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Bayern
Dienstag, 24. April 2018 22° 8

Interview

„Offen über Sexualität sprechen“

Annemarie Rödl berät am Gesundheitsamt Regensburg zum Thema Infektionsschutz. Aufklärung ist nötig, sagt sie.
Von Louisa Knobloch

Sozialpädagogin Annemarie Rödl berät am Gesundheitsamt zu sexuell übertragbaren Krankheiten. Foto: Knobloch

Regensburg.Sie und Ihre Kollegen leisten Aufklärungsarbeit an Schulen. Was wollen Sie den Jugendlichen vermitteln?

Es ist wichtig, offen über das Thema Sexualität zu sprechen. Junge Menschen sind oft im Internet auf Pornoseiten unterwegs. Da ist es wichtig zu erklären, dass das, was sie da sehen, nicht die Realität ist, wie Sexualität stattfindet. Man muss für sich einen Standpunkt finden, wie weit man gehen möchte. Die jungen Leute sollen sich nicht unter Zugzwang fühlen und denken: Mein Partner liebt mich nicht mehr, wenn ich dies oder das nicht mitmache.

Wissen die Jugendlichen über sexuell übertragbare Krankheiten Bescheid?

Es wird zu wenig darüber nachgedacht, sich zu schützen und was passieren kann. Junge Frauen denken oft eher an eine Schwangerschaft als an eine Infektion und nehmen daher die Pille. Kondome zu verwenden ist aber das A und O, da kommt man nicht drumherum. Generell ist HIV bekannt, Chlamydien oder Gonorrhoe sind dagegen Begriffe, die nicht so einprägsam sind. Da muss man schon aufklären. Wir sagen aber auch, dass eine Infektion mit diesen beiden Krankheiten mit Antibiotika schnell und gut behandelt werden kann. Die Jugendlichen sollen ja nicht den Kopf in den Sand stecken. Menschen können leichtsinnig agieren, indem sie kein Kondom verwenden. Aber es wäre schon viel gewonnen, wenn sie darüber nachdenken, wie sie ihre Sexualität leben wollen: riskant oder nicht?

Zu Ihrer Arbeit gehört auch die Beratung von Prostituierten. Welche Erfahrungen haben Sie hier gemacht?

Bis zum Jahr 2000 wurden Prostituierte am Gesundheitsamt auf sexuell übertragbare Krankheiten getestet. Diese Pflichtuntersuchung wurde aber mit dem neuen Infektionsschutzgesetz 2001 abgeschafft. In Deutschland müssen sich Prostituierte also nicht mehr auf STD testen lassen. Trotzdem denken viele Männer immer noch, dass sie sorgenfrei zu einer Prostituierten gehen und dort Sex ohne Kondom verlangen können. Aus meinen Gesprächen mit den Frauen weiß ich, dass rund 80 Prozent der Männer das zunächst tun. Dabei sieht das zum 1. Juli 2017 in Kraft getretene Prostituiertenschutzgesetz ausdrücklich eine Kondompflicht vor.

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