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Bayern
Montag, 18. Juni 2018 26° 2

Protest

Sitzstreik in der Unibibliothek

50 Studenten besetzten am Montag den Lesesaal der Zentralbibliothek. Sie demonstrierten damit gegen gekürzte Öffnungszeiten.
Von Daniel Pfeifer

Matthias Ernst und Gresa Morina besprechen das weitere Vorgehen, kurz bevor die Security eintrifft. Foto: Daniel Pfeifer
Matthias Ernst und Gresa Morina besprechen das weitere Vorgehen, kurz bevor die Security eintrifft. Foto: Daniel Pfeifer

Regensburg.Der Kampf um die verkürzten Öffnungszeiten geht in die nächste Runde: Am Montagabend besetzten knapp 50 Studenten unter Initiative der politischen Hochschulgruppe „Bunte Liste“ den Allgemeinen Lesesaal der Zentralbibliothek, um gegen die radikale Kürzung der Bibliotheks-Öffnungszeiten an der Universität Regensburg zu protestieren. In einem friedlichen „Sit-in“ setzten sich die Studenten demonstrativ über die jüngst in Kraft getretene Änderung hinweg und arbeiteten bis in die Nacht hinein weiter.

20 Uhr – bis dann und keine Minute länger darf seit der jüngsten Sparmaßnahme der Allgemeine Lesesaal genutzt werden. Eine penetrant schallende Glocke macht das in den Minuten vor Ladenschluss mehrmals klar. Auf ihr Kommando pilgern dann die letzten Studenten mit ihren Büchern, Laptops und Ordnern aus den großen grünen Schwingtüren des Saals hinaus. Eigentlich. Doch am Montagabend läutete die Glocke nicht das Ende der Arbeitszeit ein, sondern den Beginn der Protestaktion.

Worum geht es?

  • Kürzungen

    Seit dem 1. Juni wurden in 13 Lesesälen der Regensburger Universitätsbibliothek die Öffnungszeiten um zusammengerechnet 45 Stunden verkürzt. Statt bis 22 Uhr hat z.B. die Zentralbibliothek nur noch bis 20 Uhr geöffnet. In den Naturwissenschaften bleiben die Lesesäle am Wochenende ganz zu.

  • Stellenstreichungen

    Grund für die Kürzung ist der Wegfall von zwei Stellen beim Aufsichtspersonal. Diese wurden laut Universität im Rahmen eines bereits mehrere Jahre zurückliegenden Stelleneinzugsprogramms des Freistaats Bayern als „künftig wegfallend“ (KW) eingestuft. Als die Stellen nun frei wurden, wurden sie nicht nachbesetzt, sondern eingezogen. Eine Verlängerung sei nicht möglich gewesen, hieß es.

„Das ist ein massiver Einschnitt in unsere Studienbedingungen“, argumentiert Matthias Ernst. Die Verkürzung müsse wieder zurückgenommen werden, das sei das Ziel der Aktion. Der Medienwissenschaftsstudent führte zusammen mit „Bunte Liste“-Kommilitonin Gresa Morina das Briefing zu Beginn des Sit-in durch. Schließlich wartete bereits ein Trupp Security vor der Tür. Die Regeln für die Aktion waren klipp und klar: Keine Randale, kein Stress mit dem Bibliotheksaufseher, keine Verletzung von Hausregeln. Und vor allem die wichtigste Regel in jeder Bibliothek: Psst, Ruhe!

„Das ist ein massiver Einschnitt in unsere Studienbedingungen.“

Matthias Ernst, Bunte Liste

Denn für viele Studenten sind die langen Öffnungszeiten der Bibliotheken lebenswichtig. „Wir kommen aus dem Labor erst um 18 Uhr raus und haben dann noch Protokolle zu schreiben,“ erklärt der Chemie-Student Aaron Eichenseher. Er ist darauf angewiesen, auch abends noch lange die Lesesäle nutzen zu können. Doch gerade ihn trifft es besonders hart: In den Naturwissenschaften soll die Bibliothek am Wochenende komplett geschlossen bleiben. Auch für Studenten, die neben dem Studium arbeiten, oder Alleinerziehende sei die Kürzung ein erhebliches Problem. Für viele von ihnen ist die Woche voll mit Vorlesungen, Seminaren und Arbeit und es bleiben nur der späte Abend und das Wochenende.

Vera Forstmeier von der Bunten Liste übergibt zusammen mit vielen Fachschaften die bei der Online-Petition gesammelten Unterschriften an Uni-Präsident Prof. Dr. Udo Hebel. Foto: Universität Regensburg, Referat II/2 – Kommunikation, Christina Glaser
Vera Forstmeier von der Bunten Liste übergibt zusammen mit vielen Fachschaften die bei der Online-Petition gesammelten Unterschriften an Uni-Präsident Prof. Dr. Udo Hebel. Foto: Universität Regensburg, Referat II/2 – Kommunikation, Christina Glaser

Insbesondere diejenigen, die Examen schreiben, treffe es, erklärt Matthias Ernst. Von diesen Problemen wüssten die Verantwortlichen natürlich auch, „ich sehe da schon Bewegung aufseiten der Universitätsleitung“. Bei einer Online-Petition waren über 2900 Unterschriften gesammelt worden, die die Studenten Ende Mai an Uni-Präsident Prof. Dr. Udo Hebel übergeben hatten. Gespräche mit der Uni-Leitung, die Petition, Infoflyer für Mitstudenten, Workshops und nun eben das Sit-in – die Studenten wollen nicht klein beigeben, bis sich die Verwaltung zu Verhandlungen an einen Tisch setzt.

Gegen 23 Uhr verlassen am Montagabend die letzten Studenten die Bibliothek. Schon am kommenden Montag ist das nächste Sit-in geplant. Für die kommenden Wochen hoffen die Organisatoren auf weitere Studenten, die sich mit der Aktion solidarisch zeigen und ebenfalls gemeinsam im Lesesaal sitzenbleiben.

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