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Südostlink: Trassenplanung aus der Luft

Die Firma Tennet vermisst das Gebiet, durch das der Süd-Ost-Link verlaufen soll. Zum Einsatz kommen Helikopter und ein Laser.
Von Anna Jopp

  • Die weiße Box unterhalb des Helikopters beinhaltet den Messlaser. Foto: Jopp
  • Pilot Jan Dammer fliegt den Korridor Linie für Linie ab. Foto: Jopp

Straubing.Obwohl Jan Dammer und Stefan Heinrich direkt hintereinander sitzen, kommunizieren Sie über Headsets und elektronische Anzeigen. „Wegen mir kann es losgehen“, sagt Pilot Dammer in sein Mikrofon. Auf der Rückbank gibt der Vermesser Stefan Heinrich hinter dem Bildschirm seines Laptops ein „Daumen hoch“.“ Dammer bedient ein paar Hebel und der Rotor auf dem Dach des dunkelblauen Hubschraubers dreht sich noch einmal schneller. Spätestens jetzt ist eine normale Unterhaltung nicht mehr möglich.

Der Hubschrauber hebt ab und lässt den Flugplatz Straubing Wallmühle unter sich zurück. Knapp 300 Meter über dem Boden geht es weiter in Richtung der Donauquerung bei Pfatter. Das Gebiet, das Dammer und Heinrich heute überfliegen, könnte in Zukunft von Erdkabeln durchzogen sein: Für den Netzbetreiber Tennet scannt Vermesser Heinrich aus der Luft den bayerischen Teil des sogenannten „Vorschlagskorridors“ für den geplanten Süd-Ost-Link: Eine größtenteils unterirdische Stromtrasse aus Gleichstromkabeln, die von Sachsen-Anhalt bis nach Bayern verlaufen soll.

Die weiße Box unterhalb des Helikopters beinhaltet den Messlaser. Foto: Jopp
Die weiße Box unterhalb des Helikopters beinhaltet den Messlaser. Foto: Jopp

Die Landschaft wird gescannt

In einem großen weißen Kasten am Boden des Hubschraubers verbirgt sich zu diesem Zweck ein Laserscanner, der während des Flugs die Topographie der niederbayerischen Felder, Wälder und Flüsse aufzeichnet. Eine Kamera macht zeitgleich Luftaufnahmen. Mit deren Hilfe können die Scandaten ihrer genauen geografischen Position zugeordnet werden. Insgesamt 385 Quadratkilometer fliegen die Vermesser dazu auf insgesamt 500 parallel verlaufenden Fluglinien systematisch ab. Bei anhaltend gutem Wetter dauert die Vermessung des gesamten Gebiets etwa eineinhalb Wochen. Der Helikopter ist ideal dafür geeignet, weil er langsamer fliegen kann als ein Flugzeug und sogar in der Lage ist, in der Luft stehen zu bleiben. Im Normalfall tastet sich der Messhubschrauber mit etwa 90 Knoten, also 140 Stundenkilometern, vorwärts.

Das bis zu 500 Gigabyte große Datenpaket lässt exakte Schlüsse über die Höhe der Bäume , über die allgemeine Topographie sowie die Lage von Gebäuden und Gewässern zu. Auch auf Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg oder archäologische Bodendenkmäler könnten die Scans Hinweise geben, sagt Pressesprecher Markus Lieberknecht.

Die Stromtrasse ist umstritten

Ergebnis der Luftuntersuchungen wird etwa Ende Juli ein exaktes Längenprofil sein, an dem sich ablesen lässt, ob und wie die Trasse durch den Vorschlagskorridor verlaufen könnte. Diese Pläne, erklärt Lieberknecht, gingen dann in die allgemeinen Planungsfeststellungsunterlagen ein. Der vom Netzbetreiber favorisierte Verlauf ist dabei keineswegs unumstritten: Anwohner und Lokalpolitiker befürchten eine Schneise durch die grünen Äcker und Wälder, die der Hubschrauber an diesem Vormittag überfliegt.

Ein Video vom Vermessungseinsatz sehen Sie hier:

Süd-Ost-Link: Trassenplanung aus der Luft

Alternativstrecke entlang der A93

„Wenn sich der Korridor nochmal ändert, dann müssen wir das Gebiet auf eigene Kosten neu befliegen und vermessen.“, räumt Lieberknecht ein. Bisher sei Tennet allerdings von den Plänen überzeugt. Auch von dem Vorschlag, die Trasse entlang der Autobahn A93 zu verlegen, hält Lieberknecht wenig: „Wir haben viele Varianten überprüft“, sagt er. „Vielerorts wäre es wegen der Wohnbebauung und der Querung von Naturschutz- und Wasserschutzgebieten nur schwer möglich, der Autobahn langfristig zu folgen.“

Der blaue Helikopter ist währenddessen auf den Boden zurückgekehrt. Auch nach unzähligen Flügen finde er es beim Blick aus der Luft immer noch spannend, wie sich die Landschaft mit der Zeit verändere, sagt Stefan Heinrich. Welche Veränderungen der Süd-Ost-Link für die Region um den kleinen Straubinger Flugplatz mit sich bringen wird, bleibt abzuwarten.

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