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Kirche

Papst trennt sich von Kardinal Müller

Der frühere Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller ist nicht mehr Chef der Glaubenskongregation. Er will in Rom bleiben.

Kardinal Gerhard Ludwig Müller zelebrierte am Sonntag ein Pontifikalamt im Mainzer Dom. Foto: Andreas Arnold/dpa
Kardinal Gerhard Ludwig Müller zelebrierte am Sonntag ein Pontifikalamt im Mainzer Dom. Foto: Andreas Arnold/dpa

Rom.Einen Tag nach Bekanntwerden seines Ausscheidens als Präfekt der Glaubenskongregation im Vatikan hat der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller ein Pontifikalamt im Mainzer Dom zelebriert. Es habe keine Auseinandersetzung mit dem Papst gegeben, das Verhältnis sei gut, sagte Kardinal Müller nach dem Gottesdienst am Sonntag.

Der Papst habe ihm die Entscheidung am Freitag mitgeteilt. „Eine neue Aufgabe ist noch nicht bestimmt“, sagte Müller. Er sei aber auch nicht nach Rom gegangen, um in der Kurie Karriere zu machen, sondern für die Glaubenskongregation, erklärte Müller. „Rom bleibt mein Standort. An Arbeit wird es nicht mangeln, ich werde weiter den Glauben verkünden und für seine Wahrheit eintreten, sei es gelegen oder ungelegen“, sagte Müller.

Am Samstag hatte der Vatikan bekanntgegeben, dass die Amtszeit Müllers als Präfekt der Glaubenskongregation in Rom nach fünf Jahren endet und nicht verlängert wird. Gründe wurden nicht genannt. Allerdings war bekannt, dass Franziskus und Müller nicht immer auf gleicher Linie lagen.

Papst Franziskus und Kardinal Gerhard Ludwig Müller trennen Welten, schreibt Christine Schröpf:

Kommentar

Leutseliger Papst und spröder Kardinal

Ungeachtet des gemeinsamen Glaubens ist offensichtlich: Papst Franziskus und Kardinal Gerhard Ludwig Müller trennen Welten. Die Differenzen sind inhaltlicher...

Der frühere Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken, Albert Schmid, hatte in der Sache mit Müller telefoniert. Zur Gefühlslage des früheren Regensburger Bischofs sagte Schmid gegenüber unserem Medienhaus nichts. „Dazu äußere ich mich nicht.“ Schmid bezeichnete das Vorgehen von Papst Franziskus als reine „Sachentscheidung, die in meinen Augen letztlich mit den abweichenden Meinungen des Präfekten zum Thema Ehe und dem Zugang wiederverheirateter Geschiedenen zu den Sakramenten zusammenhängt“.

Müller gilt als konservativer Hardliner, der grundlegende Reformen in der katholischen Kirche ablehnt. Der 69-Jährige zählt zu den führenden Kritikern des Schreibens über Familie und Liebe, „Amoris Laetitia“, das aus der Feder von Papst Franziskus stammt. Der Pontifex hatte in dem Papier 2016 angeregt, dass es geschiedenen und wiederverheirateten Menschen unter gewissen Umständen erlaubt sein solle, an der Kommunion teilzunehmen.

Jesuit Ferrer wird Nachfolger

Papst Franziskus und sein Kardinal lagen inhaltlich nicht nur bei wiederverheirateten Geschiedenen nicht auf einer Linie. Müller gehörte der Glaubenskongregation seit 2007 an. Am 2. Juli 2012 war er von Papst Benedikt XVI., Franziskus’ Vorgänger, an deren Spitze berufen worden. Davor war Müller zehn Jahre lang Bischof von Regensburg. Die fünfjährige Amtszeit Müllers als Präfekt in Rom geht an diesem Sonntag zu Ende.

Nachfolger Müllers an der Spitze der Glaubenskongregation wird der bisherige Sekretär der Kongregation, der spanische Erzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer. Er ist wie Papst Franziskus Jesuit.

Wer ist der Nachfolger von Kardinal Müller? Mehr über Kurienerzbischof Luis Ladaria lesen Sie hier!

Das sind die Aufgaben der Glaubenskongregation:

Die Glaubenskongregation

  • Um die Kirche

    vor Irrlehren zu schützen, gründete Papst Paul III. 1542 die „Congregatio Romanae et universalis Inquisitionis“.

  • Die „Kongregation für die Glaubenslehre“,

    so seit 1965 der offizielle Name der wichtigsten Vatikan-Behörde, ist die Nachfolgerin der Heiligen Inquisition, die in früheren Jahrhunderten für die Reinheit des Glaubens mit Gewalt gegen Andersgläubige und Kirchenkritiker vorging.

