MyMz

Nuntius des Papsts: Fall Riekofen macht traurig

Der Apostolischer Nuntius Dr. Jean-Claude Périsset trägt sich in das Goldene Buch der Stadt Regensburg ein – im Hintergrund Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller und OB Hans Schaidinger (Foto: altrofoto.de).

Der Fall Riekofen. Das angespannte Verhältnis unter bayerischen Bischöfen: Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset, seit Oktober 2007 Apostolischer Nuntius in Deutschland, äußert sich dazu im MZ-Interview sehr zurückhaltend und mahnt zur Versöhnung und Einheit unter den Christen. Der Statthalter von Papst Benedikt XVI. ist seit vergangenem Wochenende zu Besuch in der Diözese, am Ostersonntag reist er ab.

Erzbischof Périsset, warum sind Sie gerade jetzt ins Bistum gekommen?

Das ist sehr einfach. Bischof Gerhard Ludwig Müller war der erste Bischof, der mich für einen Diözesanbesuch eingeladen hat. Und ich dachte, das ist sehr gut, das Bistum zu besuchen, in dem Papst Benedikt auch am Ende seiner Zeit als Professor wirkte. Sein Bruder wohnt in Regensburg, das gibt mir die Möglichkeit, besser die Lebensumgebung des Papstes kennenzulernen was für mich sehr wichtig ist als sein Vertreter in Deutschland.

Soeben ist der Kindesmissbrauch eines Pfarrers vor Gericht verhandelt worden. Aus Rom verlautet gerade, dass die sieben Todsünden „neu geschrieben“ werden sollen. Der Missbrauch von Kindern wird dezidiert erwähnt. Werden die Sanktionen von kirchlicher Seite verschärft?

Ich denke an das Kind, das missbraucht wurde, aber auch an den Priester, der so schwach blieb. Ich bin sehr traurig, wenn ich das höre. Aber ich glaube, es gibt auch für die Sünder immer eine Erlösung. In diesem Fall hat, so weit ich weiß, das Gericht schon früher gesagt, er könne wieder normal eingesetzt werden. Ich glaube nicht, dass man die Strafen noch verschärfen muss. Sicher wird man noch stärker auf die Ausbildung und Weiterbildung und auf die innere Haltung der Priester achten müssen. Die Bischöfe und der Heilige Stuhl wollen hier nicht nur mit Strafe, sondern auch mit Blick auf die Erlösung reagieren.

Das Bistum Regensburg hat in den vergangenen Jahren mit der umstrittenen Rätereform Schlagzeilen gemacht. Das Verhältnis zwischen bayerischen Bischöfen ist gespannt, nachdem einige Oberhirten kürzlich dem Abschied von Kardinal Friedrich Wetter fernblieben. War das Thema bei ihrem Besuch?

Also, auch ich war nicht anwesend (lacht), der Nuntius kann auch nicht überall bei gewissen Festen und Abschieden von Bischöfen und Kardinälen sein. Ich weiß, so weit ich es in den Zeitungen gelesen habe, dass der eine oder der andere Bischof schon lange andere Termine hatte. Ich sollte diese Woche auch in Fribourg sein bei der Beerdigung meines Bischofs, der auch mein Professor war. Aber ich bin hier in Regensburg. Daher sollte man nicht schnell urteilen, ohne die Hintergründe zu kennen, vor allem, wenn es mit bestem Wissen und Gewissen gemacht wurde.

Wie bewerten Sie in Konnersreuth das Seligsprechungsverfahren von Therese Neumann. Sollte dieses Seligsprechungsverfahren zum zügigen Abschluss kommen?

Als Offizial in Fribourg hatte ich selber ein ähnliches Verfahren angestoßen. Bei all den positiven Ergebnissen kann etwas Wichtiges in den Akten fehlen, oder Rom schätzt manches anders ein als die Ortskirche. Für Therese Neumann weiß ich, dass gewisse Schwierigkeiten vorhanden sind, weil es nicht nur um Angelegenheiten des alltäglichen Lebens geht.

Sie meinen die Phänomene?

Ja, Phänomene und Visionen. Deshalb muss die Untersuchung tiefer gehen, um zu dem Urteil zu kommen, da ist Gottes Hand im Spiel. Therese von Neumann ist auf jeden Fall für uns ein Vorbild eines kirchlichen Lebens.

Sie sind der wichtigste Verbindungsmann zwischen Rom und den deutschen Bischöfen: Welches Thema beschäftigt Sie im Alltag am meisten?

Das Thema, das mir am Herzen liegt, ist die Einheit der Kirche, nicht nur zwischen den Bischöfen, sondern zwischen allen Mitgliedern der Kirche, d.h. Laien, Ordensleuten, Priestern mit dem Bischof. Vom Hl. Ignatius von Antiochien stammt das schöne Wort, die Priester sollen wie Saiten mit der Harfe verbunden sein.

Die deutschen Katholiken gelten als sehr selbstbewusst und nicht als ohne weiteres romtreu. Stimmt diese Einschätzung?

Ich glaube, das ist ein Vorurteil. Ich fühle besonders in Regensburg, wie alle mit Papst Benedikt und auch mit dem Nuntius als seinen Vertreter verbunden sind. Und was heißt romtreu? Die Kirche überall in der Welt muss sich eben einverleiben in die Kultur jedes Volkes. Da sieht man hie und da Verschiedenheiten als Gegenseitigkeiten an. Für mich ist das inakzeptabel. Man sollte eine gewisse Eigenartigkeit der Tradition der Kirche in Deutschland auch zur Geltung kommen lassen, und in Rom jetzt mit Benedikt XVI. ist das sicher viel leichter.

Der Papstbesuch 2006 in Bayern hat dem Katholizismus in Deutschland neue Impulse gegeben. Ist das noch zu spüren?

Das sicherlich. Ich erlebte am Mittwoch ein schönes Beispiel, als wir am Kreuz des Islinger Feldes beteten. Obwohl es so kalt war, war eine große Gruppe von Leuten und von Priestern mit den Seminaristen da. Das gleiche am Abend in der St. Wolfgang-Kirche, als ich mit den Mitarbeitern der Stadtmission aus St. Paul und St. Wolfgang und vielen anderen Gläubigen die Messe feierte. Für mich waren das Zeichen, dass umgesetzt wird, was der Papst uns gesagt hat: Wir sollten den Glauben in unserer heutigen Welt zur Geltung kommen lassen.

Fachleute beobachten einen Trend zum Glauben und parallel eine selbstbewusste neoatheistische Bewegung. Prallen verstärkt zwei Fronten aufeinander?

Ich glaube nicht, dass es wie in der Zeit der Aufklärung zum Krieg zwischen Atheismus und Glauben kommen wird. Man schätzt die kirchlichen Werte nicht mehr und man vergisst unsere Wurzeln – das ist vielleicht noch schlimmer. Es ist wie ein Krebs: Man merkt es oft erst, wenn es zu spät ist. Deshalb muss die Kirche und jeder Gläubige an seinem Platz diese Werte leben und der Welt zeigen, dass mit Christus die Welt viel schöner, solidarischer und brüderlicher wird.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht