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Verkehr

Ramsauer: Volldampf für die Donau-Moldau-Bahn

Seit 150 Jahren gibt es eine direkte Schienenverbindung von Bayern nach Böhmen. Es ist höchste Zeit für den Ausbau der Strecke.
Von Fritz Winter, MZ

In einer Resolution wird der zweigleisige Ausbau und die Elektrifizierung der Donau-Moldau-Bahn gefordert. Im Bild von links Regierungspräsidentin Brigitta Brunner, Bahnchef Rüdiger Grube, Bayerns Verkehrsminister Martin Zeil, der tschechische Vizeverkehrsminister Ivo Vykydal, und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer. Foto: Baumgartner

FURTH I. Wald. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) kennt die Stadt Furth im Wald seit seiner Kindheit. Den dortigen Drachenstich habe er quasi „mit der Muttermilch aufgesogen“, sagte er am Montag bei einem Festakt zum 150. Geburtstag der Schienenverkehrsstrecke von Schwandorf über Furth im Wald nach Pilsen. Und noch heute liege ihm die Zukunft des Schienenverkehrs in dieser Region am Herzen, versicherte er: „Ich werde alles dafür tun, das Projekt einer zweigleisig ausgebauten und elektrifizierten Donau-Moldau-Bahn voranzubringen.“

Sieben Stunden sind viel zu lang

Schon 1861 hatte die bayerischen Ostbahn AG erkannt, dass durch die Cham-Further Senke in Zusammenarbeit mit der böhmischen Westbahn eine leistungsfähige Schienenverbindung zwischen beiden Ländern hergestellt werden kann. Heute ist die Bahnlinie von München über Regensburg, Schwandorf, Furth, Pilsen bis Prag restlos veraltet. Für die 360 Kilometer braucht der Zug rund sieben Stunden, kritisierte der Chamer Landrat Franz Löffler (CSU). „Das kann für eine wichtige Lebensader in der Mitte Europas nicht zeitgemäß sein“, sagte er.

Deshalb haben der westböhmische Kreis Pilsen und der Regierungsbezirk Oberpfalz eine gemeinsame Resolution verfasst, in der gefordert wird, die Strecke München-Prag als internationale Fernstrecke einzustufen und bis zum Jahr 2020 durchgehend zweigleisig und elektrifiziert für eine Fahrgeschwindigkeit von mindestens 160 Stundenkilometern auszubauen. Die Verbindung müsse in den Bundesverkehrswegeplan 2015 als internationales Projekt in den vordringlichen Bedarf aufgenommen werden. Bundesverkehrsminister Ramsauer sagte die Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan zu, wies allerdings darauf hin, dass eine Wirtschaftlichkeitsberechnung aus dem Jahr 2010 eine Rentabilität von 0,9 ergeben habe bei einer Mindestanforderung von 1,0.

Bei einer wirtschaftsgeographischen Situation wie im bayerisch-böhmischen Grenzgebiet müssten allerdings alle Spielräume ausgeschöpft werden, um das Projekt verwirklichen zu können. Auf eine Fertigstellung im Jahre 2020 wollte sich Ramsauer nicht festlegen. „Wenn das Projekt erst einmal im Bundesverkehrswegeplan drin ist, wird es in überschaubarer Zeit eine leistungsfähige und schnelle Verbindung zwischen München und Prag geben. Nachdem der Ausbau der Bahnstrecke als Teil des Transeuropäischen Netzes eingestuft worden sei, erwartet der Verkehrsminister, dass es vonseiten der Europäischen Union Zuschüsse geben wird. Das Milliardenprojekt stehe allerdings in Konkurrenz zu bundesweit weiteren acht internationalen Projekten, die auch mit Volldampf vorangetrieben werden müssten.

Der Bau der Donau-Moldau-Bahn wird nicht nur vom Land Bayern nachdrücklich unterstützt, wie Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) unterstrich. Auch die tschechische Seite hat laut dem stellvertretenden Verkehrsminister Ivo Vykydal und dem Pilsener Bezirkshauptmann Milan Chovanec ein großes Interesse daran, dass die Strecke zu einer leistungsfähigen Verbindung zwischen Prag und der bayerischen Landeshauptstadt einschließlich einer Anbindung an den Flughafen München aufgewertet wird.

„Riesengewinn“ für Wirtschaft

Bahnchef Rüdiger Grube sieht die Donau-Moldau-Bahn als Teil des längst fälligen Ausbaus der deutschen Eisenbahn-Ostschiene. Um Süd- und Osteuropa an die prosperierenden deutschen Seehäfen anbinden zu können, müsse dringend die 179 Kilometer lange Strecke von Regensburg nach Hof elektrifiziert werden. Dies würde einen „Riesengewinn“ für die gesamte bayerische und damit auch für die westböhmische Wirtschaft bedeuten.

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