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Schräge Rollen mag sie am liebsten

Gisela Schneeberger ist nicht nur die Filmfrau an der Seite von Gerhard Polt. Als „heiße Nummer“ holt sie die Lacher alleine.
Von Dagmar Unrecht, MZ

Die Schauspielerin Gisela Schneeberger bei der Verleihung des Fernsehpreises „Blauer Panther“ für die Serie „Im Waschsalon“.
Die Schauspielerin Gisela Schneeberger bei der Verleihung des Fernsehpreises „Blauer Panther“ für die Serie „Im Waschsalon“. Foto: dpa

München.Was wäre Loriot ohne Evelyn Hamann oder Karl Valentin ohne Liesl Karlstadt? Undenkbar. Und Gerhard Polt? Die Fernsehserie „Fast wia im richtigen Leben“ hätte ohne Gisela Schneeberger nur halb so viel spröden Charme. Die beiden sind ein perfektes Paar, grantelnd und schnippisch – oft an der Grenze des Erträglichen. Auch die Satire-Filme „Kehraus“, „Man spricht Deutsch“ oder das jüngste gemeinsame Werk „Und Äktschn“ leben von dem kantigen Duo.

Aber die 68-Jährige ist viel mehr als nur die Fernseh-Frau an der Seite von Polt. Ihr komödiantisches Talent hat die Münchnerin in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen gezeigt, ganz ohne den großen Kabarettisten. Trotzdem sei sie inzwischen stolz darauf, als Polts Filmpartnerin wahrgenommen zu werden, sagte Schneeberger vor kurzem in einem Interview, früher habe sie das eher genervt.

Mit Komödien und Satiren wurde die Künstlerin bekannt. Sie beherrscht aber auch das ersten Fach. Ihre Schauspielausbildung absolvierte sie an der renommierten Otto-Falkenberg-Schule in München. Gerade zu Beginn ihrer Karriere spielte sie auch tragische Rollen, zum Beispiel am Theater in Berlin.

„Greisliche Hennen“

Die Schneeberger mit ihren feinen Gesichtszügen und den lebhaften blauen Augen ist in jeder Rolle in Kaliber. Sie lässt sich dabei auch nach Lust und Laune verunstalten, auspolstern oder auch mal einen schwarzen Zahn machen – zum Beispiel als Dorfkrämerin im Film „Eine ganz heiße Nummer“. Angst davor, hässlich auszuschauen, hat die Schauspielerin nicht. „Greisliche Hennen“ spielt sie angeblich besonders gern.

Gisela Schneeberger ist die Filmfrau an Gerhard Polts Seite, zuletzt spielten sie in der Kino-Satire „Und Äktschn!“ zusammen. Foto: Tobias Hase/dpa
Gisela Schneeberger ist die Filmfrau an Gerhard Polts Seite, zuletzt spielten sie in der Kino-Satire „Und Äktschn!“ zusammen. Foto: Tobias Hase/dpa

Die Lust am Verkleiden ist Schneeberger aber auch deshalb wichtig, weil sie gern Figuren mit Schwächen spielt. Immer nur sich selbst darzustellen, ist in ihren Augen langweilig. Sie ist die gutmütige Sachbearbeiterin Annerose Waguscheit in „Kehraus“, die biedere Ehefrau Irmgard Löffler in „Man spricht Deutsch“, die Geliebte Elli im „Monaco Franze“, aber auch die quirlige Tankstellenpächterin in „Langer Samstag“ oder die resolute Waschsalon-Besitzerin Christa Bachmeier „Im Schleudergang“. Schneebergers Frauenfiguren wirken auf den ersten Blick sehr stark, aber sie haben oft eine verletzliche oder auch unsichere Seite. Es sind keine glatten Charaktere, sondern eigenwillige und mitunter recht verkorkste Persönlichkeiten – aber immer mit dem für Schneeberger typischen bayerischen Reibeisen-Sound.

Von augenzwinkerndem Humor hält die Schauspielerin wenig. Dialoge in Drehbüchern sollen ihrer Ansicht nach direkt und witzig formuliert sein. Am besten auch noch schön schräg wie zum Beispiel im Kinoerfolg „Eine ganz heiße Nummer“ aus dem Jahr 2011. Darin gründet die Hauptfigur Waltraud Wackernagel mit zwei Freundinnen in der tiefsten bayerischen Provinz aus der finanziellen Not heraus eine Sex-Hotline – die die Frauen dann selbst mit viel Verve bedienen.

Gisela Schneeberger kann Menschen zum Lachen bringen, auch in Kombination mit einer klaren politischen Botschaft. Legendär ist die „Schweibenwischer“-Sendung aus den frühen 1980er Jahren, in der sie sich – auch diesmal an der Seite von Gerhard Polt– mit ätzender Satire über den Ausbau des Rhein-Main-Donau-Kanals und die Zerstörung der Natur auslässt. Der damalige bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß soll getobt haben.

1948 im oberbayerischen Dollnstein im Landkreis Eichstätt geboren, zieht die Schneeberger noch vor der Einschulung mit den Eltern nach München, wo sie bis heute lebt. Nach dem Abitur studiert sie zunächst Psychologie. Weil aber schon in der Schule das Theater das einzige gewesen sei, wo sie Erfolg gehabt habe, sei es ihr logisch erschienen, ins Schauspielfach zu wechseln, erzählte sie anlässlich ihres 60. Geburtstags 2008 der Nachrichtenagentur dpa. Außerdem habe es sie gereizt, dass man am Theater erst um zehn Uhr morgens anfängt.

Alleinerziehende Mutter

Mit ihrem damaligen Mann, dem Regisseur Hanns-Christian Müller und den Musikanten von den Biermösl Blos‘n feiert sie in den 1980 und 1990er Jahren viele Erfolge an verschiedenen Münchner Bühnen. Dann trennen sich die Wege, beruflich und privat. Nach 18 Jahren Ehe folgt die Scheidung von Müller – da war Schneeberger Ende Vierzig. Ab dann zieht sie ihren Sohn allein auf. „Im Rückblick staune ich, wie ich das überhaupt gemeistert habe“, sagte sie einmal.

 Die Schauspielerin Gisela Schneeberger, aufgenommen im Jahr 2012 in München. Foto: dpa
Die Schauspielerin Gisela Schneeberger, aufgenommen im Jahr 2012 in München. Foto: dpa

Ihre pragmatische Lebenseinstellung dürfte ihr dabei geholfen haben. So wie das Zähneputzen bei der Figurpflege: Um Fressattacken vor dem Fernseher zu vermeiden, reinigt die Schauspielerin ihre Zähne wenn möglich schon bevor sie den Apparat überhaupt einschaltet. Eine Taktik, die sie sich von ihrer Mutter abgeschaut hat. Damit schaffe sie es, sich selbst zu überlisten, denn zweimal Putzen sei zu anstrengen, erzählt sie einmal. Auch dem Druck ständiger Erreichbarkeit will sie sich nicht aussetzen. Alle fühlten sich so getrieben davon, ständig ihre Mails zu checken, findet sie.

Als Schauspielerin wird sie vielfach ausgezeichnet. Sie erhält unter anderem zweimal den Grimme-Preis und den Deutschen Fernsehpreis. 2013 wird ihr der Bayerischen Verdienstorden verliehen. Als ihr 2014 für die BR-Serie „Im Waschsalon“ der „Blaue Panther“ überreicht wird, sagt ihr Laudator und Schauspielerkollege Friedrich von Thun: „Wir haben schon so manche Schlacht miteinander geschlagen. Dich kann man nur lieben.“

Weitere Geschichten aus der Serie finden Sie hier.

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