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Krebstod

Trauer um Daxenberger: Er blieb immer der Sepp

Es ist eine Tragödie, die sprachlos macht: Nur drei Tage nach seiner Frau verliert Sepp Daxenberger den Kampf gegen den Krebs.

  • Die bayerische Landesvorsitzende, Theresa Schopper, gab eine kurze Erklärung zu Daxenbergers Tod ab und war den Tränen nahe.
  • Sepp Daxenberger war das Gesicht der Grünen in Bayern.
  • Sepp Daxenberger starb am Tag der Beerdigung seiner Frau, die drei Tage vor ihm dem Krebs erlegen war.
  • Sepp Daxenberger hatte sich seit 1984 für die Grünen engagiert, zunächst als Bürgermeister in seinem Heimatort Waging, später als Fraktionschef im Landtag.

München.Kein Drehbuch-Autor hätte sich ein grausameres Schicksal für Sepp Daxenberger und seine Familie ausdenken können: Zuerst stirbt seine Frau Gertraud an Krebs, drei Tage später – am Tag ihrer Beerdigung – Bayerns beliebter Grünen-Politiker selbst. Zurück bleiben drei Söhne und eine erschütterte Partei. Doch ein Verlust ist Daxenbergers Tod keineswegs nur für die Familie und die Grünen, wie sogar die politischen Gegner am Tag seines Tods einräumen. Ein Hauptvertreter der schwarz-grünen Annäherung hat die Bühne verlassen.

Sieben Jahre langer Kampf

Sieben Jahre wehrte sich Daxenberger wie ein Löwe gegen seine Krankheit. Doch in den vergangenen Monaten verschlechterte sich der Gesundheitszustand des 48-Jährigen so schnell, dass es auch für medizinische Laien unübersehbar war. Als besonders harten Schicksalsschlag empfand Daxenberger die Brustkrebs-Diagnose bei seiner Frau Gertraud.

Immer wieder unterbrochen von Chemotherapie und langen Krankenhausaufenthalten, arbeitete er weiter wie ein Besessener – von Schuldgefühlen geplagt, weil er nur wenig Zeit für seine Familie und seine Kinder hatte. Im Juni 2010 trat er vom Fraktionsvorsitz zurück – weil es nicht mehr ging und er sich um seine Frau kümmern wollte: „Ich brauche die Restenergie für die Familie“, sagte er. Nach dem Tod seiner Frau erlahmte offensichtlich sein Widerstand. „Vielleicht hat er keine Kraft mehr gehabt zu kämpfen“, sagte Grünen-Fraktionschefin Margarete Bause.

Verlust über alle Parteigrenzen hinweg

Daxenberger starb auf der Palliativ-Station des Traunsteiner Krankenhauses. Seine Parteifreunde hatten zuletzt keinen Kontakt mehr zu ihm, Besucher wollte er nicht mehr empfangen. „Das ist eine Tragödie, die sprachlos macht“, sagte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU).

Und ein anderer CSU-Politiker sprach aus, was die Grünen selbst gar nicht für sich in Anspruch nahmen. „Der Tod von Sepp Daxenberger ist ein tragischer Verlust für ganz Bayern“, erklärte CSU-Landtagsfraktionschef Georg Schmid. Denn Daxenberger besaß eine sehr seltene Gabe: Er war ein Berufspolitiker, der nie wie ein Politiker wirkte.

Spitzenpolitiker leben häufig mit Neid und Missgunst, doch im Parlament gab es niemanden, der Daxenberger nicht mochte. „Wir erinnern uns an ihn als einen ganz außergewöhnlichen, herzenswarmen Menschen“, erklärten in Berlin die Grünen- Bundesvorsitzenden Cem Özdemir und Claudia Roth. Diesen Satz würden auch viele Nicht-Grüne unterschreiben.

Erster Grünen-Bürgermeister Bayerns

Daxenberger war so authentisch bayerisch wie wenige CSU-Politiker. Der Vorzeige-Grüne war Handwerker und Bauer, trug Trachtenjanker, ging in die Kirche und wehrte sich im Landtag erfolgreich gegen Ermahnungen, Hochdeutsch zu reden – das personifizierte Gegenteil eines grünen Bürgerschrecks.

In den neunziger Jahren schrieb Daxenberger sein eigenes kleines Kapitel der bayerischen Geschichte: Er wurde in seinem Heimatort Waging zum ersten hauptamtlichen Grünen-Bürgermeister Bayerns gewählt. Im Rückblick war das einer der ersten Steine, die aus dem Bollwerk der einst unbesiegbaren CSU herausbröckelten.

„Er hat ein Herz gehabt wie ein Bergwerk“

Für Daxenberger war die CSU sein politisches Leben lang der Hauptgegner – doch gleichzeitig zog und schob er seine eigene Partei in die politische Mitte - in Richtung CSU. Daxenbergers sonst so stark auftretende Partei-Kolleginnen waren von der Todesnachricht mehr als nur erschüttert: Die Landesvorsitzende Theresa Schopper kämpfte bei einer kurzen Pressekonferenz vergeblich gegen die Tränen: „Er hat ein Herz gehabt wie ein Bergwerk“, sagte sie.

Die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler wünschte den toten Eheleuten „einen Himmel, in dem es nach biblischer Prophezeiung kein Leid, keine Tränen und keine Schmerzen mehr gibt.“ Um die drei Söhne werden sich voraussichtlich die Großeltern kümmern. „Irgendwie haben wir immer gedacht, der Sepp packt’s nochmal“, sagte Herbert Häusl, Daxenbergers Nachfolger im Waginger Rathaus. „Er hatte soviel Energie.“

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