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NAMENSTAG

Um Gottes Willen eingemauert

Die selige Diemut von Wessobrunn war eine der vielen Inklusinnen des Mittelalters.
VON MARTIN WEINDL, MZ

WESSOBRUNN.Fährt man nach Wessobrunn, dann wähnt man sich wahrlich in einem Werbefilm für Bayern: Kaum hat man den malerischen Ammersee hinter sich gelassen, kommt man durch dichte Wälder und über saftige Weiden in eine heile Märchenlandschaft, komplett mit Alpenpanorama über dem lieblichen Wiesental. Man mag es daher kaum glauben, dass sich jemand freiwillig von dieser Augenweide ab- und der strengen Askese zugewandt hat. Doch im Mittelalter war das nicht so selten bei den Glaubenseiferern der Inklusen.

Für die Welt gestorben

Das waren Männer oder Frauen, die sich freiwillig in eine Klause an Kirchen, Stadtmauern oder Brücken einmauern ließen, um sich ganz dem religiösen Leben und der Zwiesprache im Gebet mit Gott hingeben zu können. Vorbild ist die Bibel, in der der Apostel Paulus schreibt: „Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische! Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott.“ (Kolosserbrief 3,2). Manchmal nur auf bestimmte Zeit, meist aber für das ganze restliche Leben suchten die Inklusen durch das Eingeschlossensein die mystische Vereinigung mit Gott. Nur durch eine Öffnung konnten ihnen Speisen oder die Kommunion gereicht werden. Nach Erlaubnis durch Bischof oder Abt wurden die Klausner mit einer eigenen Zeremonie eingemauert, die Elemente der Totenmesse enthielt. Denn die Inklusen waren „der Welt gestorben“.

Wasser, Brot und Gebete

Ihre rigorose Religiosität ließ viele Klausner für ihre Mitchristen zu Heiligen werden. So wie in Regensburg die selige Aurelia, die ab 975 als Inklusin beim Kloster St. Emmeram lebte. Um 1075 ließ sich der Ire Mercherdach in eine Klause vor den Regensburger Stadtmauern einschließen. Die selige Herluka starb 1142 in ihrer Klause beim Kloster Bernried am Starnberger See. Sie war eine enge Freundin der Tagesheiligen Diemut von Wessobrunn.

Sie muss um 1060 geboren worden sein und starb an einem 30. März um 1130 in Wessobrunn. Jung wurde sie Benediktinerin und bewährte sich so außerordentlich, dass man ihrem Wunsch entsprach und ihr ein Leben als Inklusin gestattete. Um 1080 kam sie in das Kloster Wessobrunn, wo sie fortan eingeschlossen in einer Zelle ein Leben bei Wasser, Brot und Gebeten führte. Doch stand sie in regem Briefwechsel mit der im nahen Epfach lebenden Nonne Herluka. In diesen heute verlorenen Briefen „erfreuten sie sich gegenseitig durch Ermahnungen der Liebe und Ermutigungen im Herrn“. In der Abgeschiedenheit ihrer Zelle kopierte Diemut die große Anzahl von etwa 45 Codizes. Einige dieser Werke sind noch erhalten und werden in der Bayerischen Staatsbibliothek in München aufbewahrt. Diemut stand daher wegen ihres Glaubens und ihrer Kunst in hohem Ansehen.

Nach ihrem Tod 1130 wurden ihre Gebeine ehrenvoll bestattet. 1707 wurde ihr Grab unter der Marienkapelle geöffnet, 1709 ihre Überreste in die Klosterkirche überführt. Seit Abbruch der Klosterkirche 1810 sind ihre Gebeine verschollen. Diemut gilt noch heute als selig, ohne je seliggesprochen worden zu sein.

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