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Politischer Frühschoppen

Selbstbewusste Separatisten

Die Bayernpartei war heuer nach langer Abstinenz wieder auf dem Gillamoos vertreten – und stand den politischen Gegnern im Hau-Drauf-Jargon in nichts nach.
von Pascal Durain, MZ

Der Kelheimer Kreisvorsitzende Fritz Zirngibl neben dem Plakat, das in Abensberg für Aufsehen sorgte: Es zeigt die Kanzlerin als Schlange, mit Pinocchio-Nase, Hasenohren und giftgrünen Schlangenaugen, die auf den Bayerischen Löwen der Partei herabblicken.

Abensberg. Fritz Zirngibl hatte am Montag genau darauf gehofft: Nach jahrzehntelanger Abwesenheit kamen zum politischen Frühschoppen der Bayernpartei mehr als 120 Zuhörer in den Gasthof „Zum Kuchlbauer“. Die Gäste kamen aus ganz Bayern – jeder Orts-, Bezirks-, oder Kreisvorsitzende, der etwas auf sich hielt, kam in die Babonenstadt, um die weiß-blaue Flagge zu zeigen. Der wichtigste Festredner, der Generalsekretär und ehemalige Parteivorsitzende Hubert Dorn, hatte am Montag sogar Geburtstag.

Ursprünglich wollte die Bayernpartei ihre Festreden im Weinzelt abhalten. Doch dem sind heuer die Grünen zuvorgekommen, obwohl die BP laut eigener Aussage zuerst angefragt hatte. Kelheims Kreisvorsitzender Fritz Zirngibl glaubt, dass da der Abensberger Rathauschef, Dr. Uwe Brandl, seine Hände im Spiel hatte. „Egal, hier ist es doch viel schöner als im Weinzelt“, sagte Zirngibl bevor er aufs Podium musste. „Das ist wunderschön hier. Ein traditioneller Saal für eine traditionelle Partei.“ Tatsächlich hat die Bayernpartei einen historischen Bezug zum politischen Frühschoppen – denn in den 50er-Jahren rief diesen der Abensberger Adolf Buchenrieder ins Leben. Josef Baumgartner, der damalige Vorsitzende der Bayernpartei, trat als erster Politiker im Jungbräuzelt auf. Doch danach wurde es jahrzehntelang still um die Bayernpartei auf dem Gillamoos.

2012 versucht die Partei, die für ein „freies und unabhängiges“ Bayern kämpft, wieder an alte Erfolge anzuknüpfen. Organisator Zirngibl aus Teugn (Landkreis Kelheim) ist davon überzeugt, dass die Partei dieses Mal in den Landtag einziehen werde. Laut einer Forsa-Umfrage könnten sich 18 Prozent der Befragten vorstellen, seine Partei zu wählen. Die Themen der BP am Montag waren keine Überraschung: der Euro, die Kanzlerin, Landwirtschaft, die CSU und – natürlich – die Bayerische Unabhängigkeit. Zirngibl verglich die Europapolitik der Kanzlerin, insbesondere den Europäischen Rettungsschirm, mit dem Versailler Vertrag. Dieser neue Knebelvertrag werde den Steuerzahlern noch jahrelang auf der Tasche liegen. „Die Merkel tut sich leicht. Schließlich ist es nicht der erste Staatsuntergang, den sie erlebt hat. Die DDR lässt grüßen. Aber wer wird für uns zahlen, wenn wir mal pleite sind?“ Der Saal jubelt.

Pünktlich um 12 Uhr durfte dann der wichtigste Festredner der BP ans Podium treten. Und eines war sofort klar: Wer vor einem Pult steht, an dem das Logo der Partei prangt, – das ist ein Löwe, der vor blau-weißer Flagge das Freistaats-Wappen hält – der muss auch so brüllen. Laut, lauter – Hubert Dorn. Am Montag gab es niemanden, der nicht sein Fett abbekam. Allen voran Ministerpräsident Horst Seehofer, SPD-Hoffnungsträger Christian Ude und natürlich die Kanzlerin. Was die „Kasbolzen“ da zuletzt verzapft hätten, soll ihnen heute „um die Ohren gehauen werden“. Denn eines sei jetzt klar: „Die Bayernpartei werden sie auf dem Gillamoos nicht mehr los.“ Auch er legte den Schwerpunkt seiner Rede auf „das Europa der Bürokraten, Sesselfurzer und Gurkenkrümmer.“ Die „Politik der verpassten Gelegenheiten“ müsse ein Ende haben. „Wir brauchen einen gestandenen Löwen vornedran“, so Dorn über den Ministerpräsidentenposten, der im kommenden Jahr neu gewählt wird. Er hoffe, dass dann im Maximilianeum endlich wieder die weiß-blaue Flagge gehisst werden kann. Der Saal überschlägt sich – viele stehen zum Klatschen auf.

Nach seiner Rede ist Dorn mit sich und dem politischen Frühschoppen zufrieden. „Der letzte Redner muss einfach Stimmung machen.“ Dass so viele Leute an einem Montag nach Abensberg gekommen sind, zeige den Zusammenhalt und das Wiedererstarken der Partei. „Die Stimmung war super. Ein Montag ist sonst ein Killer-Termin.“

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