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Finanzen

Verbraucherschützer fordern mehr Anlegerschutz

Seit etwa drei Jahren gelten für den Grauen Kapitalmarkt schärfere Regeln. Doch die Zahlungsunfähigkeit von Container-Investmentgesellschaften, die von Anlegern über drei Milliarden Euro eingesammelt haben, ruft Kritiker auf den Plan.

Container im Hafen in Hamburg. Foto: Christian Charisius/Archiv
Container im Hafen in Hamburg. Foto: Christian Charisius/Archiv

München.Nach der Insolvenz des führenden Anbieters von Direktinvestments in Seecontainer fordern Verbraucherschützer eine schärfere Regulierung des Grauen Kapitalmarktes. Drei Töchter der Investmentfirma P&R hatten beim Amtsgericht München Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit gestellt. Die Verluste für mehr als 50 000 Kapitalanleger könnten in die Milliarden gehen, sagte Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Dienstag.

Der Rosenheimer Finanzexperte Stefan Loipfinger sagte, mit der Insolvenz der drei Firmen stünden 3,1 Milliarden Euro im Feuer. Der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Klaus Müller, forderte im „Handelsblatt“ strengere Regeln für Produkte des Grauen Kapitalmarkts: „Ein aktiver Vertrieb sollte verboten werden, denn für Verbraucher sind diese Produkte zu komplex und bergen zu hohe Risiken.“

Bei P&R investierten meist vermögende Anleger in 1,3 Millionen Container, die durchschnittliche Anlage beträgt etwa 60 000 Euro. Laut Insolvenzverwalter Michael Jaffé verkauften die P&R-Firmen den Anlegern Frachtcontainer, kümmerten sich dann um deren Vermietung an Leasinggesellschaften oder Transportfirmen, schütteten die Mieterlöse an die Anleger aus und stellten den Rückkauf der Container nach Vertragsende in Aussicht.

Inzwischen kann P&R den Anlegern aber weder die fälligen Vermieteinnahmen überweisen noch die Container zu den in Aussicht gestellten Werten zurückkaufen, wie das Unternehmen mitteilte. Die Containerpreise seien von 2011 bis 2016 gesunken. In den vergangenen Jahren habe das Unternehmen die vorhergesagten Preise trotzdem noch bezahlt - aber „dabei wurden die vorhandenen stillen Reserven aufgebraucht“.

Finanzexperte Loipfinger sagte, P&R müsste die im Rekordjahr 2013 verkauften Container nach Ablauf der fünfjährigen Vertragslaufzeit jetzt zurückkaufen. Weil ein neues Gesetz für mehr Transparenz bei Direktinvestitionen gesorgt habe, sei der Umsatz eingebrochen, und „jetzt bricht das Kartenhaus zusammen“. Mit der starken Abhängigkeit vom Neugeschäft habe es sich „im Grunde um eine Art Schneeballsystem“ gehandelt. Diesen Vorwurf wies P&R zurück.

Mit dem Kleinanlegerschutzgesetz erhielt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) mehr Befugnisse gegen Anbieter und Vermittler. Bei Gesetzesverstößen kann sie das Angebot von Vermögensanlagen untersagen.

Jaffé sagte, er ermittele zur Zeit, in Deutschland und der Schweiz, „wie viele Container an wen wie lange vermietet sind“, sichere die Mieterlöse und analysiere die Zahlungsströme. Das könne Monate dauern. Gläubiger könnten Ansprüche gegen die insolventen Gesellschaften noch nicht zwangsweise durchsetzen. Eine Verwertung der Container durch die Anleger selbst wäre sinnlos, weil die Kosten jeden Erlös übersteigen würden. Das sei auch „faktisch unmöglich, da die Container weltweit vermietet und unterwegs sind“. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) riet Anlegern, erst einmal abzuwarten.

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