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Unwetter

„Sabine“: Zwei Straßen gesperrt

In der Region hat sich die Lage seit Montagmittag beruhigt. Zwei Straßen in der Oberpfalz bleiben bis Dienstag gesperrt.
Von Maximiliane Fröhlich, Heinz Klein, Antonia Küpferling, Wolfgang Ziegler und Magdalena Hechtel

Auf der A3 bei Laaber im Landkreis Regensburg hat der Sturm am Montagmorgen einen Lkw erfasst. Foto: Auer
Auf der A3 bei Laaber im Landkreis Regensburg hat der Sturm am Montagmorgen einen Lkw erfasst. Foto: Auer

Ostbayern.Mit Starkregen, einzelnen Gewittern und Windböen ist der Orkan „Sabine“ am Montagmorgen durch Ostbayern gezogen. Gegen Abend hatte sich die Lage zwar beruhigt, zumindest aus der Sicht des Polizeipräsidiums Oberpfalz. Aber es seien noch zwei Straßen gesperrt, wie ein Sprecher mitteilte: Betroffen ist im Landkreis Cham die Staatsstraße 2154 von Lohberg Richtung Arber. Dort liegen Bäume auf der Fahrbahn.

Auch auf der Staatsstraße 2394 zwischen Bruckdorf und Alling im Landkreis Regensburg sind beide Spuren dicht. Grund sei ein Gebäude an der Straße, das durch den Sturm beschädigt wurde. In beiden Fällen wird die Sperre bis zum Dienstag andauern, wie die Polizei sagte.

Wie das Landratsamt mitteilt, findet in den Schulen in Stadt und Landkreis Regensburg am Dienstag der Unterricht regulär statt.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt am Montagabend weiterhin, im Landkreis Cham gilt stellenweise noch eine Warnung vor extremen Unwettern. Für die Region rund um Regensburg sagt Meterologe Dominik Jung von Q.met aber bereits am Mittag: „Das Tief ist durch. Vereinzelt kann es in den nächsten Stunden noch Sturmböen geben.“

Die Polizei, Feuerwehren und Co. mussten ab 3 Uhr morgens mehrmals ausrücken. Wie die Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Oberpfalz berichtete, waren es bis zum Nachmittag, kurz nach 14 Uhr, schon 100 Polizeieinsätze. Grund waren meist Verkehrsbehinderungen durch umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste. Vereinzelt gab es laut Polizei auch Unfälle, verletzt wurde dabei niemand. Nach aktuellem Stand gehen die Alarmierungen laut Polizei zurück.

Nach Angaben der Einsatzzentrale wurden die meisten Einsätze im Landkreis Regensburg, im Landkreis Neumarkt und im Landkreis Cham registriert.Im Landkreis Kelheim rückten die Feuerwehren sogar mehr als 100 Mal aus. In Weiden wurde gegen 13 Uhr ein Baum auf einem Gleis gemeldet. Weil der Zugverkehr ohnehin eingestellt war, konnte der Baum aber ohne weitere Probleme entfernt werden.

Hier sorgte Orkantief „Sabine“ für Wirbel:

Orkantief "Sabine" über Ostbayern

Im Landkreis Regensburg wurden am Montagmorgen bei zwei Lkw die Anhänger umgeweht. Zunächst kippte auf der A3 zwischen Laaber und Nittendorf am Morgen ein Lkw-Anhänger nach einer Windböe und drohte auf die Gegenseite zu fallen. Etwas später wurde auf der B15 bei Zeitlarn ein mit Styropor beladener Anhänger bei voller Fahrt vom Wind umgeworfen. Zudem rückten die Feuerwehren im Landkreis etwa 100 Mal aus – rund 500 Einsatzkräfte halfen mit.

Verkehr

Sturm stellt umgeworfenen LKW wieder auf

„Sabine“ schmiss auf der A 3 bei Nittendorf einen Anhänger um – und richtete ihn dann wieder auf. Er blieb unversehrt.

