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Arbeitsmarkt

Sozialer Arbeitsmarkt nur für schwer Vermittelbare sinnvoll

Schon seit Jahren ohne Job - und das trotz Hunderter Bewerbungen. In solchen Fällen braucht es mehr als den guten Rat des Jobvermittlers. Experten sehen die Lösung in einem sogenannten sozialen Arbeitsmarkt - in Frage kommen dafür aber nur wenige Jobsucher.

Das Logo der Agentur für Arbeit. Foto: Ralf Hirschberger/Archiv
Das Logo der Agentur für Arbeit. Foto: Ralf Hirschberger/Archiv

Nürnberg.Das Instrument des sozialen Arbeitsmarktes ist nach Einschätzung von Arbeitsmarkforschern allenfalls für einen eng begrenzten Kreis von Langzeitarbeitslosen sinnvoll. Für diesen könne diese Maßnahme aber zu einer tragfähigen Brücke für ihre Rückkehr ins Arbeitsleben werden, sagte der Nürnberger Arbeitsmarktforscher Joachim Wolff der Deutschen Presse-Agentur.

„Der Soziale Arbeitsmarkt ist ein Konzept für langzeiterwerblose Personen, die selbst mit Hilfe von herkömmlichen Maßnahmen und auch bei einer guten Arbeitsmarktlage keine Chancen haben, eine Arbeit zu finden“, betonte Wolff. Er leitet beim Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) die Abteilung Grundsicherung und Arbeitsmarkt.

Für eine Förderung im Rahmen einer sozialen Arbeitsmarkt-Maßnahme kämen unter anderem Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen oder auch psychischen Problemen in Frage, sagte Wolff. „Für solche Menschen muss daher eine Arbeitsplatzumgebung gefunden werden, die ihren individuellen Problemen Rechnung trägt.“

So hätten manche Menschen, die jahrelang nicht mehr gearbeitet hätten, mit einem Acht-Stunden-Tag-Probleme. Sie müssten erst einmal mit einer kürzeren Tagesarbeitszeit wieder an die Arbeitswelt und eine normale Tagesstruktur herangeführt werden. Manche brauchten unter Umständen auch einen Coach, der sich bei Problemen im Betrieb einschalte und vermittle, den Betroffenen aber auch bei persönlichen Problemen helfe, erläuterte Wolff.

Da solche Menschen unter normalen Lohnbedingungen keine Stellen in Unternehmen fänden, gäben ihnen private, häufig gemeinnützige Betriebe nur mit hohen Lohnkostenschüssen der Jobcenter eine Chance. Das könnten bis zu 80 Prozent, in Einzelfällen bis zu 100 Prozent des sonst gezahlten Lohns sein, sagte Wolff. Auch müsse allen Beteiligten klar sein, dass es in manchen Fällen mehrere Jahre dauern könne, „bis sich die Beschäftigungsfähigkeit der zuvor Langzeitarbeitslosen deutlich verbessert“.

Erfahrungen mit ähnlichen Förderinstrumenten zeigten aber, dass so geförderte Langzeitarbeitslose gute Chancen hätten, sich zu stabilisieren und - auch dank des selbst verdienten Geldes - wieder am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.

Wichtig sei allerdings, dass nur wirklich schwer vermittelbare Langzeitarbeitslose für Jobs für die Maßnahme ausgewählt würden, sagte der Hartz-IV-Experte.

Andernfalls bestehe die Gefahr von Mitnahmeeffekten: Unternehmen stellten Arbeitslose ein, die sie wegen ihrer geringen Vermittlungshemmnissen ohnehin beschäftigt hätten - und kassierten gleichzeitig die hohen Lohnkostenzuschüsse der Jobcenter. „Wenn man als Jobcenter nicht darauf achtet, wer da im Rahmen des sozialen Arbeitsmarktes an Unternehmen vermittelt wird, bekäme dieser Betrieb einen unzulässigen Wettbewerbsvorteil. Die Zugangsbedingungen müssen also genau definiert werden“, unterstreicht Wolff.

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