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Medizin

Schöne Momente mit dem Kind erleben

Der Oberpfälzer Verein „Weitertragen e.V.“ hilft Eltern, die in der Schwangerschaft erfahren, dass ihr Baby sehr krank ist.
Von Dagmar Unrecht, MZ

Carolin Erhardt-Seidl vom Verein „Weitertragen e.V.“ Foto: Erhardt-Seidl
Carolin Erhardt-Seidl vom Verein „Weitertragen e.V.“ Foto: Erhardt-Seidl

Regensburg.Der Verein „Weitertragen e.V.“ ist aus einer privaten Initiative von Eltern entstanden, die in der Schwangerschaft eine schlimme Diagnose für ihr Kind erhalten haben. Carolin Erhardt-Seidl ist im Vorstand des Vereins und hat ihre schwer kranke Tochter in der 22. Schwangerschaftswoche verloren.

In Ihrem Verein sind Eltern aktiv, die in der Schwangerschaft erfahren haben, dass ihr Baby schwer krank oder behindert ist. Sie ermutigen Eltern, ihr Kind zur Welt zu bringen. Warum?

Bei solchen Diagnosen werden Schwangerschaften meist nicht fortgeführt. Bei Down-Syndrom sind es zum Beispiel über 80 Prozent der Schwangerschaften. Die Beratung sollte unbedingt ergebnisoffen sein und alle Wege aufzeigen – ein Abbruch ist in keinster Weise leicht. Man muss hinterher damit weiterleben. Im ersten Moment mag es eine erschreckende Vorstellung sein, die Schwangerschaft auszutragen, gerade wenn das Kind nur eine kurze Lebenserwartung hat. Doch man kann dabei sehr schöne Momente erleben. Das ist für das Weiterleben sehr wertvoll. Ein Abbruch ist dagegen oft mit Schuldgefühlen und Scham behaftet.

Welche Hilfe brauchen Menschen in einer solch schwierigen Situation?

Sie brauchen ausreichend Zeit und umfassende Informationen über alle Möglichkeiten. Werdende Eltern stehen nach einer schlimmen Diagnose zunächst unter Schock und haben keine Vorstellung davon, welche Alternative es zum Abbruch gibt. Da gibt es eine große Unsicherheit und viel Angst, häufig auch von ärztlicher Seite. Die gesetzlich vorgeschriebene Bedenkzeit von drei Tagen ist als Minimum gedacht, das wird oft missverstanden. Niemand muss auf die Schnelle entscheiden. Ein Abbruch wäre theoretisch bis zum Einsetzen der Geburtswehen möglich.

Oft haben betroffene Eltern einen „Fluchtimpuls“ . Was raten Sie ihnen?

Dieser Impuls ist vielen betroffenen Eltern bekannt. Man möchte nach der Diagnose am liebsten alles ungeschehen machen. Das funktioniert aber nicht, das Kind ist ja schon da. Im Bauch geht es ihm gut. Was sich nach einer Diagnose ändert, ist der Wissenstand der Eltern. Diese fühlen sich oft abgeschnitten von ihrem Baby und wollen emotional eine Sperre aufbauen. Aber man ist langfristig mit seinem Kind verbunden, damit muss sich jeder intensiv auseinandersetzen. Wer sich für das Austragen entscheidet, hat die Chance, die Zeit bewusst zu gestalten, Erinnerungen zu schaffen, vielleicht Fotos zu machen und noch eine liebevolle, gemeinsame Zeit zu erleben. Das ist bei einem überstürzten Ende nicht mehr möglich.

Wie wird man mit dem Verlust eines Babys fertig?

Ein Kind zu verlieren ist immer schlimm, das steckt niemand einfach so weg. Da braucht es viel Geduld, entscheidend ist aber ein guter Abschied und der Umgang damit innerhalb der Familie. Ich habe zwei Jahre gebraucht, um nach dem Verlust meiner schwer kranken Tochter in der 22. Schwangerschaftswoche wieder sagen zu können „Mir geht es gut“. Das erste Jahr war besonders schwer und ganz hinter sich lassen kann man es wohl niemals.

Kommentar

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