Regenstauf: Baum fiel auf Auto

In Thonhausen im Landkreis Amberg-Sulzbach wurde kurz nach 7.30 Uhr ein abgedecktes Dach eines Pferdestalls gemeldet. In Maxhütte-Haidhof und Wackersdorf (Landkreis Schwandorf) stürzten Bäume um, in Miltach (Landkreis Cham) fiel ein Baum auf die Fahrbahn. Auch in Deining (Landkreis Neumarkt) lagen drei Bäume auf der Fahrbahn, im Landkreis Regensburg behinderten umgestürzte Bäume in Pettendorf, Thalmassing und Wenzenbach den Verkehr. Sachschaden gab es in Regenstauf (Landkreis Regensburg), wo ein Baum auf ein geparktes Auto gekracht war. Verletzt wurde dabei niemand. Im Stadtgebiet Regensburg verwehte der Sturm Baustellenabsperrungen in der Augsburger Straße und der Gutenbergstraße. In Sulzbach-Rosenberg wurde gegen 9.50 Uhr ein abgedecktes Bechdach eines Kinderheims gemeldet, etwa 300 Quadratmeter seien hier in die angrenzenden Bäume geweht worden. Auch im Landkreis Regensburg wurde ein Blechdach weggerissen: Das Garagendach des THW Laaber bliebt rund 50 Meter entfernt in den Bäumen hängen. Und noch ein drittes Dach löste „Sabine“ aus seinen Angeln. Im Landkreis Schwandorf flog die Überdachung eines Gasthauses durch die Luft. In Cham musste die Feuerwehr zum Rathaus, da Sturmböen über den Kamin einen Funkenschlag im Röster des Cafes ausgelöst haben.

Sabine

Wer zahlt bei Sturmschäden?

Sturmtief „Sabine“ hat Schäden angerichtet. Die wichtigste Frage für Betroffene: Springt die Versicherung jetzt ein?

In Brennberg, dem höchstgelegnenen Ort im Landkreis Regensburg, tobte Sturm „Sabine“ mit besonderer Kraft. Nahe dem Ortsteil Bruckbach warfen die Sturmböen mehrere große Fichten quer über die Ortsverbindungsstraße. Die Feuerwehren Brennberg und Bruckbach hatten an dieser Stelle für rund eine Stunde mit Waldarbeit zu tun. Im Brennberger Neubaugebiet warf „Sabine“ Dixi-WCs der Bauarbeiter um, bei Bruckbach schleuderte sie ein schweres hölzernes Wartehäuschen der RVV-Buslinie mehrere Meter weit in ein Feld. Beide Häuschen waren glücklicherweise nicht besetzt.

Weniger Busse, keine Züge

Der RVV fährt nach dem Fahrplan schulfreier Tage. Foto: Baumgarten
Der RVV fährt nach dem Fahrplan schulfreier Tage. Foto: Baumgarten

Für die Busse in Regensburg gilt aufgrund des Schulausfalls am Montag der Fahrplan wie an schulfreien Tagen, wie der RVV online mitteilt. Zudem kann es aufgrund des Sturms zu Verspätungen und Ausfällen kommen.

Die Bahn teilte am Montagnachmittag mit, der Fernverkehr könne in Bayern wieder anrollen. Auch der Regionalverkehr der DB und der privaten Eisenbahngesellschaften lief am Montagnachmittag nach und nach wieder an. Zuvor war neben dem Fernverkehr auch der Regionalverkehr eingestellt worden. Am Montagmorgen fuhr um 6.15 Uhr allein ein Alex-Express nach Prag, alle anderen Verbindungen, etwa nach Neumarkt, Plattling oder zum Flughafen München, wurden gecancelt.

Während der Bahnverkehr wieder läuft, musste der Flughafen München viele Flüge streichen.

Ein Regensburger, der in den frühen Morgenstunden den Zug nach Ingolstadt nehmen wollte, sagte uns am Hauptbahnhof, dass er nun erst einmal abwarten wolle. Er hatte sich aber bereits damit abgefunden, wohl nicht mehr an sein Ziel zu kommen. Ein Pärchen, das morgens in die Hauptstadt Tschechiens aufbrechen wollte, erzählte, dass es am Sonntagabend bereits vorsorglich Plätze in einem Fernbus gebucht hatte. „Und jetzt fährt der Alex offenbar doch nach Prag“, sagten die jungen Leute. „Dann haben wir eben zwei Optionen.“

Unwetter

Sturmtief „Sabine“ zieht über Bayern

Sturmtief „Sabine“ hat vielerorts Schäden angerichtet. Alle Entwicklungen können Sie bei uns nachlesen.

Ein früherer MZ-Kollege, der inzwischen in München arbeitet und täglich mit dem Zug in die Landeshauptstadt pendelt, beklagte sich über die Informationspolitik der Bahn. Man habe zwar damit rechnen können, dass die Züge nicht verkehren, aber über die Bahn-App habe man dies nicht erfahren, sagte er uns.

Am Hauptbahnhof Regensburg fielen alle Regionalzüge aus, um 6.15 Uhr fuhr nur ein Alex-Express nach Prag. Foto: Ziegler
Am Hauptbahnhof Regensburg fielen alle Regionalzüge aus, um 6.15 Uhr fuhr nur ein Alex-Express nach Prag. Foto: Ziegler

Bei der Bundespolizei am Hauptbahnhof hatten sich indes ebenso wenig „Gestrandete“ gemeldet wie bei der Bahnhofsmission, wo wir frühmorgens mit den Worten „Es gibt noch nichts!“ empfangen wurden. Informationen bekamen wir trotzdem – und die waren uns auch wichtiger als eine warme Suppe.

