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Söders Oberpfälzer Heimspiel

Beim Talk „Söder persönlich“ zeigt der neuen Ministerpräsident Markus Söder 90 Minuten auch seine anderen Seiten.
Von Christine Schröpf

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder zu Gast in Amberg. Er sprach über Heimat, Glauben – und seine Visionen für den Freistaat. Foto: Andreas Brückmann
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder zu Gast in Amberg. Er sprach über Heimat, Glauben – und seine Visionen für den Freistaat. Foto: Andreas Brückmann

Amberg.Amberg ist die vierte Station des Talks „Söder persönlich“, das den neuen bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder durch alle Regierungsbezirke führt. 90 Minuten – also eine Spielfilmlänge lang – beantwortete er am Donnerstagabend im voll besetzten Kinosaal des Cineplex Fragen des Journalisten Ralf Exel. Für Söder ist es ein Heimspiel. Er trifft auf 250 wohlgesonnene Zuhörer. Es erwartet ihn auch nicht – wie beim Auftritt in Donauwörth – ein vermeintlicher Söder-Fanboy der satirischen ZDF-„Heute Show“, der nachbohrt, wie man den eigenen Chef aus dem Weg räumt.

Der Kinosaal war mit 250 Gästen besetzt. Foto: Andreas Brückmann
Der Kinosaal war mit 250 Gästen besetzt. Foto: Andreas Brückmann

Die Reaktionen in der Oberpfalz sind durch die Bank gut: „Er hat bei mir einen großen Vertrauensvorschuss“, sagte Günter Wolfram (63). „Super, dass er sich persönlich vorstellt. Die meisten Politiker sieht man nur aus der Ferne“, sagte Manuel Koller (24). „Ein würdiger Landesvater. Er will durchsetzen, was er sagt“, meinte Heidi Unger (72). Söder spricht in Amberg über seinen fordernden Vater, zeitweise schlechte Schulnoten – bis zum Schwenk zu einem 1er-Abitur, über erste politische Gehversuche, seinen politischen Ziehvater – den früheren Ministerpräsidenten Edmund Stoiber und die Tücken seiner eigenen ersten Kabinettsbildung. Söders Leben aus sechs Blickwinkeln:

Der harte Sessel des Regierungschefs

Am Ziel: Markus Söder ist Ministerpräsident – die erste Aufgabe war allerdings hart. Foto: dpa/Sven Hoppe
Am Ziel: Markus Söder ist Ministerpräsident – die erste Aufgabe war allerdings hart. Foto: dpa/Sven Hoppe

Bei der Bildung seines ersten Kabinetts hat Ministerpräsident Markus Söder mit hartem Besen gekehrt, selbst seinen Freund Ludwig Spaenle durch einen neuen Kultusminister ersetzt – in Amberg erzählt er, wie schwer ihm diese Entscheidung gefallen sei und zeigte Verständnis auch für die anderen Enttäuschten, die auf eine Beförderung gehofft hatten.

„Ich habe da auch nicht gut geschlafen. Aber als Ministerpräsident muss man das gesamte im Auge haben.“ In früheren Jahren habe er selbst erlebt, wie es ist, vergeblich auf einen Ruf aus der Staatskanzlei zu warten. „1998 – ich war vier Jahre Abgeordneter, ich dachte, eigentlich ein sehr schneidiger. Ich habe mich bereit gehalten. Der Franke würde sagen: Pfeiffndeggala. Nichts war‘s.“ Manchmal passe man schlicht nicht ins Gesamtkonzept. Söder lobte den Oberpfälzer Albert Füracker, als Finanzminister quasi zweitwichtigster Mann nach dem Regierungschef, baute aber grundsätzlich vor. „Die Zeit von Kronprinzessinnen und Kronprinzen ist vorbei.“

Markus Söder und sein Weg in die Staatskanzlei – Klicken Sie sich durch die Bildergalerie:

Markus Söder und sein Weg in die Staatskanzlei

Ein „Clubberer“ mit Leidenskraft

Einmal Club – immer Club, ist die Devise von Markus Söder. Foto: privat
Einmal Club – immer Club, ist die Devise von Markus Söder. Foto: privat

Als Fan des 1. FC Nürnberg ist Markus Söder leidgeprüft, aber unerschütterlich. „Ich bin ein Clubberer, seit meiner Kindheit.“ Aktuell keimt bei ihm allerdings das Pflänzchen der Hoffnung. Der Club steht in der 2. Bundesliga auf Platz 2, peilt den Aufstieg an, auch wenn der Vorsprung zu den Verfolgern zuletzt geschmolzen ist und auch der SSV Jahn Regensburg auf sechs Punkte herangerückt ist. Söder gestattete sich bei seinem Auftritt in Amberg den Traum der Rückkehr seines Clubs in die erste Bundesliga. Auf der Kaiserburg in Nürnberg will er dann für die Fußballer einen rauschenden Empfang ausrichten. Als Regierungschef werde er natürlich auch reinen Herzens den voraussichtlichen Deutschen Meister „FC Bayern“ zu würdigen wissen. Ein klein wenig habe er schon immer mit den Bayern mitgefiebert, jedenfalls wenn es um Spiele gegen Borussia Dortmund geht. Die Gründe sind fränkischer Natur. In der Rangliste Deutscher Meistertitel ist der 1. FC Nürnberg neun Mal gelistet – der letzte Titel liegt allerdings 50 Jahre zurück. Die Borussen standen acht Mal oben. Söder wünscht sich, dass sie niemals überholen.

