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Bildung

Uni Regensburg hatte viele Gegner

Vor genau 50 Jahren beschloss der Landtag den Bau einer Universität in Regensburg. Der Plan war damals sehr umstritten - vor allem bei den Konservativen.
Von Thomas Dietz, MZ

Die neue Universität für Regensburg im Holzmodell: Beton-Totalsanierung und Eimer-Aufstellpläne bei Regen gehörten da noch ins Reich der Zukunft. Foto: MZ-Archiv

Regensburg. Prof. Joseph Engert (1882-1964) gilt heute als „Vater der Universität Regensburg“. Denn schon 1948 regte er, Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Regensburg, an, eine neue Universität zu errichten. Bayerns bestehende Universitäten waren teilweise zerstört und komplett überfüllt. Ganze Studiengänge waren ausgelagert (oft in Gaststätten), der vorklinische Bereich der Medizinischen Fakultät der Uni München war gar in den ausgebombten Hallen und Gebäuden der Messerschmitt-Flugzeugwerke untergebracht – sie wurden von Studenten im „freiwilligen Arbeitseinsatz“ notdürftig hergerichtet. Engert ließ, mit Genehmigung der US-Militärregierung, am 20. Januar 1948 den Verein der Freunde der Universität Regensburg e.V. gründen.

Die Universität, die heute zweifelsfrei nur noch als Segen für die Stadt empfunden wird, war von Anfang an umstritten: Von einem unverantwortlichen Kostenaufwand war schon 1949 die Rede, der nur dazu diene, die Rechte der anderen drei großen bayerischen Universitäten und deren Wiederaufbau zu schmälern.

In einem Schreiben der Bayerischen Rektorenkonferenz an den Landtag wurde gefordert, den Bau einer neuen Universität „bis zum völligen Ausbau der bestehenden Universitäten zurückzustellen“. Man gab zu bedenken, dass eine solche geforderte Universität erst nach 20 Jahren leistungsfähig sein würde. „Bayerns Rektoren scharf gegen eine vierte Universität“ lautete eine Zeitungsüberschrift.

Kritisiert wurde auch, dass man sich mit Regensburg eine vergleichsweise universitätsferne Metropole in einer benachteiligten, östlichen Grenzregion ausgesucht habe. Besonders Hildegard Hamm-Brücher (91), damals FDP-Landtags-Abgeordnete, bekämpfte den Universitätsbau in Regensburg.

„Das lässt sich nicht durchführen“

Auch die ultrakonservativen Kulturpolitiker jener Zeit fürchteten eine „Schwächung der Katholizität des Freistaates“ durch Überhandnehmen der akademischen, häufig als protestantisch verdächtigten Bildung. Regensburgs Bevölkerung war in weiten Teilen der Meinung, eine solche Gründung brächte nur Unruhe in die Stadt. Tatsächlich wurden Studenten dann ab 1967/68 – damals trug man Parka, Jeans mit Schlag, Hirtenbeutel und lange Bärte – unverhohlen angestarrt; in den Gasthäusern verstummten oft genug die Gespräche, wenn eine Studenten-Gruppe eintrat.

Die Philosophisch-Theologische Hochschule sah ihr baldiges Ende als eigenständige Hochschule und die Eingliederung als „Fachbereich Katholische Theologie“ in die neue Universität Regensburg kommen – was im November 1966 durch freistaatlichen Verwaltungsakt dann auch geschah.