  • Die älteste der neun Kongregationen

    der römischen Kurie soll die Glaubens- und Sittenlehre in der katholischen Kirche fördern und schützen. Ihr fällt damit auch die Aufgabe zu, gegen religiöse Abweichungen innerhalb der Kirche vorzugehen sowie Sanktionen zu verhängen.

  • Ihre 23 Mitglieder

    sind Kardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe aus 17 Ländern. Sie haben maßgeblichen Einfluss auf wichtige Entscheidungen des Papstes.

  • An der Spitze der Glaubenskongregation

    steht der Präfekt. Kardinal Gerhard Ludwig Müller hatte seit Juli 2012 dieses Amt inne. Einer seiner Vorgänger war von 1981 bis 2005 Kardinal Joseph Ratzinger – der spätere Papst Benedikt XVI..

Bistum reagiert „überrascht“

Aus dem Regensburger Bistum gab es zunächst keinen Kommentar. „Es kommt sehr überraschend. Wir möchten dazu keine Stellung nehmen. Es ist zu früh und zu frisch“, sagte Generalvikar Michael Fuchs. „Für mich ist es keine Überraschung, dass es so gekommen ist“, sagte Fritz Wallner, der frühere Vorsitzende des Diözesanrats der Katholiken – ein Laiengremium, das Müller als Regensburger Bischof 2005 aufgelöst hatte, um danach ein Diözesankomitee einzusetzen. „Während seiner zehn Jahre als Bischof von Regensburg hat er wiederholt gezeigt, dass er aufgrund seiner mangelnden sozialen Kompetenz nicht zusammenführen kann, sondern eher zerstört. Warum sollte dies in Rom in der neuen Aufgabe anders gewesen sein?“

Der Regensburger Regionalbischof Hans-Martin Weiss äußerte sich aus grundsätzlichen Gründen nicht zur Personalentscheidung des Vatikans. Sein Verhältnis zu Müller war in der Regensburger Zeit teilweise angespannt. „Trotz manch ärgerlicher Situationen, habe ich mir aber die Achtung vor dem Menschen Gerhard Ludwig Müller bewahrt“, sagte er.

„Das ist eine Entlassung ins Nichts.“

Wolfgang Beinert

Der Theologe Wolfgang Beinert sprach nach der Entlassung des Kardinals von einer „Strafe“. „Das ist eine Entlassung ins Nichts“, sagte der ehemalige Hochschulprofessor der Deutschen Presse-Agentur. „Wo wollen Sie so einen Mann hintun?“ Es gebe keine adäquate Lösung. Zumal Müller mit 69 Jahren für einen Kardinal recht jung und arbeitsfähig sei. Beinert sagte, das Verhältnis zwischen Papst Franziskus und Müller sei von Anfang an nie sehr innig gewesen. „Das sind von der Chemie her zwei verschiedene Leute, die von Natur aus nicht zusammenpassen.“

Zunächst hatten die italienischen Zeitungen „La Stampa“ und „Il Messaggero“ unter Berufung auf der katholischen Kirche nahestehende Nachrichtenseiten um den bevorstehenden Wechsel an der Spitze der Glaubenskongregation berichtet. Foto: dpa
Zunächst hatten die italienischen Zeitungen „La Stampa“ und „Il Messaggero“ unter Berufung auf der katholischen Kirche nahestehende Nachrichtenseiten um den bevorstehenden Wechsel an der Spitze der Glaubenskongregation berichtet. Foto: dpa

Müller war qua Amt auch dafür zuständig, Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche aufzuklären. Ende Februar noch hatte er den Vorwurf systematischer Vertuschung von Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche zurückgewiesen. „Die Kirche verdeckt nichts. In einigen Fällen kann es aus Ahnungslosigkeit passiert sein, aber nicht systematisch“, sagte er damals der italienischen Zeitung „La Repubblica“.

Auch gegen die Nummer drei im Vatikan, George Pell, wird wegen des Verdachts auf Kindesmissbrauch ermittelt.

Dem Vatikan und der katholischen Kirche wird immer noch vorgeworfen, nicht hart genug gegen Kindesmissbrauch vorzugehen und teils pädophile Geistliche zu decken. Kritiker werfen dem Vatikan auch vor, nicht transparent mit den Fällen umzugehen. Zur Amtszeit von Papst Franziskus Vorgänger Benedikt XVI. war herausgekommen, dass katholische Geistliche weltweit über Jahrzehnte unzählige Kinder missbraucht oder misshandelt hatten und die Fälle unter den Teppich gekehrt wurden. (is/dpa)

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