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Geschichte

Museum zeigt Münchner Polizeigeschichte

Olympia-Attentat, der Oktoberfest-Anschlag und der Mord an Rudolph Moshammer – die Münchner Polizei hat einiges zu erzählen.

Eine Puppe in der Uniform der Stadtpolizei steht in einer Vitrine des Polizeimuseums in München. Foto: dpa

München. Er war so etwas wie der „Jack the Ripper“ aus dem Münchner Westen: Johann Eichhorn wütete dort von 1928 bis 1939 und ermordete fünf Frauen; unzählige hat er vergewaltigt. Seine Opfer verstümmelte er, Leichenteile nahm der Familienvater und Angestellte der Reichsbahn sogar mit nach Hause. Der Serienkiller, den Andrea Maria Schenkel in ihrem Buch „Kalteis“ zur Romanfigur machte, hat es inzwischen auch ins Museum geschafft. Das Münchner Polizeimuseum zeigt seinen Fall, seine Messer, den Fahndungsaufruf und das Todesurteil, das nach seiner Verhaftung 1939 gegen ihn erging. „In Zeitungen von damals werden Sie nichts über ihn finden“, sagt Polizeidirektor Christian Weis, der für den Verein „Münchner Blaulicht“ durch die Ausstellung führt. „Denn Eichhorn war NSDAP-Mitglied.“

Museum zeigt hundertjährige Geschichte

Mehreren Tausend Menschen haben Weis und seine Vereinskollegen die Ausstellung im Münchner Polizeipräsidium inzwischen schon gezeigt. Das Museum, das nur zu festen Führungen für Besucher geöffnet ist, gibt es seit rund zwei Jahren. Auf 45 Quadratmetern zeigt es die ereignisreiche Geschichte der Münchner Polizei – angefangen vom Einzug in das heutige Polizeipräsidium vor heuer genau 100 Jahren bis fast in die Gegenwart.

Auch das dunkelste Kapitel der Geschichte wird – wenn auch nur sehr kurz – zum Thema. 1933 wurde Heinrich Himmler, Reichsführer der SS, Münchner Polizeipräsident. Der Organisator des Holocaust war zeitgleich Leiter des Konzentrationslagers Dachau, das zum Vorbild für die Nazi-Vernichtungslager werden sollte.

Die Ausstellung geht aber schnell darüber hinweg – und dafür auf die Geiselnahme in der Deutschen Bank in der Prinzregentenstraße im Jahr 1971 ein. Eine Geisel und einer der beiden Täter starben damals. Wie Polizeidirektor Weis erzählt, war es einer der ersten Banküberfälle mit Geiselnahme in Deutschland. Entsprechend ungeübt waren die Beamten auch bei der Sicherung des Tatortes. „Es war Volksfeststimmung – Krimi live. Die Leute standen mit Sektgläsern an den Fenstern.“

Die nächste Station ist das Münchner Olympia-Attentat von 1972. Bei dem Überfall auf die israelische Olympiamannschaft ermordeten Terroristen elf Sportler und einen Münchner Polizisten. Die Ausstellung zeigt eine Original-Uniformen, die ein Terrorist damals trug – und ein Stück des Hubschraubers, an dem Einschusslöcher zu sehen sind. Die Polizei sei auf einen solchen Einsatz damals nicht vorbereitet gewesen, sagt Weis. „Die hatten gegen diese ausgebildeten Terroristen keine Chance.“

Bis heute sind Fragen zur Tat offen

Es folgt das Wiesn-Attentat von 1980, bei dem 13 Menschen getötet und 211 verletzt wurden. „Das muss grausam gewesen sein“, sagt Weis. Betrunkene auf dem Weg zur U-Bahn hätten damals abgetrennte Körperteile durch die Gegend gekickt, weil sie nicht begriffen, was dort geschehen war. Der 21-jährige Student Gundolf Köhler hatte nach einer verpatzten Prüfung einen Sprengsatz in einem Mülleimer am Oktoberfest-Haupteingang deponiert. Bis heute gibt es Fragen zu den Hintergründen der Tat – Köhler hatte Kontakt zur rechten Szene. Auch das Terror-Video von mutmaßlichen Islamisten, das 2009 einen geplanten Anschlag auf das Oktoberfest nahelegte, zeigt die Ausstellung.

Doch es waren nicht etwa Wiesn- oder Olympia-Attentat, die das größte mediale Interesse hervorriefen – es war der Mord an Modezar Rudolph Moshammer am 14. Januar 2005. „Das Medienecho hat uns komplett überrannt“, sagt Weis. „Das war der Beginn des Medienhypes.“ Ein Stricher, den Moshammer mit seinem Rolls Royce in der Münchner Bahnhofsgegend aufgelesen hatte, erdrosselte den Designer im Streit mit einem Kabel. Das Kabel und auch das Sakko, das „Mosi“ trug als er getötet wurde, sind heute Ausstellungsstücke im Polizeimuseum.

Ängste vor der Polizei sollen abgebaut werden

Die Führungen durch Museum und Präsidium sollen vor allem auch Ängste vor der Polizei abbauen. Die wenigsten Leute wüssten, wie es in einem Präsidium aussehe. „Es kommen ja keine Leute hier rein, außer die, die müssen. Und die wollen eigentlich nicht.“ Dabei hat das Präsidium einiges zu bieten – dient es doch als Kulisse für verschiedene Krimi-Serien. Der Holz-Paternosteraufzug ist aus dem Münchner „Tatort“ bekannt. Außerdem sind in Vitrinen zahlreiche Waffen ausgestellt – und Polizeimützen aus aller Welt.

Doch es gibt ein Problem: Das eigentliche Museum ist einfach zu klein. Der Verein „Münchner Blaulicht“ sammelt darum schon für ein größeres. Die Austellung endet im Moment beim Jahr 2007 mit dem brutalen Angriff auf einen alten Mann in der U-Bahn. Viel Platz für eine Fortsetzung bleibt nicht. Dabei ist ja auch seitdem einiges passiert in München – beispielsweise der Mord von Dominik Brunner 2009 am S-Bahnhof in München-Solln. Er hatte sich damals schützend vor Kinder gestellt. (dpa/lby)

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