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„Polizeischlampen sollen lieber kochen lernen“

Nach massiven anonymen Vorwürfen gegenüber der Hundeschule im Kreis Cham leitet Innenminister Ermittlungen ein

Johann Feichtner, Leiter der Polizeidienst-Hundeschule im Waldmünchner Stadtteil Herzogau (Landkreis Cham), steht vor dem Gebäude der Schule. Nach anonymen Hinweisen auf angebliche Misshandlungen von jungen Polizisten in der Diensthundeschule hat das bayerische Innenministerium interne Ermittlungen in die Wege geleitet. Foto: dpa

Von Wulf Hiob, MZ

WALDMÜNCHEN. Ungeheuerliche Vorwürfe werden gegen Ausbilder der Zentralen Diensthundeschule der Polizei im Waldmünchner Stadtteil Herzogau (Landkreis Cham) erhoben. Bei Alkoholexzessen soll es zu Demütigungen junger Beamter, sexistischen Übergriffen auf Polizistinnen und zu neonazistischen Umtrieben gekommen sein.

Auslöser des Skandals ist ein anonymes Schreiben an die Bayern SPD, dem offensichtlich Insider-Wissen zugrunde liegt. Die Anschuldigen sind so schwerwiegend, dass der sicherheitspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Stefan Schuster, das anonyme Schreiben an das Bayerische Innenministerium zur Klärung weitergeleitet hat. Mittlerweile haben die Staatsanwaltschaft Regensburg und das Präsidium der Bayerischen Bereitschaftspolizei in Bamberg, dem die Hundeschule unterstellt ist, Ermittlungen aufgenommen.

Ein Teil des Schreibens befasst sich mit den baulichen Missständen an der Schule, deren Sanierung im Jahr 2009 geplant ist. Schwerwiegender jedoch wiegen die Vorwürfe, was sich in der Kantine „Pandurenklause“ abgespielt haben soll. Dort sei es zu Alkohol-Exzessen mit handfesten Prügeleien gekommen. Häufig würden auch Prostituierte aus der Tschechischen Republik in die Einrichtung geholt.

Noch schlimmeres sei bei der so genannten „Erstlingshundeführertaufe“ geschehen: Dabei hätten junge Kollegen Urin trinken oder eine Mixtur aus Abfällen und Essensresten verzehren müssen. Polizistinnen seien an Stachelhalsbändern auf allen Vieren durch den Raum geführt worden und hätten Bier aus Schüsseln trinken müssen, die auf dem Schoß von Ausbildern standen. Auch verbale Erniedrigen bei der Ausbildung seien an der Tagesordnung gewesen, so hätten Ausbilder Lehrgangsteilnehmerinnen als „Polizeischlampen“ bezeichnet, die „lieber kochen lernen“ sollten, als „Polizei spielen zu wollen“.

Schwere Vorwürfe werden gegen die Ausbilder auch im Zusammenhang mit dem Umgang mit den Hunden erhoben. Sie hätten die Tiere geschlagen, getreten und mit Stachelhalsbändern oder Würgeschlangen traktiert, heißt es. Im dem Schreiben werden verschiedene Ausbilder namentlich genannt und deren Qualifikation in Zweifel gezogen.

Klaus Tapfer von der Pressestelle des Präsidiums der Bereitschaftspolizei bestätigt die Ermittlungen seiner Behörde und der Staatsanwaltschaft Regensburg in dieser Sache. Zum derzeitigen Zeitpunkt könnten sie den Wahrheitsgehalt der Vorwürfe aber noch nicht einschätzen. Sie seien aber an einer schnellstmöglichen Aufklärung interessiert. Erschwerend sei zudem, dass sich der Zeitpunkt der geschilderten Vorfälle nicht genau eingrenzen lasse.

Die Landesvorsitzenden der beiden Polizeigewerkschaften, Hermann Benkner und Harald Schneider, zeigten sich „schockiert“ von den Vorwürfen und forderten lückenlose Aufklärung. Erwiesen sich diese als stichhaltig, dann müssten Konsequenzen gezogen werden: „Solche Zustände darf es bei der bayerischen Polizei nicht geben!“ Sei dies nicht der Fall, müsse die Hundeschule voll rehabilitiert werden: „Dann darf kein Makel bleiben“, so Benkner.

Jedenfalls sehen sie die zentrale Polizei-Hundeschule in Herzogau auf dem Prüfstand. Deren Einführung im September 2000 war umstritten, weil andere Standorte deshalb aufgegeben worden sind. Vor allem die abgelegene Lage und der schlechte Zustand des Gebäudes gibt Anlass zur Kritik.

Hier sieht der Waldmünchner Bürgermeister Franz Löffler, in dessen Gemeinde die Hundeschule liegt, den wahren Hintergrund dieses „öffentlich lancierten anonymen Schreibens“. Ihm dränge sich der Verdacht auf, hier handle es sich um einem erneuten Versuch, der Einrichtung zu schaden, gerade jetzt, wo es an die Sanierung gehen solle. Das ändere aber nichts an der Tatsache, dass den Vorwürfen auf den Grund gegangen werden müsse, sagte Löffler.

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