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Schwingshackl geht – und beide Sterne erlöschen

Ende einer glanzvollen Epoche: Der Südtiroler Sterne-Koch gibt sein Restaurant „Ess-Kultur“ auf und verlässt den Reblinger Hof.
Von Marianne Sperb und Thomas Dietz, MZ

Aus und vorbei: Erich Schwingshackl verlässt den Reblinger Hof. Foto: dpa

Bernried-Rebling. Spitzenkoch Erich Schwingshackl (41) konnte den überwältigenden Erfolg gerade mal 16 Tage lang genießen. Noch am 11. November erhielt das weithin berühmte Restaurant „Schwingshackls Ess-Kultur“ im Hotel Reblinger Hof im niederbayerischen Bernried (Kreis Deggendorf) den begehrten zweiten Stern im Guide Michelin – ein Prädikat, für das andere Gottweißwas hergäben.

Höchste Sternendichte überhaupt

Doch seit Anfang der Woche ist „Schwingshackls Ess-Kultur“ zugesperrt. Der Zwei-Sterne-Koch verlässt den Reblinger Hof. Auch seine Freundin Katharina Krauß verlässt mit ihm ihr angestammtes Familienhotel.

Ein schmerzhafter Verlust für die anmutige, aber kulinarisch nicht gerade reich gesegnete Gegend mit Blick über das weite Donautal. Man witzelte schon, dass das winzige Rebling mit seinen Pi mal Daumen geschätzten 15 Einwohnern und seinem grünen Weilerschild wohl die höchste bekannte Sternendichte besäße. Der Reblinger Hof mit Vier-Sterne-Hotel und Restaurant bleibt auch weiterhin geöffnet.

Mit dem Gewinn des zweiten Sterns hat das Ende von „Schwingshackls Ess-Kultur“ im Reblinger Hof eigentlich nichts zu tun. Es sind doch eher familiäre Gründe, die zu dieser Trennung führten – das kommt in den besten Familien vor. Katharina Krauß bestätigt, dass Schwingshackls Schwager Peter Krauß jun. und seine Frau Christina für ihr Haus in abgeschiedener Lage eine andere Philosophie im Auge haben und „dass der Spagat zwischen einem schönen Landhotel mit gutbürgerlicher Küche und einem Zwei-Sterne-Restaurant“ immer größer wurde. Auch haben sich die beiden Paare seit langem nicht mehr so gut verstanden – was bei Gastgebern auf Dauer keineswegs von Vorteil ist.

Spitzenkoch Erich Schwingshackl und Katharina Krauß haben kurzentschlossen einen „Cut“ gemacht und suchen nun ein neues Wirkungsfeld. Eigentlich wollten sie im Dezember mal ein bisschen Urlaub machen. Aber die Erwartungen sind doch erheblich: Die beiden Stars werden irgendwo so richtig durchstarten. Die ganze Aktion wird von Schwingshackls Freunden, Fans und Stammgästen mit erhöhter Aufmerksamkeit verfolgt (und die MZ bleibt am Ball!): „Ich werde in einem anderen Haus nicht anders kochen“, sagt Erich Schwingshackl.

„Nach dem Guide ist vor dem Guide“

Der gradlinige, sympathische Südtiroler ist wegen seiner natürlichen Art beliebt. Sein Lehrer Heinz Winkler hat den Sterne-Erfolg seines Schülers „mit Wohlgefallen verfolgt“, bei dessen zweitem Stern freute sich die ganze Riege deutscher Spitzenköche mit ihm. In Winklers Aschauer Residenz hat Schwingshackl auch seine Lebensgefährtin, die Hotelmeisterin Katharina Krauß, kennengelernt, die gerade als Sommelière des Jahres 2012 ausgezeichnet wurde. Die beiden zieht’s offenbar unaufhaltsam hinan!

Über Jahre hinweg hat Schwingshackl im winzigen Rebling mit Phantasie, Hingabe und Perfektion die Qualität seiner Küche gesteigert. Freunde des Hauses meinen, die Trennung vom Reblinger Hof sei früher oder später zu erwarten gewesen.

Mit dem Ende der „Ess-Kultur“ sind auch beide Sterne weg: „Die Sterne sind ein Prädikat für die Gesamtqualität“, sagt Michelin-Sprecherin Susanna Knapp. „Fehlt ein wichtiges Teil der Kette, wird erneut geprüft. Nach dem Guide ist vor dem Guide.“

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