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Trend

Neue Ideen für Teller und Glas

Knabberhanf, Kaffeeshots und Kräuterbutter: Auf der Messe Food & Life präsentieren sich viele junge Startups.
Katia Meyer-Tien

Die Regensburger Matthias Coufal und Jakob Graf wollen mit ihrem Hanfriegel den Markt erobern
Die Regensburger Matthias Coufal und Jakob Graf wollen mit ihrem Hanfriegel den Markt erobern

München.Es müssen lustige Abende gewesen sein, vor zwei Jahren in der Regensburger WG-Küche von Matthias Coufal. Dort probierten er und sein Freund Jakob Graf Rezepte. Alle mit Hanfsamen. Stundenlang, bis sie endlich zufrieden waren: Sie hatten einen Riegel erfunden. Einen Hanfriegel.

Am Mittwochmorgen stehen die Regensburger Coufal und Graf zum Start der Münchner Messe Food & Life gut gelaunt an ihrem Stand. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Isabella Voit haben sie es tatsächlich geschafft, den Hanfriegel marktreif zu machen. Vor ihnen stehen vier verschiedene Sorten, es ist die allererste Charge, gerade fertig geworden. Auf ihren T-Shirts prangt in riesigen Buchstaben der Name des Riegels, HANS. Auffallen ist alles auf dieser Messe, auf der heuer 320 Aussteller vertreten sind, die von Salami über Thai-Kochboxen bis zum Käsekuchenschnaps eine breite Vielfalt von Produkten rund um das Essen und Trinken vorstellen.

Hier lesen Sie ein Interview mit Gründungsberater Walther Bruckschen:

Interview

„Ich muss mein Gesicht zeigen“

Der Gründungsberater Walther Bruckschen unterstützt mit StartinFood seit 2016 Gründer im Bereich Food und Beverage.

Im neuen Backstudio gibt es fachkundige Hilfe beim Dekorieren der Weihnachtsplätzchen. Wer es deftiger mag fühlt sich vielleicht am Meat Point wohler, an dem gigantische, fein marmomierte Fleischstücke in wohltemperierten Reifeschränken warten. Auf der Ausstellungsfläche der 100 Genussorte Bayerns stellen unter anderem Emma Adamczyk und Simon Stöll von der Amberger Touristeninformation die Spezialitäten ihrer Heimat vor: Bier, Bierpralinen, Bierbrot, Wild, Würste, Feinkost und mehr präsentieren sie an ihrem Stand.

Bio, regional und nachhaltig

Doch weil Tradition nicht alles ist, findet sich auf der Messe auch in diesem Jahr wieder einen Bereich für Startups. Neben Coufal und Graf kämpfen hier noch 20 weitere junge Unternehmen um die Aufmerksamkeit von Kunden und Investoren. Da gibt es Natural Powerdrinks und Kaffee-Shots, Knabberhanf, vegane Fertiggerichte und vieles mehr. Fast alle Jungunternehmer setzen dabei auf bio, regional und Nachhaltigkeit.

Rote und gelbe Paprika, Kürbisse und Äpfel: Bio, regional und nachhaltig sind Trend.  Foto: Daniel Karmann/dpa
Rote und gelbe Paprika, Kürbisse und Äpfel: Bio, regional und nachhaltig sind Trend. Foto: Daniel Karmann/dpa

Ein Trend, den Walther Bruckschen von der Gründungsberatung StartinFood, die ebenfalls auf der Messe vertreten ist, schon lange beobachtet. Auch vegane oder vegetarische Ernährung sei nach wie vor ein großes Thema, ebenso wie Power Drinks und das sogenannte „MealPrep“, ein Verwandter des Fertiggerichts : „Da geht es heute aber darum: Was können wir anbieten für den nachhaltig denkenden Konsumenten, der eine vollwertige Mahlzeit haben und sich nicht nur von Döner und Burgern ernähren will“. Hans Brainfood, so der volle Name der Regensburger Riegelerfinder, habe dabei vieles richtig gemacht: „Die haben geschaut: Wo können wir einen neuen Akzent setzen. Mit den Hanfsamen, also mit etwas, das nicht so üblich ist, da haben sie eine ganz gute Nische getroffen.“ Und tatsächlich sorgt die Geschichte vom eigenen Hanffeld in Oberbayern, das sogar mal von der Kriminalpolizei untersucht wurde, für viel Staunen am Stand von Hans Brainfood. Wobei Coufal und Graf sich beeilen hinzuzufügen, dass ihr Hanf selbstverständlich keine psychoaktiven Stoffe enthält. Und damit nicht nur legal, sondern auch noch nachhaltig und regional angebaut werden könne.

Alleine schwer zu schaffen

Einige Meter weiter bastelt der Münchner Peter Braun an seinem kleinen Stand. Er würde mit Bento Bio gerne bayerische Brotzeitboxen nach japanischem Vorbild verkaufen, ist aber noch längst nicht so weit wie Coufal und Graf. Das Interesse an seiner Idee sei groß, sagt er. Seine erste Crowdfunding-Kampagne lief dennoch nicht so gut, er kam einfach nicht mit der Werbung hinterher. Sich alleine um alle Bereiche eines jungen Unternehmens zu kümmern sei extrem schwer, sagt er. Und will sich nun Partner suchen, um seine Idee von regionalen Spezialitäten in praktischen, kompostierbaren Schachteln weiter zu verfolgen.

 Eine Orange mit Bio-Siegel an einem Naturkost-Stand: Bio, regional und nachhaltig sind Trend. Foto: Daniel Karmann/dpa
Eine Orange mit Bio-Siegel an einem Naturkost-Stand: Bio, regional und nachhaltig sind Trend. Foto: Daniel Karmann/dpa


Gründen, das wird im Gespräch mit den Neu-Unternehmern klar, braucht viel Energie und einen langen Atem. Patrick Lindner und Benjamin Detzel mit ihrer Firma Kaestler stellen frische Bio-Kräuterbutter ohne Zusatzstoffe her, daheim, in zwei umgebauten Zimmern, mit Mamas Hilfe und Rezepten. Und das neben ihren Vollzeitjobs. Viel Arbeit, die den beiden aber viel Spaß macht, „ich wollte immer schon gründen“, sagt Lindner.

Energie, Geduld und ein langer Atem

Andere, wie Katharina Roßmann von der Firma Zeekei, sind schon etabliert in ihrem Geschäft – in ihrem Fall der Teehandel -, wollen aber mit neuen Innovationen auf den Markt. Roßmann hat „Magic Caps“ entwickelt, Kapseln für die einfache Zubereitung von japanischem Tee, und muss nun einen Weg finden, dieses neue Produkt auf dem Markt durchzusetzen.

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Auch Hans Brainfood muss seinen Platz auf dem Markt noch finden. Die Chancen dafür stehen aber nicht schlecht: Beim Crowdfunding-Wettbewerb im Vorfeld der Messe haben sie 20 000 Euro eingesammelt und damit den zweiten Platz belegt, für den Vertrieb im kommenden Jahr sind sie schon im Gespräch mit einigen Einzelhändlern. Sieht ganz so aus, als würde man noch hören vom Hanfriegel aus Regensburg.

Die Food & Life findet noch bis zum 2. Dezember parallel zur Messe Heim und Handwerk auf dem Messegelände München statt. Das Tagesticket für 13 Euro (gilt für beide Messen) und weitere Infos gibt es online unter www.food-life.de.

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