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Kirche

Scharfe Kritik an Piusbrüdern

Das Landeskomitee der Katholiken distanziert sich von der Bruderschaft und vom Religionsblog Kreuz.net. Zudem setzt es ein Signal gegen Studiengebühren.
Von Christine Schröpf,MZ

Albert Schmid, der Vorsitzende des Landeskomitees der bayerischen Katholiken, macht sich für Sinti und Roma stark. Foto: dpa

Bad Staffelstein. Scharfe Kritik der katholischen Laien an den Machern des ultrakonservativen religiösen Internet-Blogs Kreuz.net, die zuletzt nach dem Tod des homosexuellen Komikers Dirk Bach mit verbalen Entgleisungen aufgefallen waren. Die anonym agierenden Autoren, offenbar in vielen Bistümern verwurzelt, schmähen sonst zumeist ihnen als zu liberal scheinende Kirchenkräfte, wie die Gegner der Piusbrüder – speziell Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, der Präfekt der römischen Glaubenskongregation, ist seit langem Zielscheibe. Der Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken, Albert Schmid distanzierte sich am Samstag bei der Herbstvollversammlung in Vierzehnheiligen von Kreuz.net. „Die Beiträge sind unsäglich.“ Der 66-Jährige appellierte an die Deutsche Bischofskonferenz, diesem Stil entschieden entgegenzutreten. „Wir können uns nicht damit herausreden, dass wir nicht wissen, wer dahintersteht.“

Schätze des 2. Vatikanums heben.

Klare Position bezog Schmid auch gegenüber den Piusbrüdern, die unter anderem in Zaitzkofen (Bistum Regensburg) eine Dependance haben. Die traditionalistische Bruderschaft hatte sich aus Unwillen über das Zweite Vatikanische Konzil vor Jahrzehnten von Rom abgespalten, Papst Benedikt XVI. stieß 2009 einen Gesprächsprozess an, der Versuch einer Versöhnung scheint aber erfolglos dem Ende zuzugehen. „Es ist unvorstellbar, dass wir wegen der Forderungen der Piusbrüder hinter das Zweite Vatikanum zurückgehen“, sagte Schmid mit Blick auf Religionsfreiheit, Ökumene und interreligiösem Dialog. „Die Errungenschaften sind für die Zukunft unsere Kirche von entscheidender Bedeutung.“ Schmid appellierte bei dieser Gelegenheit, die vielfach noch nicht genutzten Schätze des Konzils zu heben und die „die Gesprächsfähigkeit mit den Partnern in der Ökumene“ zu verbessern.

Das Landeskomitee setzte in Vierzehnheiligen eine Reihe politischer Akzente. Verabschiedet wurde ein Dringlichkeitsantrag zur Abschaffung der Studiengebühren, den die ostbayerischen Teilnehmer unterstützten. „Kindern aus ärmeren Familien wird der Zugang zum Studium schwerer gemacht“, sagte Michael Meier, stellvertretender Vorsitzender des Regensburger Diözesankomitees. Der Antrag war vom Landesvorsitzenden des Bundes der Katholischen Jugend, Simon Müller-Pein, gestellt worden. Die Einführung der Campus-Maut habe auch das ehrenamtliche Engagement massiv beschädigt, heißt es in dem Papier.

Asylsuchende „unwürdig“ behandelt

Kritisch debattiert wurde in Staffelstein zudem der Umgang mit Asylsuchenden in Deutschland. Es sei „unwürdig“, wie Asylsuchende derzeit teilweise in Deutschland behandelt würden, sagte Schmid – früher selbst Leiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. „Wir müssen selbstverständlich auch die Armutswanderung zur Kenntnis nehmen und eine Antwort geben.“ Wichtig sei eine „forcierte Eine-Welt-Politik“. Gegenüber den Sinti und Roma sei Deutschland in besonderer Verantwortung. „Was Sinti und Roma in der Nazizeit angetan wurde, verlangt Wiedergutmachung durch größtmögliche Hilfestellung.“

Debatte über Familienbild

Weiteres zentrales Thema der zweitägigen Veranstaltung: das Verhältnis von Familie, Kirche und Staat. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick forderte in seiner Predigt dazu auf, neuen Definitionen des Familienbegriffs zu wehren. Ehe und Familie seien die „Gott gewollte Ordnung“. Es werde derzeit viel über die Rechte der Kinder diskutiert. „Das Recht der Kinder auf eine gute Familie wäre ein guter Gesetzesvorschlag.“ Bei einer Podiumsdiskussion hatte der Landesvorsitzende der bayerischen Piraten, Stefan Körner, als Gast des Landeskomitees zuvor für ein neues Familienbild geworben, das auch homosexuelle Partner und Eltern einschließt. Die Mitglieder des Landeskomitees nahmen vor allem die Rolle der Mütter und Väter in den Fokus. Differenziert betrachtet wird auch die Situation von wiederverheirateten Geschiedenen. Das konfliktreiche Thema soll in Gremien weiter beraten werden, eine Grundsatzerklärung wurde nicht verabschiedet.

SPD-Mann berät die CSU

Grundsätze des Landeskomitees zu diversen Fragen sind übrigens schon nächstes Wochenende gefragt - der Chef der CSU-Grundsatzkommission, der niederbayerische Europa-Abgeordnete Manfred Weber, hat Albert Schmid als Ratgeber in die Runde gebeten. Schmid, der auf eine lange politische Karriere in der SPD zurückblickt, macht das Gastspiel Spaß. „Ich bin zu dieser Art von Missionierung gerne bereit.“

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