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Wissenschaft

Professorin: Tablets in Klassenzimmern reichen nicht

Die Politik hat ein neues Lieblingsthema in Sachen Bildung: Digitalisierung in den Klassenzimmern. Ein Forscherteam aus Bamberg beschäftigt sich mit dem Thema schon seit zehn Jahren. Und findet: Politiker denken nicht weit genug.

Informatik-Professorin Ute Schmid. Foto: David-Wolfgang Ebener/Archiv
Informatik-Professorin Ute Schmid. Foto: David-Wolfgang Ebener/Archiv

Bamberg (dpa/lby - Tablets und schnelles Internet in den Klassenzimmern reichen nach Ansicht einer Bamberger Forschungsgruppe nicht, um digitales Lernen voranzubringen. Bevor dies flächendeckend an den Grundschulen ankomme, „müssen sinnvolle didaktische Konzepte entwickelt und erprobt werden und schließlich auch so aufbereitet werden, dass sie im Unterricht einsetzbar sind“, sagte die Informatik-Professorin Ute Schmid. In der politischen Debatte scheine es derzeit vor allem ums Material zu gehen: „Man hat den Eindruck: Gebt allen Grundschülern Tablets, dann werden sie später Informatik oder ein MINT-Fach studieren. Aber alleine dadurch werden sie nicht MINT-affin. Nicht jeder, der gerne Auto fährt, wird Maschinenbauer.“

MINT umfasst die Berufs- und Ausbildungsbereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Schmid ist Professorin für Künstliche Intelligenz. Bereits 2008 hat sie begonnen, Workshops zu grundlegenden Informatikthemen für Kindergarten und Grundschule anzubieten. Inzwischen arbeitet an der Bamberger Uni eine Forschungsgruppe Elementarinformatik (FELI): Ein interdisziplinäres Team aus Pädagogik, Psychologie und Informatik habe sich zusammengefunden, um neben der praktischen Arbeit theoriegeleitet Konzepte zu entwickeln und erproben, sagte Schmid.

Und der Anfang war durchaus nicht einfach: „Lange Zeit war es kaum möglich, finanzielle Unterstützung für das Thema zu bekommen. Immer wieder stießen wir auf Unverständnis: Informatik sei niemals ein Thema für Grundschule und Kindergarten.“

Das wird inzwischen freilich auf breiter Basis anders gesehen. Jüngst forderten Politiker aus Bund und Land verstärkt mehr Digitalisierung in den Schulen. Beispielsweise versprach Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in seiner Regierungserklärung die Einrichtung von 50 000 digitalen Klassenzimmern in Bayern.

Neue Medien im Unterricht seien dann sinnvoll, wenn es um Individualisierung und Differenzierung gehe, betonte Schmid. Beispielsweise könne man mit geeigneten Lern-Apps Kindern mehr Zeit zum Üben bestimmter Themen geben oder auch Kinder weiterführende Aufgaben bearbeiten lassen.

Ebenso wichtig sei die Medienkompetenz: „Kinder werden im Alltag immer jünger mit digitalen Medien konfrontiert. Entsprechend sollten Familien mit dem Thema nicht allein gelassen werden. Der kritisch-reflektierte Umgang mit dem Medium gehört dringend in die Schule“, sagte die Wissenschaftlerin.

Und dann sei es auch wichtig, ein Grundverständnis im Umgang mit verschiedenen Programmen zu vermitteln. Neben der reinen Bedienung, etwa von Webbrowsern oder Textverarbeitungsprogrammen, helfe es hier, ein Grundverständnis der dahinter liegenden Technik zu vermitteln. Erst durch ein grundlegendes Verständnis von Konzepten wie Datei oder dem Internet als weltweiter Verbund von Rechnernetzwerken können Kinder zu kundigen Anwendern werden. „Nur so kann es gelingen, dass das für ein Programm erworbene Handlungswissen auf neue, ähnliche Programme übertragen werden kann.“

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