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Bayern

Spahn: Wir haben zu viele Krankenhäuser

Der Minister will die Versorgung auf dem Land verbessern. Dafür müssen sich die Krankenhäuser besser spezialisieren.
Von Bernhard Fleischmann

Jens Spahn (rechts) zu Besuch am Klinikum in Amberg Foto: Fleischmann
Jens Spahn (rechts) zu Besuch am Klinikum in Amberg Foto: Fleischmann

Weiden.Jens Spahn hat es eilig. Der Bundesgesundheitsminister muss Mängel im Gesundheitswesen angehen. Es hakt verschiedentlich an der Qualität und der Struktur der Versorgung, bei Notaufnahmen. Das Stadt-Land-Gefälle und der Personalmangel sind Dauerbrenner. Darüber muss und will er reden, mit Bürgern, mit Ärzten und Pflegern. So geschehen am Donnerstagabend in Weiden. Der CDU-Politiker macht Station am Klinikum in der Nordoberpfalz.

Eilig hat er es in diesem Moment auch, weil er verspätet eintrifft und sein Terminplan offenbar eng getaktet ist. An den für ihn aufgebauten Infoständen hält er sich nur kurz auf, macht immerhin eine Demonstration zur Händedesinfektion mit. Im anschließenden Dialog meidet Spahn Hektik, sondern bleibt bei der Maßgabe: straffe Gesprächsführung, keine zu Vorträgen ausartende Antworten.

Grundversorgung in der Fläche

Schnell kommt die Gesundheitsversorgung auf dem Land zur Sprache. Spahn geht zunächst auf die Krankenhäuser ein. „Wir haben tendenziell zu viele Krankenhäuser, nicht auf dem Land, sondern in den Städten“, sagt Spahn. Er spricht sich für eine Grundversorgung in der Fläche aus und eine stärkere Konzentration bei Spezialisierungen. Das Problem heute sei, „dass jeder alles macht“. Mit Blick auf mögliche Einschränkungen von Häusern oder gar Schließungen spricht Spahn von einem sehr emotionalen Thema – Schließungen von Häusern ziehen zuverlässig wütende Proteste vor Ort nach sich. Am Ende sei das Ländersache. „Krankenhausplanung ist föderal, da habe ich nullkommanull Einfluss.“

Das Arztgespräch am Telefon

Um die ärztliche Versorgung sicherzustellen, habe die Bundesregierung einen üppigen Instrumentenkasten geschaffen. Ärzte könnten heute auf dem Land gut verdienen. Aber die vielen Wochenend- und Notdienste, die ständige Verfügbarkeit schreckten ab. „Da haben wir noch nicht die wirkliche Lösung“, gibt Spahn zu.

Immerhin verfügten die Kassenärztlichen Vereinigungen über eine Reihe von Möglichkeiten, flexibel in den Regionen zu reagieren. Sie könnten Ärztenetze finanzieren, Strukturfonds ermöglichten Stipendien und vieles mehr. Darüber hinaus setze er in dünn besiedelten Gebieten auf die Telemedizin. Arztgespräche am Telefon seien zwar nicht gleichwertig mit der persönlichen Visite, aber in vielen Fällen doch eine große und schnelle Hilfe.

Ein brennendes Problem ist der Fachkräftemangel bei Ärzten und Pflegern. Im Klinikum Weiden kommen heute 30 Prozent der Ärzte aus dem Ausland. Dort hat man schon mal vorübergehend Intensivbetten wegen Personalmangels nicht mehr belegt.

Pfleger in Albanien ausbilden

Deutschland könne nicht grenzenlos Ärzte und Pfleger abwerben, sagt Spahn, denn: den Mangel gebe es europaweit. Seine rumänische Ministerkollegin klage: „Ihr klaut uns schon so viele Pflegekräfte, die fehlen bei uns.“ Das sei nicht fair, findet auch Spahn. Er verfolgt unter anderem diese Idee für den Pflegebereich: Deutschland könnte mit Ländern mit einer sehr jungen Bevölkerung wie Albanien oder dem Kosovo Partnerschaften eingehen, dort Pflegeschulen gründen und eine Ausbildungsoffensive starten. Dann gäbe es mehr qualifizierte junge Menschen, die in Deutschland arbeiten könnten, ohne in ihrer Heimat ein Loch ins Gesundheitssystem zu reißen.

Wo Personal fehlt, dort werden Betten beziehungsweise Wohnplätze abgebaut werden.

Gesundheitsminister Jens Spahn

Spahns Vorstoß, Kliniken und Pflegeeinrichtungen eine Personaluntergrenze im Verhältnis zu Patienten und Bewohnern zu setzen, bereitet den Klinikverantwortlichen Kopfzerbrechen. Nicht nur, weil es Geld kostet, sondern auch, weil zusätzliche Kräfte schwer zu finden sind. Doch da lässt Spahn wenig mit sich handeln. Zwar will er Verstöße nicht mit aller Gewalt zum Stichtag 1.1.2020 bestrafen. Aber am Konzept hält er fest. Klar sei: Wo Personal fehlt, dort werden die Verantwortlichen schlicht Betten beziehungsweise Wohnplätze abbauen müssen.

Spahn gibt zu, dass vieles nicht klappt oder noch keine befriedigende Lösung in Sicht ist. Diese Klarheit hinterlässt er durchaus einen guten Eindruck, jedenfalls bei Josef Götz, dem Vorstand der Kliniken Nordoberpfalz. Er attestiert dem Minister nach dem Dialog relativ viel Detailwissen, Offenheit und ernsthaftes Interesse an den Beiträgen. So könnte er dem Schicksal eines Vorvorvorgängers entgehen. Vor Spahn war Daniel Bahr der letzte Gesundheitsminister, der das Klinikum Weiden besucht hat, bemerkte Götz eingangs. Wenige Wochen später war der FDP-Politiker das Amt los.

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Im Dialog mit der Bevölkerung

  • Das Forum:

    Der Bürgerdialog „Sprechen wir über Europa“ geht von der Bundesregierung aus. Es können sich interessierte Bürger anmelden und mit einem Mitglied der Bundesregierung diskutieren. Die zentralen Ergebnisse werden aufgenommen. Am Ende sollen daraus Schlussfolgerungen gezogen werden, heißt es.

  • Der Minister:

    Jens Spahn (38) ist seit März Bundesgesundheitsminister. Er hat sich frühzeitig mit Gesundheitspolitik beschäftigt. Politisch wird er dem konservativen Flügel der CDU zugerechnet. Zuletzt sorgte sein Vorschlag für eine doppelte Widerspruchsregelung bei Organspenden für Aufsehen.

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