Abends schrill, morgens puterrot

2012 als Punk mit Irokesen-Frisur – Markus Söder, damals Finanzminister, machte damit auch in den USA Schlagzeilen. Foto: dpa, Karl-Josef Hildenbrand
2012 als Punk mit Irokesen-Frisur – Markus Söder, damals Finanzminister, machte damit auch in den USA Schlagzeilen. Foto: dpa, Karl-Josef Hildenbrand

Söders Kostüme auf dem Veitshöchheimer Fasching sind legendär. Als Punk mit steilem Irokesen und der Botschaft „Hast Du mal nen Euro“ brachte er es 2012 sogar auf die Titelseite des „Wall Street Journal“. Er staunt heute noch darüber. Die phantasievollen Maskeraden haben allerdings auch ihre Tücken, erzählt er in Amberg. Als Punk mit hoher Frisur passte er nicht in den Dienstwagen, musste sich in einem Sprinter auf den Boden setzen.

Und dann noch die Sache mit dem gefühlt tonnenschweren Make up, etwa als glatzköpfiger und gelbgesichtiger „Simpson“ oder als knallgrüner Comic-Held „Shrek“. Von den Maskenbildner bekomme er zum Abschminken zwar immer Spezialtinkturen, doch das Entfernen der Farbe bleibe ein hartes Stück Arbeit – mit Folgewirken. Denn dm schrillen Auftritt am Abend folgt ein böses Erwachen am Morgen. Die Haut ist gereizt. Der Blick in den Spiegel zeigt einen Söder in sattem Puterrot.

Markus Söders‘ Kostüme bei der „Fastnacht in Franken“ in unserer Bildergalerie:

Gebetsraum bald auch in der Staatskanzlei

Markus Söder – hier beim Gebet in der Grabeskirche in Jerusalem – bekennt sich offen zu seinem Glauben. Foto: Peter Kneffel/dpa
Markus Söder – hier beim Gebet in der Grabeskirche in Jerusalem – bekennt sich offen zu seinem Glauben. Foto: Peter Kneffel/dpa

Markus Söder ist gläubiger Protestant – in der Jugend noch fremdelnd mit der eigenen Religion, hatte er nach dem Tod seiner Eltern zurückgefunden. Die Mutter war überraschend gestorben, der Vater wenige Jahre später auf einer Palliativstation. Söder gehört einem Gebetskreis an. Er habe dort gelernt, dass man zu Gott auch mit großen, aber auch scheinbar kleinen Sorgen kommen könne und er zu jedem Zeitpunkt des Lebens – auch ganz zuletzt – die Chance zur Umkehr biete. Schon als Umweltminister ließ Söder im Ministerium einen „Raum der Stille“ einrichten, von Beamten scherzhaft „Söder-Kapelle“ genannt. Als Heimatminister ließ er dann am Nürnberger Dienstsitz, einem früheren Bankgebäude, zum Gebet einen „Tresor des Lichts“ installieren. „Schon ein paar Sekunden können manchmal entschleunigen“, sagt er. In der Staatskanzlei wird nun ebenfalls nach geeigneten Räumlichkeiten gesucht. „Das gehört einfach dazu. Mir gibt es Kraft. Damit gibt es auch Bayern Kraft.“

Edmund Stoibers Angriffswaffe

Markus Söder im Jahr 2004 als CSU-Generalsekretär. Die Sache mit dem Wackelpudding zählte noch zu den harmloseren Attacken auf Rot-Grün. Foto: Peter Kneffel/dpa
Markus Söder im Jahr 2004 als CSU-Generalsekretär. Die Sache mit dem Wackelpudding zählte noch zu den harmloseren Attacken auf Rot-Grün. Foto: Peter Kneffel/dpa

Vier Jahre war Markus Söder CSU-Generalsekretär, das liegt über zehn Jahre zurück. Doch die Zeit als Angriffswaffe des damaligen Parteichefs Edmund Stoiber haftet bis heute an seinem Image. Als Jugendsünden eines Ungestümen deklariert Söder heute, dass er gerne Grenzen überschritt. Rot-Grün mutierte im CSU-Wahlkampf zum Wackelpudding. Auf einem anderen Plakat setzte er eine „rote Kolonne“ mit Köpfen von Renate Schmidt, Oskar Lafontaine, Gregor Gysi und Stalin in Marsch. Die SPD im Landtag tobte, nach Söders Erinnerung flogen bei einer Plenarsitzung Kugelschreiber. Er tauschte am Ende Stalin gegen Marx. Einer aber zeigte immer Nachsicht. „Stoiber hat mich nie geschimpft.“

Der „Selfie-Made-Man“ der CSU

„Selfie-Made-Man“ titelte eine österreichische Zeitung kürzlich über den neuen bayerischen Ministerpräsidenten, der speziell das soziale Netzwerk „Facebook“ als Plattform für politische und private Botschaften nutzt. Selfies und Minivideos gibt es dort von ihm zuhauf – von der Ankunft bei den Bayreuther Festspielen bis zum Gassigehen mit dem Familienhund. Er befinde sich damit in guter Gesellschaft, sagt Söder mit Verweis auf den österreichischen Kanzler Sebastian Kurz oder den französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron. Den wilden Twitter-Gewittern von US-Präsident Donald Trump gewinnt er dagegen nichts ab.

Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie zu den bayerischen Ministerpräsidenten der Nachkriegszeit:

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