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Trachtenmode mit Retro-Charme

Die Straubingerin Christina Kronawitter kreiert unter ihrem Label „Mein Herzblut“ Dirndl. Sie paart traditionelle Schnitte mit ihrer Affinität für die 70er.
Von Katja Bock, MZ

  • Christina Kronawitter macht neue Dirndl aus alten Stoffen und verbindet so ihre Vorliebe zur bayerischen Lebensart mit ihrer Affinität zu den 70er Jahren. Foto: Gabi Schönberger
  • „Mein Herzblut“ steckt in Streetwear-Trachten mit Retro-Charme. Foto: Gabi Schönberger
  • Viele Accessoires aus vergangenen Zeiten prägen das Bild im Shop. Foto: Gabi Schönberger
  • Klassisch ist bei den Dirndln von „Mein Herzblut“ nur der Schnitt. Foto: Gabi Schönberger

straubing. Die langen, dunkelbraunen Haare fallen glatt über die Schultern. Ein gerader Pony umrahmt das Gesicht. Die große Brille gibt Kontur. Zum Kleid mit Retro-Muster kombiniert sie eine auffallende Kette in Neonfarben. Christina Kronawitter steht hinter der Ladentheke in ihrem kleinen Shop in Straubing. Vor ihr ist die alte silberne Kasse. Im Raum verteilt hängen Dirndl in den Regalen, sind an Ästen an der Wand drapiert oder auf Büsten gezogen. In einem Regal in Klohäuschen-Form liegen T-Shirts und Jacken mit Motiven in Form von Herzchen, Brezen oder Maßkrügen. Ein ausgestopfter Marder trägt ein „Mein Herzblut“ – Cape. Schneekugeln, Lebkuchenherzen oder Fliegenpilze aus Stoff sind im gesamten Laden verteilt.

Traditionell, zeitgemäß gepaart mit Retro-Elementen zeigt sich nicht nur der Shop in Straubing, sondern auch die Trachten von Kronawitter. „Ich würde meinen Stil als „retro-bayerisch“ oder „bavarian Streetwear“ beschreiben“, erklärt die stolze Niederbayerin in ihrem Dialekt. Nach klassischen Dirndln sucht man bei der Designerin vergeblich. Stattdessen sind Märchenmotive, Matrjoschkas oder Kirschen auf den Kleidern zu finden.

Aus alten Stoffen neue Trachten

Zwischen bayerischer Tradition und dem „Prilblümchen-Charme“ der 70er Jahre macht Kronawitter neue Trachten aus alten Stoffen. Ihre Vorliebe für die Traditionskleidung entdeckte sie schon früh. „Ich bin bereits 1999 mit Lederhose in die Keramikschule gegangen. Da haben alle gesagt, wie schaust’n du aus, aber mir hat das immer gefallen.“ Die traditionellen Schnitte kombiniert sie mit alten Stoffen, bevorzugt aus den 70ern. „Ich mag einfach die bunten, psychedelischen oder auch blumigen Muster. Alles ist so ein bisschen ‚dufte Brause‘ – so fröhlich und bunt. Das ist genau Meins.“

Von der alten Bettwäsche bis zur Tischdecke sammelt die 36-Jährige bereits seit Jahren die Retro-Stoffe, um sie zu Dirndln und Trachtenkleidern zu verarbeiten. So finden sich auf den extravaganten Kreationen Motive wie Rotkäppchen, eingenähte Gobelin-Muster oder russische Matrojschkas. „Ich mag gerne sehr liebliche Stoffe.“ Zwischen 400 bis 800 Euro kosten die Dirndl. Kleider, die Erinnerungen an die alte Kinderbettwäsche, die Tischdecken oder Vorhänge der Großmütter wecken und mit dem Lebensgefühl von heute verbinden.

Neben den Maßanfertigungen aus den original Retro-Stoffen, bietet Kronawitter eine serienmäßige Linie an. Unter dem Begriff „Retro-Streetwear“ finden sich neben den Dirndln auch T-Shirts, Kleider, Röcke und Strickjacken im Trachten-Look. „Diese Sachen kann man ganz normal im Alltag tragen und nicht nur am Oktoberfest.“ Während die Sommerkollektion 2013 vor allem durch Farben wie Petrol, Lederhosen aus Stoff und Motiven wie aufgedruckten Charivaris, Kuckucksuhren und Blumenstickereien besticht, wird die Herbst-/Winterkollektion 2013 unter dem Thema „Vom Land“ von Rehen und Hirschen als Motiven dominiert.

Von der Keramik zur Tracht

Die Idee Trachtenmode zu kreieren, entstand dabei aus der Not heraus. Eigentlich gelernte Keramikmeisterin, eröffnete Kronawitter in Straubing einen Laden für Keramik. „Das war total schwierig. Zu der Zeit hatte ich überhaupt kein Geld und musste mir alles vom Mund absparen.“ Aus der Not heraus beginnt Kronawitter ihre Kleider selbst zu schneidern. Eines der ersten Stücke ist ein Mantel aus einer alten Baumwolldecke. „Ich habe dann alte Kleider umgeschneidert, Schnitte entworfen und Modelle angefertigt. So hat sich das Stück für Stück entwickelt.“

Immer mehr Bekannte sprechen die Designerin auf ihre selbst genähten Sachen an und so entstand die Idee, ein eigenes Label zu gründen. Aus ihrer Vorliebe für Tracht und die siebziger Jahre ruft sie „Mein Herzblut“ ins Leben. Die Retro-Dirndl kommen von Anfang an gut an. Erste Einzelhändler werden auf die außergewöhnlichen Designs von Kronawitter aufmerksam. „An dem Punkt musste ich mich entscheiden.

Entweder ich mache es ein bisschen größer oder ich verdiene daran nichts.“ Die Designerin vergrößert ihr Unternehmen. Mittlerweile macht sie zwei Kollektionen im Jahr und eine Zwischenkollektion, beschäftigt 4 Mitarbeiterinnen und produziert im Jahr ungefähr 2000 Dirndl. Ihre Kreationen verkauft sie über das Internet, in ihrem Laden und in einigen ausgewählten Boutiquen.

„Ich bin authentisch“

Mit ihrer Mode im Trachtenlook trifft Kronawitter den Nerv der Zeit. Mit einer Prise Ironie macht sie die traditionelle Tracht einer neuen Generation zugänglich. Man spürt in ihrer Mode, ihrem Geschäft mit den vielen kleinen bayerischen Stil-Elementen, aber auch wie sie ihren Dialekt pflegt, die Verbundenheit zur bayerischen Lebensart. Ihr Erfolgsgeheimnis: „Ich bin authentisch.“

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