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Riekofen: Haft und Psychiatrie für Ex-Pfarrer

  • Eines der vielen Demoplakate, die Betroffene oder Angehörige vor dem Landgericht ausgerollt hatten.
  • Peter K. ist wegen sexuellen Missbrauchs eines Jungen zu drei Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Der einschlägig vorbestrafte 40-Jährige hatte vor dem Landgericht Regensburg gestanden, sich ab Ende 2003 in 22 Fällen an dem zu Beginn zehn Jahre alten Ministranten vergriffen zu haben.
  • Eine Frau demonstriert vor dem Landgericht.

Rund sieben Monate nach Bekanntwerden des Missbrauchsskandals im oberpfälzischen Riekofen ist der frühere Pfarrer der Gemeinde zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Seine Strafe muss der bereits wegen Kindesmissbrauch vorbestrafte 40-Jährige allerdings in der geschlossenen Anstalt einer forensischen Klinik absitzen. Denn die Jugendschutzkammer des Regensburger Landgerichts ordnete am Donnerstagabend an, dass der Mann in eine Psychiatrie eingewiesen wird, um dort behandelt zu werden. „Ich erwarte weitere Taten, wenn keine Therapie gemacht wird“, hatte ein Gerichtsgutachter erklärt.

Wegen einer Persönlichkeitsstörung war der Priester nur eingeschränkt schuldfähig und bekam eine geringere Haftstrafe. Der Mann hatte in dem Prozess die Anschuldigungen in vollem Umfang zugegeben. Er hatte sich etwa ab Ende 2003 mehrere Jahre lang an einem Ministranten vergangen.

Der frühere Automechaniker, der als „Spätberufener“ Priester wurde, hatte sich bereits während seiner Kaplanszeit im niederbayerischen Viechtach an einem Buben vergangen. Der Priester bekam im Jahr 2000 eine Haftstrafe auf Bewährung. Während der dreijährigen Bewährungszeit hätte er nicht mit Jugendlichen arbeiten dürfen. Daran hielt er sich aber nicht. Schon ab 2001 organisierte er in Riekofen Freizeiten für Messdiener. Er machte Fahrten nach Rom oder Ausflüge zur Go-Kart-Bahn. Bei den Jungen versuchte sich der Pfarrer, mit ungewöhnlichen Angeboten beliebt zu machen. So lud er sie zu sich nach Hause ein, um mit ihnen Wasserpfeife zu rauchen und Alkohol zu trinken. Dabei lebte der Pfarrer in einer Scheinwelt: So berichtete er später, dass er zu dem missbrauchten Opfer eine Liebesbeziehung gehabt habe.

Das Bistum Regensburg hatte den Mann 2004 offiziell zum Pfarrer in Riekofen gemacht. Bischof Gerhard Ludwig Müller hatte den Einsatz des Pfarrers mit einem Gutachten des früheren Therapeuten begründet. Demnach sei der der Priester nicht pädophil gewesen. Der Ärztliche Direktor der Straubinger Forensik, Bernd Ottermann, kam in zwei Gutachten im Jahr 2000 und im aktuellen Verfahren zu einem gänzlich anderen Ergebnis - er stellte eine eindeutige homosexuelle Pädophilie fest.

Der ehemalige Therapeut des Priesters hat nach Ansicht Ottermanns versagt. Sein Kollege habe sich nicht einmal das damalige Gerichtsgutachten angeschaut und jahrelang in die völlig falsche Richtung behandelt, sagte er. Die Bistumsverantwortlichen kannten zwar den Inhalt des damaligen Gerichtsgutachtens ebenfalls nicht, wussten aber von der Existenz eines weiteren Gutachtens.

Die Menschen in Riekofen wollen inzwischen mit dem Skandal nicht mehr konfrontiert werden. Die Gläubigen in dem Dorf warten bis heute vergeblich auf eine Entschuldigung vom Bischof. Schlimme Folgen haben die Taten des Pfarrers für die Familie des missbrauchten Ministranten. „Der Bub ist schwer getroffen, er sitzt nur noch zu Hause“, sagte die Anwältin der Familie, die im Verfahren Nebenklägervertreter war. Der Priester hat sich bei dem Jungen und den Eltern entschuldigt und will 8000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Bereits in der Vergangenheit hatte es mehrere Missbrauchsfälle im Bistum Regensburg gegeben. 2003 wurde der ehemalige Georgenberger Pfarrer wegen Missbrauchs von zwölf Jungen und Veruntreuung von Kirchengeldern zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Vor zwei Jahren erhielt der frühere Pfarrer von Falkenberg ein Bewährungsstrafe wegen sexueller Nötigung eines 16-Jährigen.

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