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Pirat Kramm fokussiert das Urheberrecht

Die „Teilhabe aller“ kollidiert mit dem Recht am eigenen Werk – Bruno Kramm macht seine Parteifreunde beim Kernthema der Piraten argumentativ fit.
Von Thomas Göttinger, MZ

Bruno Kramm ist selbst Musiker und Produzent. Politisch bezeichnet er sich als „Grüner Pirat“. Foto: dpa-Archiv

Regensburg. Nach gut zweieinhalb Stunden ist es an der Zeit für etwas „Flausch“, für „Harmonie und Yeah!“. Wieso auch nicht? Bruno Kramm, der Bundesbeauftragte der Piratenpartei für das Urheberrecht, hat seinen Zuhörern am Donnerstagabend im Regensburger Brandl-Bräu nichts geschenkt. „Urheberrecht ist etwas extrem Trockenes“, hatte er vorsorglich schon mal gewarnt.

Das Urheberrecht ist aber so etwas wie das Kernthema der Piraten – und nicht jeder von ihnen, der sich in den letzten Monaten dazu äußern musste, hat dabei eine gute Figur gemacht. Kramm tourt deshalb durch die Kreisverbände der Partei, um die Mitglieder argumentativ fit zu machen. Aussagen wie „Ich will halt keinen Stress beim Runterladen“ taugen einfach nicht als Begründung, warum man das Urheberrecht reformieren will.

„Fällt der Kopf ins Grab. . .“

Niemand weiß das besser als der Medienprofi Kramm. Also ist Kärrnerarbeit angesagt. Vom römischen Dichter Marcus Valerius Martialis, auf den der Begriff des „Plagiats“ zurückgeht, über das „Badische Landrecht“ („Fällt der Kopf ins Grab, so fallen seyne Schriften ins Freye.“) bis hin zu Gatt, Trips und Acta spannt er den historischen Bogen. Sage noch einmal einer, die Piraten würden sich nicht intensiv mit der Materie beschäftigen. Und von wegen, die Partei habe kein Programm: Kramm verweist auf „PA 149“, ein Papier, das auf 21 Seiten und mit 84 Einzelpunkten die aktuelle Beschlusslage zum Thema wiedergibt. Wo das zu finden ist? „Einfach mal googeln.“

Nein, die Piraten wollen das Urheberrecht nicht abschaffen, erklärt Kramm. Und sie wollten den Urhebern, all den Schriftstellern, Musikern, Künstlern auch nicht die Möglichkeit nehmen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Es gehe ihnen vielmehr um eine Anpassung des bestehenden Rechts an die Realität, ans „digitale Zeitalter“. Es gehe ihnen um eine Stärkung der Urheber gegenüber den Rechteverwertern. Und um eine „Demokratisierung der Märkte“, um die „Teilhabe aller“.

Kramm, der ansonsten cool und um einen lockeren Spruch nicht verlegen daher kommt, der mit seinem schwarzen Cowboyhütchen und den pinkfarbenen Strähnen im Haar Lichtjahre vom Bild des typischen politischen Bildungsarbeiters entfernt ist, kann da sogar ein klein wenig pathetisch werden. An Leidenschaft fehlt es ihm ohnehin nicht.

„Sharing is caring“ zitiert er einen Slogan, der längst nicht allein bei den Piraten kursiert. Dahinter verbirgt sich eine ganze Philosophie: Ist das nicht das Schöne an immateriellen Gütern, dass man sie teilen kann, ohne dadurch einen Verlust zu haben? Und wird der Zugang zu diesen Gütern in einer Wissensgesellschaft nicht immer wichtiger – gerade auch für die, die sie sich eigentlich nicht leisten können? Man begreift, während man Kramm zuhört, dass es da um ein ganz neues Denken geht. Und natürlich wird einem klar, dass dieses Denken mit einem Urheberrecht kollidieren muss, das in weiten Teilen aus einer Zeit stammt, in der Texte, Musik, Filme oder was auch immer noch eines materiellen Trägers bedurften.

An der Finanzierung hapert es noch

Wie aber das Ganze finanzieren? Kramm bleibt an diesem Abend eine wirkliche Antwort schuldig. Von einem Ausgleich durch die Gesellschaft ist da etwa die Rede. Die viel diskutierte Kultur-Flatrate wird angeschnitten. Ein Thema, das so manchem Piraten nicht schmeckt, von dem Kramm aber überzeugt ist, dass es diskutiert werden muss. Selbstredend geht es schließlich auch um eine Reform der Verwertungsgesellschaften wie der Gema, von der in der heutigen Form nur wenige profitieren würden. Der Eindruck freilich bleibt: So richtig ausgegoren ist das alles nicht.

Muss es aber womöglich auch nicht sein. Kramm und seine Piraten haben zweifelsohne einen Prozess in Gang gebracht, der zu einer breiten gesellschaftlichen Diskussion geführt hat und längst auch andere Parteien beeinflusst. Ein bisschen „Flausch“ darf da schon sein.

Bruno Kramm brachte es als Bundesbeauftragter für das Urheberrecht der Piratenpartei deutschlandweit zu einiger Bekanntheit. Er selbst sagt: „Mit dem Thema beschäftige ich mich eigentlich schon immer.“

Geboren ist er 1967 in München, lebt in Oberfranken und hat einen Zweitwohnsitz in Berlin mit offenem WLAN. Er arbeitet als Musiker, Produzent und Labelbetreiber im „Gothic“-Bereich, also weitab vom Mainstream.

Kramm bloggt unter www.bruno-kramm.de und twittert selbstverständlich auch. Sein Tweet nach seinem Vortrag in Regensburg lautete: „Zurück vom Vortrag zu #UrhR in Regensburg. Hat Spass gemacht.“

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