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Bayern

Trauer um Hans Schröpf

Der ehemalige Oberbürgermeister von Weiden ist am Donnerstag in seinem Haus gestorben. Familie, Freunde und Weggefährten trauern um den CSU-Politiker.
Von Fritz Winter und Pascal Durain, MZ

Hans Schröpf Foto: dpa

Weiden. Der ehemalige Oberbürgermeister der Stadt Weiden, Hans Schröpf (CSU), ist tot. Angehörige fanden den 74-Jährigen am Donnerstag in den frühen Morgenstunden leblos in seinem Haus in Weiden. Der herbeigerufene Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen. Schröpf war seit Jahren herzkrank. Medienberichte, wonach er an den Folgen eines Sturzes gestorben sei, bestätigten sich nicht. Ein Fremdverschulden schließt die Polizei aus. Seine Familie, seine Freunde und seine politischen Weggefährten trauern um den Mann, der die Stadt Weiden von 1976 an 31 Jahre lang regierte.

Seine Heimatstadt betrachtete Schröpf als Unternehmen, sich selber aber nicht als Chef, sondern als „Erfüllungsgehilfen bei der Entwicklung in die Zukunft“ – so charakterisierte er sich vor knapp 15 Jahren anlässlich seines 60. Geburtstages selber. Schröpf war kein bequemer, kein angepasster Politiker. Dass ihn sowohl die Mitglieder seiner CSU-Stadtratsfraktion als auch die Opposition genauso wie viele Bürger nur respektvoll den „Ober“ nannten, zeigt, dass er seinen politischen Weg ziemlich unbeirrbar ging. Man mochte ihn nicht zum Gegner haben: Weder beim Schafkopfspiel nach der monatlichen Stadtratssitzung noch im Wahlkampf – selbst auf dem Höhepunkt staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen gegen ihn wegen des Verdachts des Betruges und der Untreue wurde er im Jahr 2002 zum sechsten Mal in Folge mit der überwältigenden Mehrheit von 62 Prozent der Stimmen als Stadtoberhaupt wiedergewählt. 2007 trat er nach zwei Verurteilungen wegen Untreue und Steuerhinterziehung zum Nachteil der Stadt aus gesundheitlichen Gründen zurück.

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Albert Rupprecht zeigte sich schockiert von der Nachricht über Schröpfs Tod. In einer Pressemitteilung schrieb er: „Ich bin dankbar, dass ich Hans Schröpf persönlich erleben durfte: ein hoch intelligenter Mensch, ein spannender Charakter, ein brillanter Redner dessen Denken und Handeln immer fokussiert war auf die Entwicklung seiner Stadt Weiden.“ Hans Schröpf habe die Stadt geprägt wie kein anderer: Rupprecht: „Ich habe höchsten Respekt vor seiner Lebensleistung.“

Auch der Regensburger Oberbürgermeister Hans Schaidinger (CSU) äußerte seine tiefe Betroffenheit. Er schreibt: „Ich habe ihn als tatkräftigen Oberbürgermeister-Kollegen geschätzt, der sich um die Entwicklung seiner Stadt hoch verdient gemacht hat. Hans Schröpf war ein leidenschaftlicher Kommunalpolitiker, für den das Wohl von Weiden über allem anderen stand. So werden ihn die Bürgerinnen und Bürger in Erinnerung behalten.“

Der Landrat von Neustadt/Waldnaab, Simon Wittmann, kannte Hans Schröpf seit mehr als 40 Jahren, wie er der Mittelbayerischen Zeitung sagte. Schröpf sei eine der markantesten Persönlichkeiten Ostbayerns gewesen, ein kommunalpolitisches Schwergewicht – trotz mancher Misstöne am Ende seiner Karriere. Wittmann sagte: „Wir haben hervorragend zusammengearbeitet. Hans Schröpf war ein Mann der Tat, auf sein Wort war Verlass.“ Schröpf sei sicher sehr zielstrebig gewesen, alles, was mit Bürokratie zu tun hatte, sei ein Gräuel für ihn gewesen.

Kurt Seggewiß (SPD), der seit 2007 Weidener Oberbürgermeister ist, zollte seinem Vorgänger Respekt: „Mit Hans Schröpf verliert Weiden in der Oberpfalz eine Persönlichkeit, die untrennbar mit unserer Stadt verbunden ist. Wir fühlen mit den Angehörigen, seiner Ehefrau und seinen Kindern.“

Auch Münchens Oberbürgermeister Christian Ude kannte Hans Schröpf mehr als ein Jahrzehnt lang. Die beiden begegneten sich laufend im Bayerischen Städtetag, auch wenn Schröpf hier Ude nicht als Akteur auffiel, so sei der Weidener Politiker ein gestandenes Mannsbild mit großem Einfluss gewesen, sagte Ude der Mittelbayerischen Zeitung. Schröpf sei ihm als durchsetzungsstark und selbstbewusst in Erinnerung geblieben. Er sei einer der wenigen bayerischen Langzeit-Oberbürgermeister gewesen, der seine Stadt maßgeblich geprägt und voran gebracht habe. Ude: „Man wird nicht durch Zufall mehr als drei Jahrzehnte lang wiedergewählt. Er war ein Politiker mit großer Gestaltungskraft.“ Umso überraschender sei für ihn Schröpfs politisches Ende gewesen, sagte Ude.

Ex-MdB Ludwig Stiegler (SPD) erklärte zu Schröpf, er habe Jahrzehnte lang mit ihm trotz gelegentlicher Auseinandersetzungen engagiert über die politischen Grenzen hinweg für die Stadt zusammengearbeitet. „Das Licht seiner gesamten Amtszeit überstrahlt alle Schatten der letzten Jahre. Ich hätte ihm nach den Jahren des Rückzugs eine fröhliche Rückkehr in das öffentliche Leben gewünscht und gegönnt. So bleibt nur die Erinnerung an die fruchtbare Zeit, die wir miteinander hatten.“

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