewertet. Im Anschluss an die ARD-Dokumentation „Sünden an den Sängerknaben“, die vergangene Woche ausgestrahlt wurde, will das Bistum Regensburg ein erneutes Gespräch mit einem Opfer suchen. Bistumssprecher Clemens Neck sagte, dass in der Sendung Aussagen zu Straftaten gemacht wurden, die bislang nicht in den Akten stehen.

Im Film schildert der ehemalige Domspatz Georg Auer ein Treffen mit seinem mutmaßlichen Peiniger. Dieses Treffen fand 2010 in den Räumen der Kirche St. Johannes in Neumarkt statt – aus „verkehrstechnischen“ Gründen. Keiner der Beteiligten hat einen Bezug zu Neumarkt. In der Dokumentation wird geschildert, dass es bei dem Treffen zu einem Geständnis des ehemaligen Erziehers gekommen sei. Zeugin des Gesprächs war die damalige Missbrauchsbeauftragte des Bistums Birgit Böhm, die 2013 verstarb. Auch der Beschuldigte lebt nicht mehr. Das strafrechtliche Verfahren gegen ihn war wegen Verjährung eingestellt worden. Auer berichtet in der Doku in mehreren Interviewausschnitten von Prügeln und Demütigungen, aber auch von einem Vorfall im Zimmer des damaligen Erziehers, bei dem es zu einem sexuellen Übergriff gekommen sein soll. Auer kann sich daran nur bruchstückhaft erinnern. Er schildert, dass ihm von dem Erzieher eine „Medizin“ verabreicht wurde. Nach dem Übergriff habe er große Schmerzen gehabt.

Auf Empfehlung des Neumarkter Rechtsanwalts Geedo Paprotta will das Bistum Auers Fall neu aufrollen. Die Rede ist von „signifikant neuen Details“. Paprotta ist externer Rechtsberater des Bistums. Er entscheidet nicht über Fälle, sondern schätzt für das Bistum die Sachverhalte juristisch ein. Mit dem Fall Auer war Paprotta bislang nicht befasst. Weil er sich und seine Arbeit durch die ARD-Doku falsch dargestellt sieht, ergriff er aber nun die Initiative. Auers Antrag im Anerkennungsverfahren war bislang nicht erfolgreich. Mit diesem Antragsverfahren soll erlittenes Leid anerkannt werden. Es kann aber ein Strafverfahren nicht ersetzen. Widersprüche können vielleicht nie aufgelöst werden.

Bistumssprecher Neck betonte, das Bistum bitte nach wie vor alle Menschen, die Missbrauch in einer Einrichtung des Bistums erlitten hätten, sich an den Missbrauchsbeauftragten zu wenden. Nach dem im November 2014 vorgelegten Jahresbericht hat das Bistum Regensburg zwischen 2011 bis 2014 auf 30 Anträge von Opfern sexuellen Missbrauchs 158500 Euro ausbezahlt. Unter den 30 Antragstellern seien Opfer von verurteilten Straftaten als auch Antragsteller gewesen, deren Vorwürfe nicht mehr juristisch geklärt hätten werden können. (ct)

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