MyMz

Bildung

Schulversuch: Tablets im Unterricht

Schüler im Kreis Kelheim nehmen an einem Schulversuch teil. Im Unterricht verwenden sie Tablets und Co.– mit fatalen Folgen?
Von Claudia Rothhammer, dpa

Stift anstatt Kreide, Tablet anstatt Lernbuch: Schüler in Offenstetten im Kreis Kelheim sind Teil eines bayernweiten Schulversuchs. Foto: Weigl/dpa
Stift anstatt Kreide, Tablet anstatt Lernbuch: Schüler in Offenstetten im Kreis Kelheim sind Teil eines bayernweiten Schulversuchs. Foto: Weigl/dpa

Abensberg.Als in der Grundschule Offenstetten bei Abensberg der Gong ertönt und die Schulstunde beginnt, holen die 17 Kinder der dritten Klasse statt Stiften und Heften ihre Tablets aus dem Schulranzen. Klassenlehrerin Diana Metz nimmt mit ihnen gerade das Auge durch. Die Mädchen und Buben loggen sich ins virtuelle Klassenzimmer ein und los geht’s.

Die Schule im Landkreis Kelheim nimmt am Schulversuch „Digitale Schule 2020“ der Stiftung Bildungspakt Bayern teil. Dessen Ziel ist es, digitale Medien in Lehr- und Lernprozesse einzubinden. Das Projekt dauert drei Schuljahre und findet an jeweils zwei Grund-, Mittel- und Realschulen sowie Gymnasien im Freistaat statt.

Schüler arbeiten mit QR-Codes

Die Kinder lernen sehr früh, mit digitalen Medien umzugehen. Foto: Armin Weigel/dpa
Die Kinder lernen sehr früh, mit digitalen Medien umzugehen. Foto: Armin Weigel/dpa

Wie kann das Auge sehen? Statt mithilfe eines Lehrervortrags erarbeitet sich die Klasse die Antwort weitgehend selbst – und zwar digital. Über sogenannte QR-Codes können die Schüler die jeweiligen Materialien auf ihrem Tablet abrufen. Sie verwenden ein Hörspiel, einen Text und ein Arbeitsblatt, das die Schüler am Tablet selbst ausfüllen. Zum Abschluss müssen sie in eigene Worte fassen, wie der Sehvorgang funktioniert. Dafür kombinieren sie Grafiken, Bilder und Tonspuren zu einem Video. Für Metz ist das eine Möglichkeit zu überprüfen, ob die Kinder den Stoff verstanden haben.

Das digitale Erstellen eigener Videos, Arbeitsblätter und E-Books haben die Schüler bereits in der ersten Klasse gelernt. Lehrerin Cornelia Wiedorfer-Raith legte den Grundstock dafür. „Spätestens zwei Wochen nach der Einschulung beginnen wir mit der Arbeit an Tablets“, erklärt sie. Auch Schwung- und Schreibübungen erledigen die ABC-Schützen digital – mit einem speziellen Stift auf dem Tablet.

Wiedorfer-Raith ist von der App überzeugt: „Das Programm kontrolliert die Bewegungsabläufe der Kinder und gibt ihnen sofort Rückmeldung. Das könnte ich als Lehrerin für eine ganze Klasse in diesem Ausmaß nicht alleine leisten.“ Das Tablet ersetze aber nicht das Schreiben mit dem Füller.

Mehr Informationen über das Projekt finden Sie hier:

Projekt revolutioniert den Unterricht

  • Das Projekt:

    Im Rahmen des Schulversuchs „Digitale Schule 2020“ soll an Schulen, die bereits über Erfahrungen im Einsatz mit digitalen Medien verfügen, modellhaft gezeigt werden, wie diese für die Unterrichtsentwicklung genutzt werden können.

  • Die Ziele:

    Unter anderem soll das Projekt die Medienkompetenz der Schüler stärken und sie so auf die Arbeitswelt vorbereiten. Weitere Ziele sind die Weiterqualifizierung der Lehrer und die Anpassung von Lernumgebung und Unterrichtsorganisation.

Wichtige Denkschneisen

Die Nürnberger Medienpädagogin Stephanie Müller kann als ehemalige Grundschullehrerin die Vorteile der Schreiblern-App nachvollziehen, weiß aber: „Tablets und die speziellen Tab-Stifte sind nicht ausgereift genug, um mit Papier und Füller mithalten zu können.“ Damit Schüler Schrift, Sprache und Zeichen sicher erlernen, müssten das Gehirn und die Muskulatur der Hand viele Entwicklungsschritte lernen. Auf diese Weise würden in den ersten zehn Lebensjahren wichtige Denkschneisen im Gehirn erzeugt.

„Tablets und die speziellen Tab-Stifte sind nicht ausgereift genug, um mit Papier und Füller mithalten zu können.“

Medienpädagogin Stephanie Müller

Dazu tragen auch Sinneseindrücke beim Führen eines Stifts über Papier und die Stifthaltung bei. „Ein Füller verzeiht mir eine falsche Haltung nicht, Touchpen-Stifte hingegen kann ich halten wie ich will“, sagt Müller. Gerade weil Schreibentwicklung auch Gehirnentwicklung sei, plädiert sie für die Beibehaltung der Handschrift, am besten mit Füller auf Papier.

Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Lehrerverbandes, ist ebenfalls skeptisch. „Ich bin davon überzeugt, dass der Einsatz von Tablets und Computern an Grundschulen eher hinderlich ist, Kindern die elementaren Kulturtechniken des Lesens, Schreibens und einfachen Rechnens beizubringen.“

Die Schüler erarbeiten sich den Stoff digital. Foto: Armin Weigel/dpa
Die Schüler erarbeiten sich den Stoff digital. Foto: Armin Weigel/dpa

Die Einwände sind dem Kollegium in Offenstetten nicht fremd. „Apps sind kein Allheilmittel und weniger ist oftmals mehr“, sagt Wiedorfer-Raith. Im Unterricht setze sie nur wenige, ausgewählte Apps ein. Dass Tablets dennoch bald in allen Grundschulen Einzug halten werden, davon ist man in Offenstetten überzeugt: Digitale Medien gehörten zum Alltag der Schüler – und damit auch ins Klassenzimmer.

Mehr aus Bayern lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht