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Starb Maria Baumer an Atemstillstand?

Ab 1. Juli verhandelt das Landgericht Regensburg gegen ehemaligen Verlobten. Ankläger: Er wollte frei für neue Liebe sein.
Von Isolde Stöcker-Gietl

Maria Baumer starb im Jahr 2012.
Maria Baumer starb im Jahr 2012. Foto: Rieder/Archiv

Regensburg.Das Landgericht Regensburg hat am Dienstag seinen Fahrplan für den Prozess gegen den früheren Verlobten der getöteten Maria Baumer, der einstigen Landesvorsitzenden der katholischen Landjugend, vorgelegt. Demnach werden ab 1. Juli für die Beweisaufnahme zunächst 65 Zeugen sowie 18 Sachverständige gehört. Die Anklage wirft dem 35-Jährigen vor, seine langjährige Lebensgefährtin getötet zu haben, um frei für eine neue Liebe zu sein. Alle Fragen zum Baumer-Prozess, unter anderem, wo die Opiat-Spur gefunden wurde, klären wir hier.

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Im Podcast: Durchbruch im Fall Baumer?

In einer Sonderfolge von „Spuren des Todes“ beleuchten wir mit Reporterin Isolde Stöcker-Gietl die neuesten Entwicklungen.

Seit Dezember sitzt Christian F. zum zweiten Mal in Untersuchungshaft. Damals informierte die Staatsanwaltschaft in einer Pressekonferenz über die überraschende Wende in dem jahrelangen Verfahren. Maria Baumer war bereits 2012 verschwunden. Als ihre Leiche im September 2013 in einem Wald bei Bernhardswald entdeckt wurde, fiel der Verdacht schon einmal auf den langjährigen Partner. Damals konnte ihm aber nicht bewiesen werden, dass er etwas mit dem Verschwinden und dem Tod von Maria Baumer zu tun haben könnte. Doch diesmal sind die Ankläger sicher: Im Labor wurden Spuren des Medikaments Lorazepam an einem Haarbüschel der Toten und ihrem Slip festgestellt. Ein starkes Beruhigungsmittel. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es der damals 26-Jährigen in Kombination mit Tramadol, einem Arzneimittel aus der Gruppe der Opioide, verabreicht wurde. Das Lorazepam habe zu einer Bewusstlosigkeit des Opfers geführt. Durch die zusätzliche Verabreichung des Opioids sei Maria Baumer „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ an einem Atemstillstand verstorben, so die Anklage.

Patientin von Christian F. als Motiv?

Als mögliches Motiv sehen die Ermittler eine ehemalige Patientin am Bezirksklinikum Regensburg, wo Christian F. zu der Zeit als Krankenpfleger arbeitete. Er habe sich in die junge Frau verliebt und wollte frei für sie sein. Er habe aber, da bereits der Hochzeitstermin feststand und fast 300 Gäste geladen waren, die Verbindung nicht offiziell lösen wollen, sagen die Ermittler. Wegen der jungen Frau stand der Angeklagte bereits einmal vor Gericht. Auch ihr hatte er ein Beruhigungsmittel während eines Treffens verabreicht.

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Fall Baumer: Verlobter wird angeklagt

Der Vorwurf lautet auf Mord aus Heimtücke: Verteidiger rechnet mit „schwierigem Verfahren für alle Beteiligten“.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 35-Jährige Maria Baumer in der Nacht nach dem gemeinsamen Besuch auf dem Reiterhof seines Bruders tötete und ihre Leiche anschließend bei Bernhardswald vergrub. Um eine Identifizierung zu erschweren, habe er das Opfer zudem mit Löschkalk bestreut. Für die Grabearbeiten soll er wenige Tage vor der Tat auch einen Federspaten erworben haben. Das konnten die Ermittler anhand einer EC-Karten-Abbuchung feststellen. Dasselbe Spatenmodell war neben der Getöteten im Wald gefunden worden.

Christian F. recherchierte im Internet

Vor der Tat soll sich Christian F. im Internet durch Recherchen über Tötungsmethoden informiert haben. So fanden die Ermittler neben der Suchanfrage nach „Letale Dosis Lorazepam“ und „der perfekte Mord“ auch eine Abfrage „tödliche Dosis Insulin“.

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Warum der Verlobte wegen Mordverdachts in U-Haft sitzt und was die Ermittler noch herausfinden wollen.

Für den Prozess sind vorläufig 25 Verhandlungstage und zehn Ausweichtermine bis Anfang Oktober anberaumt. Der Prozess ist öffentlich. Aufgrund der Corona-Regelungen stehen allerdings nur 41 Sitzplätze zur Verfügung, von denen ein Teil für die Presse reserviert ist. Deshalb werden Eintrittskarten für interessierte Zuhörer ausgegeben. Sie sind am Eingang zum Sitzungsgebäude erhältlich.

Die Regensburger Anwälte Michael Haizmann und Johannes Büttner sind als Pflichtverteidiger bestellt, Wahlverteidiger ist Michael Euler aus Frankfurt. Haizmann und Euler hatten F. auch im ersten Prozess wegen des sexuellen Missbrauchs von zwei Schülern des Domspatzen-Gymnasiums und der Lorazepam-Gabe an die junge Patientin vertreten. Der Prozess endete mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe. Damals sagte Verteidiger Michael Haizmann in seinem Plädoyer: „Wir führen hier keinen Stellvertreter-Prozess im Fall Maria Baumer.“ Nun sitzt Christian F. wegen Mordes an ihr auf der Anklagebank.

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