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Proteste

„Trockener Hungerstreik“ in München

Die Asylbewerber, die in München im Hungerstreik sind, wollen nun auch nicht mehr trinken. Damit wollen sie den Druck auf die Behörden erhöhen.

Die Asylbewerber, die sich derzeit im Hungerstreik befinden, wollen nun auch auf die Flüssigkeitsaufnahme verzichten. Foto: dpa

München.Die Asylbewerber im Hungerstreik in der Münchner Innenstadt haben den Druck auf die Behörden erhöht. „Wir werden nun auch nichts mehr trinken“, sagte ein Sprecher der Gruppe am Dienstag. „Wir sind uns bewusst, dass wir unser Leben und unsere Gesundheit riskieren. Die Verantwortung dafür liegt bei den deutschen Behörden.“ Die Zahl der in einen „trockenen Hungerstreik“ getretenen Menschen bezifferte ein weiterer Sprecher auf etwa 70. Die drei Kinder der Gruppe beteiligten sich nicht an dem Hungerstreik.

Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) kündigte ein Gespräch aller beteiligten Behörden und Ministerien mit den Asylbewerbern an. Dazu werde die Regierung von Oberbayern einladen. Deren Sprecher sagte, es werde nach einem Termin an diesem Mittwoch gesucht.

Die Asylbewerber unter anderem aus Bangladesch, Pakistan, Myanmar, Syrien und Afghanistan protestieren mit ihrer Aktion gegen die ihrer Meinung nach menschunwürdigen Lebensumstände in bayerischen Asylbewerberheimen und fordern eine sofortige Anerkennung als politisch Verfolgte.

Der Hungerstreik hatte am Samstag nach einer genehmigten Demonstration durch die Münchner Innenstadt begonnen. Ein Teil der Demonstranten ließ sich nach deren Ende auf dem Münchner Rindermarkt nahe des Marienplatzes nieder und lebt dort in provisorischen Zelten.

SPD und Grüne forderten Haderthauer in einem offenen Brief zum Handeln auf. Die Menschenwürde von Flüchtlingen müsse endlich respektiert und ihre Lebensbedingungen müssten verbessert werden, verlangten die Münchner SPD-Abgeordneten Isabell Zacharias und Hans-Ulrich Pfaffmann. Sie wollten „an die Menschlichkeit und das soziale Gewissen der Ministerin appellieren“, erklärten sie - und forderten eine Abschaffung der Residenzpflicht, der Essenspakete und des Arbeitsverbots für Asylbewerber. Simone Tolle (Grüne) sagte: „Man kann diese Menschen doch nicht wortwörtlich am ausgestreckten Arm verhungern lassen.“ Alexander Thal vom Bayerischen Flüchtlingsrat betonte, dass die Situation jetzt eskaliere, sei kein Wunder.

Haderthauer wies die Kritik zurück. „Bedauerlich ist es, wie die Hoffnungen der Asylsuchenden von SPD und Grünen für ihre parteipolitischen Zwecke instrumentalisiert werden. Hier wird bewusst Desinformation betrieben, was die Rechtslage und Zuständigkeiten angeht“, sagte sie. (dpa)

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