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Musik

„Rock im Park“ – friedlich und trocken

Das Wetter meint es in diesem Jahr gut mit „Rock im Park“. Herrschte zuletzt eher Novemberstimmung, gab es am Samstag beste Bedingungen für die Rock-Fans.

  • Die Sportfreunde Stiller spielten am Samstag als vorletzter Act vor Green Day auf der „Rock im Park“-Hauptbühne. Foto: Jens Niering
  • Am Samstag stand unter anderem die Band „Bad Religion“ auf der Hauptbühne. Foto: Jens Niering
  • Beim Konzert von „Kraftclub“ ging es bei „Rock im Park“ zur Sache. Mehr als 70.000 Rockmusikfans werden bis zum 9. Juni erwartet. Foto: Jens Niering

Nürnberg. Nach dem Dauerregen der vergangenen Wochen bleibt es zum Start des Festivals „Rock im Park“, das traditionell oft in Regen und Schlamm versinkt, trocken. Und pünktlich zu den ersten Gitarrenklängen kommt sogar die Sonne raus. Perfektes Festivalwetter – und das in diesem doch eher bescheidenen Frühsommer.

Das freut viele Rockfans so sehr, dass sie einfach auf dem erstbesten Gras- oder Betonfleck liegen bleiben, die Sonne genießen – und einschlafen. „Komm doch mal lieber raus aus der Sonne“, sagt ein Polizist sanft zu einem jungen Mann, der mitten auf dem Weg ein Nickerchen macht. Der schreckt auf, nickt verwirrt und zieht weiter zu seinem nächsten Schlafplatz.

Polizei zufrieden mit Start

Die Polizei spricht von einem überraschend ruhigen und entspannten Start in das Festival, zu dem in diesem Jahr insgesamt rund 70.000 Leute erwartet werden. „Wir sind sehr zufrieden – bislang“, sagt ein Polizeisprecher am Samstagmittag. Mit einer Ausnahme: Die Polizei kam möglicherweise einem internationalen Diebstahl-Ring auf die Spur. Mehrere Männer sollen im großen Stil Handys aus Zelten gestohlen haben. Auf dem Nürnberger Zeppelinfeld wurden am Freitagmorgen zwei Engländer festgenommen, die zahlreiche Mobiltelefone geklaut haben sollen. Bei „Rock am Ring“ am Nürburgring in Rheinland-Pfalz wurden mehrere Slowaken ebenfalls wegen Handy-Diebstahls festgenommen. Die Polizei vermutet einen Zusammenhang, weil alle Männer schwedische Kronen in großen Mengen bei sich hatten. In Schweden habe gerade ebenfalls ein großes Rock-Festival stattgefunden, teilte ein Sprecher der Nürnberger Polizei am Samstag mit.

Die Rettungskräfte können nicht groß klagen. „Nichts besonders Schlimmes, keine besonders Betrunkenen“, sagt Thomas Klein, der den Einsatz des Malteser-Hilfsdienstes auf dem und rund um das Zeppelinfeld leitet. Ein Mann verlor allerdings sieben Zähne, wie die Polizei mitteilt – möglicherweise bei einer Auseinandersetzung.

Vollgas-Show von The Prodigy

Ansonsten liegen die Rockfans freudig strahlend im Gras, quatschen, trinken Bier oder undefinierbare Mischgetränke aus Tetrapaks und lassen sich die Sonne auf entblößte Oberkörper und Strohhüte scheinen. Einige haben sich trotz der Hitze in alte Bademäntel gehüllt, als bunte Bären verkleidet oder – vielleicht als Tribut zur Traumhochzeit in Schweden – als König oder Prinzessin. Es ist ein bisschen wie Karneval: Mannshohe Bananen fliehen vor pelzigen Affen, Könige im Stringtanga und Fliegenklatschen-Zepter posieren für die Untertanen. Beim Nürnberger Festival scheinen die Bässe von den drei Bühnen oft nur besseres Hintergrundrauschen für diejenigen zu sein, die das Event selbst als Bühne benutzen wollen.

Zu Wolfgang-Petry-Perücken und riesigen Sonnenbrillen gesellt sich aber noch ein anderer Hingucker: Der behaarte Männerbierbauch. Es gilt die Faustregel: Mehr Masse, weniger Kleidung. Genährt werden muss das gepflegte Festival-Erscheinungsbild mit Tetrapacks voll Schnaps, lauwarmem Bier oder Weinschorle, die die Rockfans bevorzugt an einer Klebeband-Schlaufe tragen.

Ach ja: Und nebenbei läuft auch noch Musik. Den Anfang machen unter anderem die „The Voice“-Juroren von The Bosshoss, Englands Britpop-Hoffnung Jake Bugg und die Franzosen von Phoenix. Die ganz großen Kracher, das muss man sagen, sind am ersten Festivaltag nicht dabei, auch wenn sich The Killers mit einem Feuerwerk und The Prodigy mit einer Vollgas-Show alle Mühe geben. Am Samstag treten unter anderem Blumentopf, Casper, Green Day, Bad Religion, Kraftclub und die Sportfreunde Stiller auf.

Auf den ganz großen Festival-Moment wie den Auftritt der Rock-Giganten von Metallica 2012 müssen die Fans noch warten – vielleicht auch bis 2014.

Möglicherweise sind die „Parkrocker“ aber auch verwöhnt vom letzten Jahr, als das nach Meinung vieler beste Line-Up seit langem dem Nürnberger Festival, das ja immer nur die „kleine Schwester“ vom „Rock am Ring“ mit 85.000 Besuchern am Nürburgring ist, Rekord-Besucherzahlen bescherte. Die ganz großen Namen sind in diesem Jahr nicht dabei – mit Ausnahme vielleicht der US-Punkrocker von Green Day, die für Samstagabend auf dem Programm stehen.

Dafür gibt es viele schöne etwas kleinere Musik-Momente in Nürnberg. Da holt die britische Sängerin Kate Nash („Foundations“) ihre Fans zu sich auf die Bühne, weil sie, wie sie sagt, nur noch sie hat, nachdem ihre Plattenfirma sie rausgeworfen hat. Und der Sänger (Axel) Bosse („Frankfurt Oder“) ist ganz ergriffen, weil in der sternenklaren Nacht so viele Leute zu ihm in die Clubstage-Halle gekommen sind, anstatt vor den großen Bühnen die Headliner zu feiern. (dpa)

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