MyMz

Hilfe

„Sea-Eye“ nutzt Bilder aus dem Weltraum

Die Regensburger Flüchtlingsretter wollen Missstände aufdecken. Sie sammeln Beweise mithilfe von Satellitenbildern.
Von Benjamin Weigl

„Sea-Eye“ wirft Kapitänen unterlassene Hilfeleistung vor. Foto: sea-eye.org/dpa
„Sea-Eye“ wirft Kapitänen unterlassene Hilfeleistung vor. Foto: sea-eye.org/dpa

Regensburg.Die Regensburger Flüchtlingsrettung „Sea-Eye“ erhält Unterstützung durch Satellitenbilder. Mithilfe der Aufnahmen aus dem Weltraum wird künftig ein Gebiet im Mittelmeer vor der libyschen Küste beobachtet. Dort flüchten besonders viele Menschen in Richtung Europa. Am Freitag hat die Organisation dafür die Gründung des neuen Vereins „Space-Eye“ bekannt gegeben.

Unter dem Motto „Wir sehen, was du nicht sehen sollst“ will die Organisation nach Angaben von Sprecher Hans-Peter Buschheuer auf Missstände im Mittelmeer aufmerksam machen. Die Politik behaupte, die privaten Hilfsorganisationen seien daran Schuld, dass sich überhaupt so viele Flüchtlinge auf’s Meer hinaus wagen. Doch nun seien den Hilfsorganisationen „Ketten angelegt“ worden, so Buschheuer. Das derzeitige Ausmaß der Flucht sehe die Bevölkerung nicht mehr. Die Bilder aus dem All sollen den Menschen den Schwindel vor Augen führen und die Flüchtlinge wieder sichtbar machen, sagt er. „Wir haben Experten, viele Leute von Universitäten, die sich ehrenamtlich einbringen.“

Flüchtlinge

Sea-Eye bricht zu Rettungseinsatz auf

Am Donnerstag hat das Schiff „Alan Kurdi“ Mallorca verlassen. Die Regensburger Organisation Sea-Eye hofft, helfen zu können.

Kalifornische Firma liefert Satellitenbilder

„Sea-Eye“ kooperiert mit dem kalifornischen Unternehmen „Planet Labs“ aus San Francisco. „Wir verfügen jetzt über die ersten Bilder. Sie sind noch nicht von so perfekter Qualität, wie sie das Militär hat. Aber wir können mithilfe der Bilder recherchieren, was in der Vergangenheit im Mittelmeer gelaufen ist.“ „Sea-Eye“ wirft Regierungen und Militärschiffen auch Menschenrechtsverletzungen vor. Buschheuer schildert als Beispiel eine Situation um Ostern 2017. Eine große Anzahl von Flüchtlingen war damals in Seenot geraten. Schiffe in der Nähe seien nach Ansicht von „Sea-Eye“ aber erst verspätet zu Hilfe gekommen. „Sie haben danach behauptet, sie wären zu weit weg gewesen“, sagt Buschheuer.

„Sea-Eye“ und „Space-Eye“

  • Gründer:

    Der Regensburger Michael Buschheuer (42) ist Begründer von „Sea-Eye“ und hat nun den Verein „Space-Eye“ ins Leben gerufen. „Sea-Eye“ gibt an, in vier Jahren 14 000 Flüchtlinge gerettet zu haben.

  • Vorgehen:

    Künstliche Intelligenz sucht in den Satellitenaufnahmen des Meeres nach Objekten. Experten werten dann aus, wie sich welche Schiffe bewegt haben. Rund zwei Dutzend Menschen arbeiten an dem Projekt.

Mit den Satellitenbildern will „Space-Eye“ nun analysieren, wo sich die Schiffe damals tatsächlich aufgehalten und in welche Richtung sie sich bewegt haben. „Das rettet keine Menschenleben mehr. Sondern es soll ein Signal an die Politik sein: Wir haben euch im Auge“, sagt Buschheuer. Man wolle herausfinden, ob in einigen Fällen Hilfeleistung unterlassen wurde. Militärische Schiffe halten ihre Ortungsdaten unter Verschluss – mithilfe der Aufnahmen aus dem Weltall kann „Space-Eye“ ihre Position nun bestimmen. Man stelle „technologischen Gleichstand“ her, sagt Buschheuer.

Mehr aus Bayern lesen Sie hier.

Hier geht es zu „Deutschland & Welt“.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht