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München will baden gehen

Seit Jahren diskutiert München über ein Isarflussbad mitten in der Stadt. Nun könnte es bald Realität werden.
Von Katia Meyer-Tien

Benjamin David schwimmt regelmäßig in der Isar in München. Er kämpft seit acht Jahren für ein Flussbad in der Stadt. Foto: Alexander Heinl/dpa
Benjamin David schwimmt regelmäßig in der Isar in München. Er kämpft seit acht Jahren für ein Flussbad in der Stadt. Foto: Alexander Heinl/dpa

München.Im vergangenen Sommer war Benjamin David in Basel im Urlaub. Und sprang in den Rhein, von einer Fußgängerbrücke, gemeinsam mit seinen zwei Söhnen. „Das war aufregend“, erzählt er: Tausende Menschen seien dort im Wasser gewesen, ließen sich den Fluss hinabtreiben, liefen am Ufer wieder hinauf und sprangen erneut in den kühlen Fluss. „Das ist genau das Bild, das wir auch für München vor Augen haben.“

Die Idee ist nicht neu, tatsächlich war die Isar bis in die 1940er Jahre hinein ein beliebter Badeort. Doch weil sie ein Wildfluss ist, mit stark schwankenden Wasserständen und manchmal unberechenbaren Strömungen, und weil auch die Wasserqualität nicht die Beste war, ist das Baden in der Münchner Innenstadt seit 1976 offiziell verboten.

Zustimmung fast überall

Ein Verbot, das nicht mehr zeitgemäß ist, findet Benjamin David, 42 Jahre alt, gebürtiger New Yorker, dreifacher Familienvater und beruflich „Urbanaut“: Mit Kunst- und Kulturprojekten setzt er sich für eine lebenswerte Innenstadt ein, betreibt den Kulturstrand, kämpft mit seinem Verein Isarlust unter anderem für einen autofreien Isarboulevard und seit mittlerweile acht Jahren für ein Flussbad in der Isar, direkt beim Deutschen Museum.

Denn, sagt er, in der wachsenden Stadt fehle es an ausreichend Bademöglichkeiten. Der Fluss sei durch die Renaturierung und die Hochwasserschutzmaßnahmen heute berechenbarer als früher, das Wasser sei viel sauberer. Zeit also, das Flussbaden wieder zu ermöglichen, so wie es auch in New York, Zürich oder Kopenhagen funktioniert.

16 bis 36 Millionen Euro Kosten

Und auch wenn es Bedenken gibt, ein Flussbad könne zu einer weiteren Kommerzialisierung des Isarraumes führen: Die Idee erntet fast überall Zustimmung. Ministerpräsident Markus Söder hat im vergangenen Sommer schon einmal die Füße in die Isar gehalten und seine Unterstützung zugesagt, Münchens damaliger zweiter Bürgermeister Josef Schmid wollte bloß noch Haftungsfragen und Betreibermodell geklärt wissen. Etliche Medien jubelten schon, das Isarflussbad sei beschlossene Sache.

Doch ein Blick auf die Kosten dämpfte die Euphorie: 16 bis 36 Millionen Euro, unter anderem für Zugangsbauten und Wehre, müsse man veranschlagen, heißt es in einem Gutachten, das die Stadt in Auftrag gegeben hat. Die Idee verlor an Rückenwind, auch weil diese Kosten in keinem Verhältnis dazu stehen, dass aufgrund der niedrigen Wassertemperaturen ein Isarbad wohl nur für wenige Wochen im Jahr genutzt werden könnte.

Ein Isarflussbad für München

  • Standort:

    Geplant ist das Flussbad am Deutschen Museum zwischen Reichenbachbrücke im Süden und der Ludwigsbrücke im Norden. In früheren Planungen war auch über ein Bad an der kleinen Isar nachgedacht worden, hier aber soll der Naturschutz Priorität haben.

  • Betreiber:

    Betrieben werden könnte das Bad vom Verein Isarlust, auch der Verein MTV München von 1879 hat schon Kooperationsbereitschaft signalisiert und könnte gegebenenfalls Bademeister stellen.

  • Vergleich:

    Andere Großstädte haben sehr gute Erfahrungen mit Flussbädern in der Innenstadt gemacht, in Zürich beispielsweise gibt es fünf Flussbäder. Rund 47 Prozent der Stadtbewohner dort geben an, mindestens einmal pro Woche schwimmen zu gehen.

  • Region:

    Wer in der Oberpfalz Flussbaden möchte, kann dies beispielsweise in Etterzhausen tun, im Flussbad Pielmühle bei Regensburg oder auch im Valentinsbad am Ortsrand von Regenstauf.

Schwimmend in die Arbeit

Auch Benjamin David hält 36 Millionen Euro für ein Flussbad für viel zu teuer. Das Bad sei schließlich schon da. Er selber schwimmt die geplante Strecke fast täglich. Etwa zwei Kilometer sind es von seinem Haus am Flussufer zu seinem Arbeitsplatz am Kulturstrand, durch den Fluss, sagt er, ist er viel schneller als durch den Münchner Berufsverkehr.

Jeden Morgen gilt sein erster Blick dem Wasserstand, ist der höher als 1,20 Meter wird es auch ihm zu gefährlich. „Ich vergleiche das gerne mit dem Bergsteigen“, sagt er, auch dort müsse man sich jeden Tag auf neue Situationen einstellen, sich absichern, wie überall im Umgang mit der Natur.

Stimmt der Wasserpegel, checkt David die Wassertemperatur – im Sommer ist von zwölf bis 23 Grad alles dabei. Für die kälteren Tage hat David einen Neoprenanzug, für seine Anziehsachen und den Laptop einen wasserdichten Plastikbeutel, der sich beim Verschließen aufbläst, so dass David sich darauf treiben lassen kann. Außerdem zieht er Wassersandalen an, vor allem wegen des Unrats, der immer wieder im Fluss landet. Eine knappe Viertelstunde braucht er so zur Arbeit – mit dem Auto wäre er doppelt so lang unterwegs.

Flöße statt Bauwerke

So stellt sich Wasserbauingenieur Titze die schwimmenden Badestege im Isarflussbad vor. Foto: Titze
So stellt sich Wasserbauingenieur Titze die schwimmenden Badestege im Isarflussbad vor. Foto: Titze

Der Verein Isarlust hat nun den Wasserbauingenieur Johannes Titze gebeten, sich Gedanken zu machen. Der schlägt vor, statt massiver Zugangsbauwerke schwimmende Badeinseln aus Holz zu installieren, zugänglich über von oben verschließbare Treppen. Damit sich an den Flößen kein Treibholz verfängt, müssten sie dreieckig sein, mit der Spitze gegen die Strömung, so dass Holz und Treibgut daran entlang abfließen können. Wechselnden Wasserständen könnten sich die Flöße anpassen, bei notwendigen Bau- oder Sanierungsarbeiten im Uferbereich könnte man sie verschieben, und sollte das Bad ein Erfolg werden, ließe es sich durch zusätzliche Inseln einfach erweitern. Kostenpunkt für die Baumaßnahmen: etwa 1,2 Millionen Euro.

Der Münchener Stadtrat lässt diese Version jetzt prüfen. Wenn alles gut geht – und Benjamin David ist überzeugt davon, dass alles gut geht –, dann könnten die Münchner tatsächlich bald baden gehen. Eröffnungstermin 1. Mai 2020, das ist Davids Ziel.

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