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Ernährung

Nudeln aus dem Bayerwald

Stars schwören auf Pasta aus Linsen oder Kastanien. Dabei wurde Edith Vater-Schubert aus Not zur Teigwaren-Produzentin.
Von Melanie Bäumel-Schachtner

  • Edith Vater-Schubert überwacht die Trocknung von Dinkel-Muscheln. Foto: Bäumel-Schachtner
  • In der Nudelwerkstatt in Grafenau entstehen Lasagneplatten aus rotem Linsenmehl. Foto: Bäumel-Schachtner

Grafenau.Spieler der Fußballnationalmannschaft schwören auf Nudeln aus Grafenau. Auch Fernsehmoderatoren und Sterneköche. Immer wieder ordern Stars bei Edith Vater-Schubert. Die Grafenauerin hat vor neun Jahren ihr Unternehmen „My Nudel“ gegründet und stellt glutenfreie, vegane Low-Carb-Nudeln aus Hülsenfrüchten mitten in ihrer Werkstatt, einer ehemaligen Bäckerei, her. Versandt wird europaweit. Vormittags herrscht Hochbetrieb in der ehemaligen Backstube in der Grafenauer Hauptstraße. Es ist Produktion angesagt. Edith Vater-Schubert füllt Teig in eine Maschine, den sie vorher mit kundiger Hand gerührt hat. Nur die besten Rohstoffe kommen in die Masse. Nicht zu viel Wasser und auf keinen Fall zu wenig – die Mischung macht’s.

100 Kilo Nudeln am Tag

Edith Vater-Schubert überwacht die Trocknung von Dinkel-Muscheln. Foto: Bäumel-Schachtner
Edith Vater-Schubert überwacht die Trocknung von Dinkel-Muscheln. Foto: Bäumel-Schachtner

Die Chefin rührt jeden Nudelteig selber an, nur für die Fertigung und die Trocknung sind ihre drei Angestellten zuständig. Der Teig hat eine appetitlich-rote Farbe, denn er besteht aus roten Linsen. Außer dem Linsenmehl und dem Wasser kommt keine weitere Zutat hinzu – kein Weizenkleber, kein Hartweizen, kein Salz. Das ist das Erfolgsgeheimnis der Pasta von Edith Vater-Schubert, wie sie verrät. Der Teig wird durch die Maschine gedreht, es kommen flache, rote Bahnen heraus, die von Hand zurechtgeschnitten werden. So entstehen Low-Carb-Lasagneplatten, ein ziemlich seltenes Produkt, das nach der Fertigung schonend bis zu zwei Tage lang getrocknet wird. So ist die Kochzeit anschließend kurz, die Bestandteile können sich entfalten und auch der Geschmack, wie die Chefin erzählt.

Low-Carb-Nudeln aus einer ehemaligen Bäckerei mitten im Bayerwald – eine ungewöhnliche Mischung, aus der Not geboren. Mit 52 Jahren bekam Edith Vater-Schuberts Ehemann große gesundheitliche Probleme. Nach einem Leistenbruch wurde er zum Pflegefall und starb nach zwei Jahren. Die Bäckerei in der Grafenauer Hauptstraße hinterließ er seiner Witwe, zusammen mit einer schmalen Rente von nicht einmal 300 Euro – nicht genug zum Leben.

Edith Vater-Schubert musste kreativ werden. Sie steckte den Kopf nicht in den Sand, sie handelte, auch für ihre Kinder. „Eine Bäckerei durfte ich ohne Meistertitel nicht führen. Also bin ich auf die Nudeln gekommen. Wir haben schon zur Zeit meines Mannes Dinkelnudeln hergestellt. Daran habe ich mich erinnert“, blickt sie ohne Bitterkeit auf die schwerste Zeit in ihrem Leben zurück.

In der Nudelwerkstatt

  • Werkstatt:

    Edith Vater-Schubert hat einen Zwölf-Stunden-Tag und steht auch bis 21 Uhr in der Werkstatt. Sie ist stolz auf ihren Jahresumsatz von mehr als 100 000 Euro. An Samstagen entwickelt sie in der Erfinderküche gerne Neuheiten. Dabei vergeht die Zeit wie im Flug.

  • Neuheit:

    Edith Vater-Schubert tüftelt derzeit an Nudeln aus Kartoffelmehl, die ebenfalls arm an Kohlenhydraten sein sollen.

  • Kontakt:

    Wer mehr über die Low-Carb-Nudeln wissen will: www.my-nudel.de, (0 85 52) 91 61 0.

Geplant war, sich ein kleines Zubrot zu verdienen, um leben zu können und das Haus halten zu können. Dass sie neun Jahre später rund 100 Kilo Nudeln am Tag fertigen und vier Angestellte haben wird, hätte sie nie erwartet.

„Aber es macht mir so viel Spaß. Ich liebe es einfach, gesunde Nudeln herzustellen.“ Alles, was bei der Herstellung der gesunden Low-Carb-Nudeln notwendig ist, hat sie sich selber beigebracht. Sie experimentierte mit verschiedenen Mehlsorten und gab so lange keine Ruhe, bis der Teig perfekt gelang. Heute fertigt sie Nudeln aus den verschiedensten Ausgangsmaterialien, von Erbsen und Linsen über Kastanien bis zu Matcha, Lupinen und Kürbiskernen. Alle Produkte sind bio-zertifiziert.

Nudeln in Regenbogenfarben

Aus Eiern oder Hartweizen, die üblichen Nudel-Materialien, Teige zu fertigen, war nie ihre Welt. „Ich wollte mich schon immer abheben“, schmunzelt sie. Deshalb setzt sie auf glutenfreie, vegane und kohlenhydratarme Produkte. Nach Angaben von Edith Vater-Schubert belasten sie weder Körper noch Verdauung, sind auch bei Magen- und Darmproblemen sowie Allergien bekömmlich, liefern Energie und machen schneller satt.

Neben Sportlern und Gesundheitsaposteln gehören Vater-Schubert zufolge viele Heilpraktiker zu ihren Kunden, die ihren Patienten bei Unverträglichkeiten und Bauchschmerzen die besonderen Nudeln verordnen.

Dass ab und an jemand in ihren kleinen Laden in Grafenau zum Spionieren kommt, um Rezepte auszukundschaften und die bunten Tüten anzusehen, macht Edith Vater-Schubert eher stolz als sauer: „Es ist eigentlich ein Kompliment.“

In verschiedenen Regenbogenfarben steht die Pasta in den Regalen, jede Sorte hat eine eigene Farbe, Plastik wird nicht verwendet. Die meisten Produkte werden aber verschickt, an Empfänger in ganz Europa. Jeden Tag kommt die Post und holt die Pakete ab – beispielsweise für das Trainingslager der Fußball-Nationalmannschaft.

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