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Kolleg

Neuer Pfad zum Doktortitel

Wer nicht an der Uni studiert, tut sich schwer mit der Promotion. Das ändert sich, auch an den Regensburger Hochschulen.
Von Bernhard Fleischmann

Mit den Verbundkollegs wird die Promotion für Absolventen von Hochschulen für angewandte Wissenschaften leichter. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Mit den Verbundkollegs wird die Promotion für Absolventen von Hochschulen für angewandte Wissenschaften leichter. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Regensburg.Rainer Koch hat es geschafft. Der 37-Jährige ist der erste Absolvent eines Verbundkollegs in Bayern. Er hat seinen Doktortitel auf diesem neuen Weg erworben, der Absolventen von Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAWs) die Promotion massiv erleichtern soll. Koch erhielt am Mittwoch seine Doktorurkunde aus den Händen der Wissenschaftsministerin Marion Kiechle.

Die Verbundkollegs werden koordiniert vom Bayerischen Wissenschaftsforum. Mittlerweile sind fast alle Hochschulen in Bayern aktiv in mehrere Kollegs eingebunden. Aktuell gibt es sechs Kollegs: Mobilität, Energie, Digitalisierung, Ressourceneffizienz, sozialer Wandel und Gesundheit.

Besonders die OTH Regensburg engagiert sich. Sie ist die aktivste HAW in ganz Bayern, beteiligt an fünf der sechs Kollegs (Energie, Ressourceneffizienz und Werkstoffe, sozialer Wandel, Gesundheit und Mitbegründer beim Thema Digitalisierung). Die OTH Amberg-Weiden ist Mitglied in den Kollegs Digitalisierung, Gesundheit, und Mitbegründer im Bereich Energie. Dem Verbundkolleg Gesundheit gehören derzeit 22 Promovierende an. Allein OTH Regensburg und Universität Regensburg betreuen gemeinsam neun Verbundpromotionen, zusätzlich werden von der Universität Regensburg noch zwei weitere Doktorarbeiten gemeinsam mit jeweils einer anderen bayrischen Hochschule für angewandte Wissenschaften betreut.

Ökonomie kommt hinzu

Sozusagen in den Startlöchern steht bereits ein weiteres Kolleg Ökonomie. Dafür hat sich die Universität Regensburg beworben und erwartet in diesen Tagen die Entscheidung des Ministeriums. Die Zeichen stehen laut Uni gut, denn der Lenkungsrat des Bayerischen Wissenschafsforums habe vergangene Woche zugestimmt.

Die Zusammenarbeit von Promovierenden und Professoren aus Universitäten und HAWs wird bei den Kollegs jeweils koordiniert von einem Wissenschaftsmanager, der an einer der Mitgliedshochschulen angesiedelt ist und die Vernetzung vorantreibt, Workshops und Kurse anbietet und für die Qualitätssicherung zuständig ist.

Erstabsolvent Koch ist von dem System überzeugt: „Wer in einem Verbundkolleg des Bayerischen Wissenschaftsforums promoviert, hat einen Riesenvorteil“, sagte er einer Mitteilung zufolge. Ihm habe die, wenn auch verspätete, Einbindung in das Verbundkolleg Digitalisierung noch einmal so richtig Schwung gegeben. „Ich kann jedem HAW-Absolventen nur empfehlen, gleich von Anfang an an einem Verbundkolleg zu promovieren“, so Koch. Als Vorteile nennt er eine gesicherte gute Betreuung, Fortbildungen und Foren für alle Promovierenden des Kollegs und Reisekostenzuschüsse. Die Vernetzung und die Einbindung in die Forschergemeinschaft seien deutlich besser als ohne solch ein Kolleg.

Koch, der aus Dettelbach bei Würzburg stammt, hat einen langen Bildungsweg hinter sich: Er ging nach der 6. Klasse Hauptschule an die Realschule, machte eine Lehre als Bauzeichner und ging danach an die Technische Hochschule Nürnberg. Nach dem Diplom-Ingenieur (FH) in Elektrotechnik und einem Aufbaustudium (Master) folgte nun die Doktorarbeit.

Bessere Augen für Roboter

In seiner Dissertation („Sensorfusion zur präzisen Kartierung von transparenten und reflektierenden Objekten“) kümmerte sich Koch um eine bessere Sehfähigkeit von Robotern. Roboter oder autonome Fahrzeuge „sehen“ üblicherweise per Laserscanner. Diese haben Probleme mit reflektierenden Objekten und transparentem Material. Sie werden davon irritiert, „sehen“ deswegen möglicherweise falsch. Eine Folge kann eine Kollision sein. Rainer Koch hat die Datenverarbeitung von Laserscannern so verbessert, dass Roboter nun auch spiegelnde oder transparente Objekte und ihre Umgebung richtig erkennen.

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