Orkan „Sabine“ hinterlässt in Ostbayern erste Spuren. Video: MZ

Auf den Straßen Regensburgs lief der morgendlichen Berufsverkehr normal. Im Westen der Stadt, wo viel alter Baumbestand zu finden ist, lagen verstärkt dürre Zweige und Äste auf den Fahrbahnen, hatte der Wind Biotonnen und Behelfsverkehrszeichen umgeworfen sowie ein paar Wahlplakate zerzaust. Größere Schäden waren bei unseren Recherchen aber nicht festzustellen.

Unterricht fällt aus, mehrere Kitas arbeiten mit Notbesetzung

Abgesagt wurde wegen des Sturmtiefs „Sabine“ am Montag der Unterricht an allen Schulen in den Landkreisen Kelheim, Neumarkt, Schwandorf, Amberg-Sulzbach, Cham sowie in Stadt und Landkreis Regensburg. Für die Betreuung der Kinder vor Ort ist aber gesorgt.

In zahlreichen ostbayerischen Kindertageseinrichtungen gibt es am Montag nur einen Notdienst. Die Stadt Regensburg schreibt: „Sofern Sie es irgendwie ermöglichen können, betreuen Sie bitte aus Sicherheitsgründen Ihr Kind zu Hause.“ Im Landkreis Schwandorf gibt es in einigen Kitas und Kindergärten kein oder nur ein eingeschränktes Betreuungsangebot, eine Übersicht finden Sie hier. In Neumarkt halten mindestens die evangelischen Kindertagesstätten einen Notbetrieb aufrecht. Auch in Cham und Kelheim bleiben mehrere Einrichtung geschlossen oder arbeiten im Notbetrieb. Wenn die Kitas geöffnet sind, können Eltern selbst entscheiden, ob sie ihr Kind hinbringen.

Die Lage an Hochschulen und weiteren Einrichtungen

An der Uni Regensburg entfallen am Montag alle Lehrveranstaltungen, die vor 15 Uhr beginnen, vorsorglich. Die geplanten Prüfungen finden jedoch statt, insofern die Studierenden nicht anders informiert wurden. Auch die Termine fürs Staatsexamen finden statt. Wer wegen des Sturms nicht oder nicht rechtzeitig zur Prüfung kommen kann, muss sich beim Prüfungsamt oder bei seinem Prüfer melden und bekommt dann einen Nachholtermin, teilt die Uni mit. „Bis zu eine Stunde nach Prüfungsbeginn kann die Prüfung noch angetreten werden. Die Studierenden bekommen in dem Fall die volle Prüfungszeit“, sagt Pressesprecherin Christina Glaser.

Die OTH in Regensburg setzte dagegen alle Prüfungen und Lehrveranstaltungen für den Montag ab, wie die Hochschule auf ihrer Internetseite mitteilte.

Die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpalz stellt den Auszubildenden frei, ob sie die Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung (ÜLU) der Handwerkskammer besuchen. Ebenfalls ist es Teilnehmern der Meisterschulen der HWKNO freigestellt, ob sie die Kurse an diesem Tag besuchen. Wer nicht erscheint, wird gebeten, sich telefonisch abzumelden. Grundsätzlich finden alle geplanten Kurse nach Information der Handwerkskammer statt.

Arbeitsrechtlich ist die grundsätzliche Regelung, dass Arbeitnehmer am Arbeotsplatz erscheinen müssen. Ist ihnen das nicht möglich, so müssen sie sich schnellstmöglich bei Ihrem Arbeitgeber melden und mit ihm absprechen, ob beispielsweise Home Office möglich ist. Bei Fernbleiben kann der Arbeitgeber den Lohn einbehalten oder verlangen, die Fehlzeit nachzuarbeiten.

Weniger Passanten in der Altstadt

Bemerkbar machte sich „Sabine“ auch in der Regensburger Altstadt. Wesentlich weniger Passanten als sonst waren dort am Montag anzutreffen, bestätigte Berthold Zacharias, Inhaber des Fotohauses Zacharias und Schatzmeister von Faszination Altstadt e.V. der Mittelbayerischen. Zacharias selbst musste auf Mitarbeiter verzichten, die wegen des Schulausfalls zu Hause bei ihren Kindern geblieben waren. Für die Dauer eines Tages sei dies jedoch zu schultern, so Zacharias.

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