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Ferien

Verkehr: Das Chaos wartet auf Urlauber

Der Verkehr auf deutschen Straßen wird immer mehr. Vor allem Bayern trifft es hart. Jeder, der gen Süden will, muss durch.
Von Sabine Dobel

An diesem Wochenende starten fünf weitere Bundesländer in die Ferien. Das Verkehrschaos auf den Autobahnen ist damit vorprogrammiert. Foto: Balk/dpa
An diesem Wochenende starten fünf weitere Bundesländer in die Ferien. Das Verkehrschaos auf den Autobahnen ist damit vorprogrammiert. Foto: Balk/dpa

München.Die Autobahn als Schicksalsgemeinschaft: Mit dem Höhepunkt der Feriensaison beginnt das nervige Stop-and-go auf den Fernstraßen. Blechlawinen schieben sich den Urlaubsregionen entgegen. Voriges Wochenende begann die schulfreie Zeit in Rheinland-Pfalz, Hessen und im Saarland, dieser Tage starten Niedersachsen, Bremen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Die sommerliche Welle rollt gen Norden Richtung Ostsee und Nordsee. Und gen Süden, wo Berge, Seen und südliches Dolce Vita an Italiens Stränden locken.

„Es wird wieder ein schlimmer Sommer für die Autofahrer, weil es viele Baustellen gibt.“

Stefan Dorner, ADAC Südbayern

„Es wird wieder ein schlimmer Sommer für die Autofahrer, weil es viele Baustellen gibt – und weil sich das geänderte Reiseverhalten eher verstärkt hat“, sagt Stefan Dorner vom ADAC Südbayern. Viele Flugziele sind nicht mehr so gefragt – die politische Lage und Terror schrecken viele ab.

Schon im vergangenen Jahr registrierte der ADAC auf deutschen Autobahnen rund 723 000 Staus, mehr als je zuvor. Die Karawanen summierten sich auf eine Gesamtlänge von 1,45 Millionen Kilometern, das entspricht einer Strecke von 36 Mal rund um die Erde.

Oberbayern bekam 2017 das meiste ab: Etwa elf Prozent aller Staumeldungen (rund 76 500) wie auch aller Staukilometer (rund 162 300) zählte der Autoclub auf den Autobahnen hier. Das bei Feriengästen bundesweit beliebte Urlaubsparadies wird also regelmäßig auch zur Stauhölle.

571 potenzielle Stauquellen

Weniger Behinderungen als im Vorjahr sind dieses Jahr nicht zu erwarten. Die Fahrleistung je Auto steigt, zumindest nahm sie 2017 zu: Der ADAC meldete unter Berufung auf die Bundesanstalt für das Straßenwesen ein Plus von 1,3 Prozent gegenüber 2016.

An 571 Stellen soll an Autobahnen bis 23. September vier Tage oder länger gebaut werden. Das sind immerhin weniger als im Vorjahr, da waren es 713. Nur in unbedingt notwendigen Fällen werde während der Sommerferien gebaut, verspricht Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Der Bund investiere 2018 eine Rekordsumme von 8,6 Milliarden Euro. Nicht zuletzt soll die Baustelle von heute die stressfreie Fahrt morgen bringen.

Doch erstmal wird es eng zwischen Kiel und Garmisch-Partenkirchen. Vor allem in den Ballungsräumen ist die Staugefahr hoch: Rund um Berlin, Leipzig, Dresden, Nürnberg, Hannover, nördlich von Hamburg und im Raum um Düsseldorf und Köln. Nordrhein-Westfalen war in der ADAC-Bilanz 2017 bundesweit mit 35 Prozent der Staumeldungen Spitzenreiter. Die Behinderungen entstehen hier zwar laut ADAC das ganze Jahr über durch Pendler. Wer aber im Urlaub nach Holland oder Belgien oder südlich nach Frankreich will, muss durch das Nadelöhr.

Tausend Kilometer südlich in Garmisch-Partenkirchen klagen die Menschen über den Verkehr. Der Ort am Fuß der Zugspitze hat wie der ganze Süden Bayerns auch im Winter keine Ruhe: dann kommen die Wintersportler. Nicht nur Feriengäste, sondern auch Reisende und Fernfahrer, die weiter wollen nach Österreich, schlängeln sich durch die Ortskerne. Die Einwohner hoffen auf Tunnellösungen. Damit soll es zumindest für den Ortsteil Garmisch bald weitergehen.

Mehr Staus am Wochenende

Freitag und Samstag ist es am schlimmsten – da drängen Urlauber und Tagesausflügler auf die Straßen. „Man überlegt, ob man am Wochenende noch rausfährt“, sagt eine Frau aus Irschenberg, für die der Stau vor der Haustür auf der A 8 zum Alltag gehört. „Durch Bayern muss fast jeder durch, wenn er nach Süden will, nach Italien, Kroatien oder in die Balkanstaaten“, sagt Stefan Dorner vom ADAC. Um den Verkehr zu entzerren, wird teils nachts gebaut oder die Standspur wird geöffnet. Dennoch braucht es auch heimwärts wieder Geduld: Bei Kiefersfelden, Salzburg und Passau müssen Urlauber dann durch die Grenzkontrollen.

Lastwagenfahrer René Horst hat den Stau berufsmäßig. Urlaub mache er zuhause in Niederbayern, sagt er. Mit dem Wohnwagen, im Umkreis von einer Autostunde – bloß nicht wieder im Stau landen.

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