MyMz

Vorwürfe

Mobbing: Bürgermeister suspendiert

In der Vergangenheit sorgte der Bürgermeister von Taufkirchen mit einer „Hallo“-Aktion für Schlagzeilen. Jetzt muss er sich Mobbing-Vorwürfen stellen.

Der suspendierte Bürgermeister Jörg Pötke mit Ansteckern mit der Aufschrift „Hallo“: Nach langen Auseinandersetzungen mit einigen Rathausmitarbeitern ist Pötke wegen Mobbingvorwürfen vom Dienst suspendiert worden. Foto: dpa

Taufkirchen. Erstmals ist in Bayern ein Bürgermeister wegen Mobbing-Vorwürfen suspendiert worden. Die Landesanwaltschaft bestätigte am Donnerstag Medienberichte, wonach der Taufkirchener Bürgermeister Jörg Pötke nach einem Streit mit Mitarbeitern mit sofortiger Wirkung vom Amt suspendiert worden sei. Pötke wies die Vorwürfe zurück: Das Münchner Verwaltungsgericht müsse nun entscheiden, „inwieweit das Abrufen von Leistungen mit Mobbing verwechselt werden kann“, sagte der 66-Jährige. Pikant an dem Fall ist, dass Pötke erst im vergangenen Jahr mit einer ungewöhnlichen Aktion seine Mitbürger zu mehr Freundlichkeit im täglichen Umgang ermuntern wollte.

„Hallo“-Aktion sorgte für Ärger

Eine Sprecherin der Landesanwaltschaft erklärte, dass die für dienstrechtliche Verfahren zuständige Ermittlungsbehörde 18 Zeugen vernommen habe. Dabei handele es sich überwiegende um derzeitige oder ehemalige Mitarbeiter des Rathauses. Demnach sei davon auszugehen, dass die Vorwürfe gegen Pötke berechtigt seien. „Wir hatten noch keinen vergleichbaren Fall“, sagte die Sprecherin. Es seien noch nie Mobbing-Vorwürfe gegen einen Bürgermeister erhoben worden. Der Fall wird von der Anwaltschaft nun zur endgültigen Entscheidung über die Zukunft des Bürgermeisters an das Verwaltungsgericht abgegeben.

Pötke war im März 2008 erstmals zum Rathauschef in der 19.000 Einwohner großen Gemeinde bei München gewählt worden. 2011 sorgte er dann mit seiner „Hallo“-Aktion für Aufsehen. Er verteilte in seinem Ort Buttons mit dem Schriftzug „Hallo“, weil er die Menschen im Ort zum Grüßen animieren wollten, damit die Bürger nicht stumm aneinander vorbeigehen und miteinander ins Gespräch kommen. Die Aktion sorgte für Ärger, denn Parteien kritisierten, dass die orangefarbenen Anstecknadeln farblich zu sehr an Pötkes Wählerinitiative erinnerten.

Streit mit etlichen Mitarbeitern

In den vergangenen Monaten trug der Bürgermeister dann teilweise öffentlich eine heftige Auseinandersetzung mit etlichen Mitarbeitern aus. Laut Pötke hatten sich Mitarbeiter mitunter beschwert, dass sie krank würden, wenn sie morgens zum Dienstbeginn seine E-Mails vorfänden. Er verteidigte seinen Umgang mit den Mitarbeitern. Er habe von seinem Vorgänger ein „strukturloses Rathaus geerbt“, das aus zwei Häuptlingen und sonst nur Indianern bestanden habe. Im Ort habe sich „Taufkirchener Ortsrecht“ eingebürgert. Dann habe er erst einmal etwas Systematik in die Abläufe der Verwaltung bringen müssen. (dpa)

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht