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Feiertag

Stirbt der Maibaum aus Holz?

Beim Maibaum gilt es nicht nur den Mast, sondern auch bürokratische Hürden zu stemmen. Ein Materialwechsel könnte helfen.
Von Anna Jopp

Der traditionelle Maibaum aus Holz ist nicht ungefährlich. Foto: Archiv/Glufke
Der traditionelle Maibaum aus Holz ist nicht ungefährlich. Foto: Archiv/Glufke

Painten.Das Unglück ist ein Jahr her. Am Tag der Arbeit 2018 tanzen die Anwohner im fränkischen Treuchtlingen um einen frisch aufgestellten Maibaum. Dann passiert es: Die Spitze des Baums löst sich und stürzt hinab in die Menge. Eine 29-Jährige, Mutter von drei Kindern, wird von der Maibaumspitze erschlagen und verstirbt noch am Unfallort.

Ein Einzelfall, aber dennoch sind sich die Behörden sicher: Ein Maibaum ist eine gefährliche Angelegenheit. Schon beim Fällen im Wald kann sich ein Arbeiter verletzen. Beim Transport oder „Klau“ des tonnenschweren Baumes kommt es schnell zu Verkehrsunfällen. Beim Aufstellen können unbeteiligte Zuschauer zu Schaden kommen und schließlich kann der Baum – etwa durch einen Sturm oder zerstörerischen Pilzbefall – auch einmal aufgestellt immer noch wieder umfallen.

Maibaum-Versicherung ist nötig

Die Versicherungskammer Bayern informiert in ihrem Flyer „Maibaum – Verkehrssicherheitspflicht und Kontrollen“ zu solchen Gefahren und den versicherungsrechtlichen Folgen. Seit Jahren bietet sie eine Maibaumversicherung an. Denn im Falle eines Unfalls haftet derjenige, der für das Aufstellen verantwortlich war, etwa die Gemeinde oder der Vorstand des zuständigen Vereins. Ein Maibaum muss jedes Jahr kostenpflichtig kontrolliert werden, anfangs etwa von einem Schreiner, in späteren Jahren dann von speziellen Holzgutachtern und dem TÜV. Auf einer speziellen „Maibaum-Checkliste“ dokumentiert der Kontrolleur die Ergebnisse dieser Überprüfungen schriftlich. Nach spätestens fünf Jahren muss der Stamm endgültig abgebaut oder ersetzt werden.

Was steht denn da?

  • Maibaum:

    Der ursprünglich eher in Altbayern und Österreich verbreitete Baum wird traditionell am ersten Mai aufgestellt. Der geschälte und oft mit Schildern verzierte Baum wird am oberen Ende von einem Kranz und einer grünen Baumspitze gekrönt. Ein beliebter Brauch ist das Bewachen und gegenseitige Stehlen der Bäume.

  • Kirchweihbaum

    Ursprünglich in Franken und der Oberpfalz verbreitet, ist der „Kirwabaum“ meist ungeschält und kaum verziert. Dieses Jahr wird die Kirchweih am 20. Oktober gefeiert. Mittlerweile wird mancherorts auch beides aufgestellt oder zwischen Mai- und Kirwabaum abgewechselt.

  • Zunftbaum:

    Auch in Neumarkt i.d. OPf werden Stahlbäume hergestellt. Allerdings besteht Michael Götz von der Firma Europoles darauf, dass es sich nicht um Mai-, sondern um Zunftbäume handelt: Diese bleiben das ganze Jahr stehen, so etwa vor dem Gebäude einer Neumarkter Brauerei oder in Deising im Altmühltal

Wenig verwunderlich ist es vor diesem Hintergrund, wenn in manchen Gemeinden der Maibaum-Brauch irgendwann ganz aufgegeben wird. So geschah es ursprünglich auch in Painten im Landkreis Kelheim. Doch nach 30 Jahren ohne Baum belebte der neugegründete „Boindara Maibaumverein“ die Tradition im vergangenen Jahr wieder. „Nach drei Jahrzehnten hat den Baum kaum mehr jemand vermisst. Viele junge Paintner hatten den Brauch nie miterlebt“, sagt Gründungsmitglied Stefan Rappl. Entsprechend überrascht waren die Organisatoren, als der Verein innerhalb kürzester Zeit über 100 Mitglieder zählte und am Tag der Arbeit so viele begeisterte Menschen zum Maibaum kamen, dass erst die Getränke und schließlich auch das Essen ausging.

Der erste Mai ist das erste Frühlingsfest nach dem Winter.

Stefan Rappl

Die vielen Sicherheits-Vorschriften seien wichtig, sagt Rappl ein Jahr später, „aber sie machen auch viel kaputt.“ Er selbst habe Bauchschmerzen gehabt, bevor der Baum im Jahr 2018 das erste Mal den neugestalteten Marktplatz schmückte. Für einen Verein ohne Vorerfahrung seien die bürokratischen Hürden nur schwer zu stemmen. Aber mit Ratschlägen von erfahrenen Maibaumaufstellern aus der Nachbargemeinde Maierhofen sei es den Paintnern schließlich gelungen, auch „ihren“ Baum versichert und vorschriftsgemäß in Stellung zu bringen. „Ganz traditionell, ohne Kran oder Maschinen“, sagt Rappl stolz. Nach einem Jahr Pause soll es 2020 wieder einen Maibaum in Painten geben – natürlich wieder aus Holz.

Das ist längst nicht mehr selbstverständlich. Denn zumindest für einige dieser Gefahren, etwa, was Unfälle beim Baumfällen oder die von außen schwererkennbare Kernfäule betrifft, gibt es eine einfache Lösung, die bei Traditionsverfechtern aber immer wieder auf Ablehnung stößt: Neuartige Mai- oder Zunftbäume aus konisch nach oben zulaufenden Aluminium- oder Stahlrohren, wie sie beispielsweise die Firma Neumeyer im fränkischen Heidenheim anbietet.

Kommentar

O mai – ein Aprilbaum

Kommunen denken um

Der Todesfall im nahen Treuchtlingen sei für die Firma ein Auslöser gewesen, die metallenen Masten ins Sortiment aufzunehmen, sagt Ann-Kathrin Stenglein, die bei Neumeyer für die metallenen Maibäume zuständig ist. „An der großen Nachfrage merken wir, dass sich viele Kommunen, aber auch private Firmen oder Gastwirtschaften Gedanken darüber gemacht haben, wer in so einem Fall haftet.“

Ein Maibaum aus Aluminium sei standsicherer und mit einer Lebensdauer von mindestens 15 Jahren deutlich langlebiger als das Original. Auch werde die Statik besonders bei den größeren Modellen ab zwölf Metern Höhe individuell auf den jeweiligen Standort abgestimmt: Jeder Maibaum sei dann eine Spezialanfertigung für den jeweiligen Kunden. Auch Sonderwünsche in Bezug auf die Kränze oder Schilder können berücksichtigt werden.

Obwohl das Geschäft seit der Produkteinführung gut läuft, glaubt Ann-Kathrin Stenglein nicht, dass der Maibaum aus Holz bald vollständig verschwinden wird: „Viele wollen eben genau diesen Teil der Tradition beibehalten: Den Baum gemeinsam aus dem Wald zu holen und zu verzieren“, sagt sie. Dennoch seien seit Jahresbeginn viele Bestellungen eingegangen, die wohl spätestens zum ersten Mai 2020 die bayerischen Dorfplätze zieren werden.

Einen Nachteil der Aluminium-Bäume muss Stenglein auf Nachfrage aber einräumen: Da Aluminium deutlich weniger wiegt als Holz, lassen sich die Metallbäume theoretisch, zumindest solange sie noch nicht aufgebaut sind, auch deutlich leichter durch konkurrierende Maibaumdiebe stehlen.

Korrektur: In einer älteren Version dieses Artikels wurde fälschlicherweise behauptet, in Painten gebe es keine Schützen- oder Trachtenvereine mehr. Das ist nicht korrekt. Tatsächlich gibt es im Markt Painten derzeit zwei Schützenvereine („Drei Tannen“ und „Waldfrieden“) sowie den Heimat- und Volkstrachtenverein „Rosentaler“.

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