Am 3. Juli 1962 wurde im Haushaltsausschuss des Landtages über eine vierte Universität gestritten. Der damalige Finanzminister Rudolf Eberhard „vertrat erneut lebhaft die Auffassung, dass sich der Ausbau der bestehenden Hochschulen und die Errichtung einer neuen, nicht durchführen“ lasse (MZ vom 4. Juli 1962). Gegen die Stimmen des CSU-Abgeordneten Alfred Euerl und der FDP-Abgeordneten Dr. Hamm-Brücher wurde dem Gesetzentwurf aber zugestimmt. Tags darauf meldete der FDP-Abgeordnete Kallenbach „schärfste und größte Bedenken“ gegen eine Universität Regensburg an. Am 7. Juli stimmte der Verfassungsausschuss des Bayerischen Landtages für den Beschluss, nachdem Finanzminister Eberhard seinen Widerstand aufgegeben hatte (er trug allerdings schon seit Mitte der 50er Jahre den Spitznamen „Eberhard der Wandelbare“). Jetzt war nur noch die FDP „mit allem Nachdruck dagegen“.

Am 11. Juli 1962 titelte die Mittelbayerische Zeitung in grünen, optimistischen Lettern: „Landtag beschließt Universität Regensburg. Nur die FDP und zwei CSU-Abgeordnete dagegen / Ab 1963 Planungsmittel im Staatshaushalt / 1965/66 soll mit dem Bau begonnen werden“.

In einer Pressekonferenz begegnete Kultusminister Prof. Theodor Maunz (1901-1993) auch den Bedenken von Journalisten, „dass Regensburg nicht attraktiv genug sein könnte und München doch nicht entlastet“ würde: „Wenn es gelingt, attraktive Dozenten und Institute nach Regensburg zu bringen, werden die Studenten ganz von selbst kommen“. Denn auch wenn man in München eine zweite Universität gründen würde, sei durchaus nicht sicher, „ob sie die Studenten anziehen würde“ (MZ vom 13. Juli 1962).

„Die Uni wird in Haslbach gebaut“

Blieb nun die alles entscheidende Frage: Wohin mit dieser Universität? Die Mittelbayerische Zeitung präsentierte in ihrer Faschingsbeilage 1961 ironisch eine zentral gelegene „Mammutuniversität von enormen Ausmaßen“ in der Altstadt – die Domtürme würden aus dem Innenhof herausschauen. Allen Ernstes gingen die ersten Überlegungen zu einem Standort in der Altstadt in Richtung Dörnbergpark und Stadtpark – was von dem in Regensburg geborenen Ministerpräsidenten Alfons Goppel (1905-1991) anfangs stark favorisiert wurde. Aber nicht einmal der energische Hinweis der Denkmalpflege, wie viel unersetzliche historische Bausubstanz dafür geopfert werden müsste, brachte die Stadtoberen ins Wanken – man hoffte vielmehr darauf, die marode Altstadt auf elegante Art loszuwerden. Der Standort Altstadt schied nur aus, weil er mit 30 Hektar zu klein war!

Dann kam das Areal von der Maxstraße zum Dachauplatz ins Gespräch, danach „die Donauinseln“. Als dann war das stadtnahe Gut Königswiesen im Gespräch. Am 6. September 1962 gab Oberbürgermeister Rudolf Schlichtinger (1915-1994) bekannt, dass die Universität Regensburg nunmehr im Norden, im Gebiet von Haslbach, gebaut werde – dort hatte die Stadt gerade eine Million Quadratmeter erworben. Königswiesen mit dem Gelände Karthaus-Prüll und im Norden die Gelände am Sandberg, am Mühlberg und am Regen blieben aber auch weiter im Gespräch, wie Wolfgang Schöller in der Festschrift „Ein Campus für Regensburg 1967-2007“ schreibt. Auch ernsthafte Pläne für eine gigantische Überbauung des Hauptbahnhofes lagen schon vor.

Eine uns Heutigen nicht unbekannte unendliche Geschichte aus Grundstücksspekulation und geologischen Gegengutachten bahnte sich an, bis im Februar 1964 Ministerpräsident Goppel ein Machtwort sprach – und den Stadtsüden als künftigen Universitätsstandort bestimmte. Er sei sowohl städtebaulich als auch verkehrstechnisch der günstigste. Dass man ein solches sanierungsanfälliges Betonmonster seit 30 Jahren nicht mehr so bauen würde, steht auf einem anderen Blatt.

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