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Natur

Urwaldkäfer im Bayerischen Wald entdeckt

Nach 113 Jahren ist der Peltis grossa in den Nationalpark zurück gekehrt. Einen deutschen Namen hat er noch nicht.

Eine echte Rarität: Peltis grossa. Der Urwaldkäfer wurde im Nationalpark Bayerischer Wald wieder entdeckt. Foto: Haselberger
Eine echte Rarität: Peltis grossa. Der Urwaldkäfer wurde im Nationalpark Bayerischer Wald wieder entdeckt. Foto: Haselberger

Neuschönau.Ein äußerst seltener Käfer ist im Nationalpark Bayerischer Wald entdeckt worden. Über den Sensationsfund informierte die Parkverwaltung am Freitag in einer Mitteilung.

Der Käfer, der wissenschaftlich Peltis grossa heißt, wurde 113 Jahre lang im Bayerwald nicht nachgewiesen. Ein deutscher Name fehlt der Flachkäferart aus der Familie der Jagdkäfer noch.

Käfer galt als ausgestorben

Da auch seit der Intensivierung der Käferforschung im Nationalpark vor 13 Jahren kein Exemplar gesichtet wurde, musste man davon ausgehen, dass die Art ausgestorben war. Bis Nationalpark-Forschungsleiter Prof. Jörg Müller das bis zu zwei Zentimeter große Insekt an einem mächtigen Fichtenstumpf fand. Damit gibt es nun 16 Urwaldreliktkäfer im Nationalpark – so viele wie nirgendwo sonst in Bayern.

Entomologe Lukas Cizek aus Budweis habe im tschechischen Nationalpark Šumava im Spätsommer sogar fast 20 Exemplare des Peltis grossa gefunden, berichtet der Nationalpark Bayerischer Wald. Nach dieser Nachricht habe Müller in den Nationalparkwäldern direkt auf die Suche nach potentiellen Lebensräumen des Urwaldkäfers gemacht und sei nach zehn Minuten auf einem Baumschwamm fündig geworden. Zuletzt sie die Art im Bayerischen Wald 1906 bei Spiegelau gesichtet worden.

Peltis grossa braucht Totholz

„Das Geheimnis des Erfolgs liegt in einem kleinen Reliktvorkommen in einem Reservat auf tschechischer Seite, rund 20 Kilometer hinter der Grenze,“ vermutet Müller. „Hier gab es in den 1990er Jahren noch Peltis-grossa-Funde“.

Für große langfristig überlebensfähige Populationen braucht der Käfer vor allem eins: Viel Totholz mit Baumschwämmen. Das findet er mittlerweile in den Nationalparks Bayerischer Wald und Šumava auf großer Fläche – dank Borkenkäfer und Sturmereignissen. Nur deswegen gelang es dem Urwaldrelikt sich aus seinem kleinen urwaldartigen Refugium in die grenzüberschreitende Waldwildnis auszubreiten. „Große Schutzgebiete, die natürliche Prozesse zulassen, schaffen eben genau die Strukturen, die gefährdete Waldarten wie Peltis grossa dringend benötigen“, betont Müller.

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