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Regensburg.

Tödliche Schüsse: Erneute Obduktion

Die Familie des bei einem Polizeieinsatz getöteten Tennessee Eisenberg forderte gestern Abend im ZDF endlich Aufklärung – und verzichtete auf Vorwürfe.

Diskutierten im ZDF über den gewaltsamen Tod von Tennessee Eisenberg (von links): Markus Lanz, Bruder Benedict Eisenberg, Vater Mustapha Celem und Anwalt Thomas Tesseraux. Foto: medienpublikation

Von ernst Waller, mz

Benedict Eisenberg spricht mit ruhiger Stimme. Nein, sagte er, weder er als Bruder des am 30.April in Regensburg getöteten Tennessee noch sein Vater Mustapha Celem erheben Vorwürfe gegen die Polizei. Jeder Mensch mache Fehler. Was die Familie des 24-jährigen Studenten dagegen will, sind Aufklärung und Gerechtigkeit. Die offiziellen Aufklärungsversuche wirken auf ihn, als würde man Beton in seine Seele gießen, sagte Benedict. Die beiden waren gestern um 23 Uhr zu Gast in der ZDF-Talksendung „Markus Lanz“.

Es war vor allem die emotionale Ebene, über die Markus Lanz mit der Familie sprach. Weder Bruder noch Vater sind bisher zur Ruhe gekommen. Wie verkraftet man den gewaltsamen Tod eines lieben Menschen, wieso nur konnte es zu der Tragödie kommen? Benedict und Mustapha wirken gefasst, aber gerade die Tatsache, dass Tennessee noch immer nicht begraben werden konnte, macht ihnen schwer zu schaffen, sagen sie.

Doch zumindest dieser Albtraum könnte bald vorüber sein. Auf Betreiben des Anwalts von Benedict, Thomas Tesseraux, wird der Leichnam von Tennessee voraussichtlich am Montag zum zweiten Mal obduziert. Das wurde gestern am späten Abend in der Sendung bekannt. Damit hoffe man zum einen auf neue Erkenntnisse, zum anderen aber sei es so möglich, dass Tennessee in rund zwei Wochen endlich beerdigt werden könne.

Benedict macht heuer übrigens sein Abitur; eine der vielen Prüfungen konnte er wegen des tragischen Todes seines Bruders nicht ablegen. Er will sie im September nachholen.

Laut Anwalt Tesseraux ist der Student bei dem Einsatz von 13 Polizeikugeln (offiziell heißt es „mindestens zwölf“) getroffen worden. Die acht Polizeibeamten haben zwei Magazine (16 Schuss) leer geschossen. Es wurden ballistische und toxikologische Gutachten in Auftrag gegeben; die Ergebnisse liegen noch nicht vor. Auch das Bundeskriminalamt wurde in die Erstellung der Gutachten eingeschaltet. Tennessee Eisenberg war am 30.April in einer Regensburger WG mit einem Messer auf einen Mitbewohner losgegangen. Der Mann konnte fliehen und verständigte die Polizei. Eisenberg bedrohte auch die Beamten mit dem Messer. Der Einsatz von Pfefferspray und Schlagstock habe ihn nicht stoppen können. Dann fielen die tödlichen Schüsse.

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