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Benefizgala

Victoria, das Mädchen der VKKK-Kampagne

Die Schülerin erkrankte an Knochenkrebs und wirbt seitdem um Spenden. Hilfe kommt jetzt von der Gala „Menschen, die bewegen“
Von Isolde Stöcker-Gietl

Victoria ist seit vier Jahren das Gesicht der VKKK-Spendenkampagne. Foto: Stöcker-Gietl
Victoria ist seit vier Jahren das Gesicht der VKKK-Spendenkampagne. Foto: Stöcker-Gietl

Kümmersbruck.Fröhliches Lachen, leuchtende Augen und eine ganz besondere Ausstrahlung: Sieben Jahre ist Victoria Behm alt, als sie 2015 das Gesicht des Vereins zur Förderung krebskranker und körperbehinderter Kinder (VKKK) wird. Unzählige Male ist das Foto des Mädchens zusammen mit dem Spendenaufruf in der Mittelbayerischen Zeitung erschienen. Die heute Zwölfjährige weiß gar nichts von ihrer Popularität und ist umso überraschter als die Interviewanfrage kommt. Hinter dem so oft gedruckten Bild steht die Geschichte eines tapferen Mädchens und ihrer Familie, die einen erbitterten Kampf gegen den Krebs geführt haben. „Als das Foto der VKKK-Kampagne entstand, wussten wir nicht, ob Victoria überleben wird“, sagt ihre Mutter Ina.

„Ich dachte bei Krebs an Tiere“

Blonde lange Haare, eine markanten Hornbrille – inzwischen sitzt ein hübscher Teenager auf der Couch in der Wohnung in Kümmersbruck (Lkr. Amberg-Sulzbach). „Ja, das bin ich wirklich“, sagt Victoria, als sie auf das alte Foto angesprochen wird. Dann erzählt sie, dass sie in den Sommerferien am Ende der 1. Klasse erfahren habe, dass die Schmerzen in ihrem rechten Bein von einer Krebserkrankung kommen. „Ich wusste gar nicht, was das ist. Ich habe gedacht: Krebs, das sind doch so Tiere.“

Die Familie war in großer Sorge, ahnte aber noch nicht, was ihr in den kommenden zwei Jahren bevorstehen würde. Der Tumor musste mit einem Teil des Oberschenkels entfernt werden. „Dem Kind das zu sagen, das war schlimm“, sagt die Mutter. Doch auch die Chemotherapien wurden zur tödlichen Gefahr. Sie belasteten das Herz des Mädchens so massiv, dass nach der 31. Behandlung akutes Herzversagen drohte. „Wir standen kurz vor der Aufnahme auf die Transplantationsliste“, berichtet die Mutter. Es habe in dieser Zeit Momente gegeben, in denen Victoria nicht mehr habe weiterkämpfen wollen. Obwohl die Zwölfjährige nur noch wenige Erinnerungen daran hat, muss sie immer wieder die Tränen hinunterschlucken, wenn sie darüber spricht. Inzwischen ist sie alt genug, um zu realisieren, was sie durchgestanden hat.

Die Gala „Menschen, die bewegen“

  • Termin:

    Am Samstag, 30. November 2019, veranstaltet das Mittelbayerische Medienhaus im Marinaforum Regensburg wieder den Jahresrückblick „Menschen, die bewegen“. Die Gala findet in diesem Jahr bereits zum vierten Mal statt.

  • Gäste:

    Besucher können sich auf interessante Talkgäste freuen, die von ihren mitreißenden Erlebnissen und Ideen, ihren berührenden Schicksalen und kuriosen Momenten erzählen. Unter anderem werden Kabarettist Hannes Ringlstetter, Sängerin Steffi Denk und Domkapellmeister Roland Büchner erwartet.

  • Moderation:

    Redakteurin Marina Gottschalk und Josef Pöllmann, geschäftsführender Chefredakteur der Mittelbayerischen Zeitung, moderieren „Menschen, die bewegen“. Die Showband um Gerwin Eisenhauer und Markus Engelstädter begleitet die Show musikalisch.

  • Eintritt:

    Die Tickets gibt es bei den Geschäftsstellen des Mittelbayerische Kartenvorverkaufs, an allen bekannten Vorverkaufsstellen sowie im Internet auf Eventim. Der telefonische Kartenversand ist unter (0941)466160 möglich. Der Preis für die Tickets beträgt 49,90 Euro. Neben der Show sind ein Sektempfang und Fingerfood inbegriffen.

Eine Schatzkiste hilft ihr dabei, das was damals passiert ist, aufzuarbeiten. Sie hat ihren festen Platz im Wohnzimmerschrank und ist immer griffbereit. Obenauf liegt die Mutmachkette. Immer, wenn Victoria eine schmerzhafte Prozedur über sich ergehen lassen musste, wurde ihr in der Kuno-Klinik eine bunte Perle aufgefädelt. Gelbe Perlen für jede Untersuchung, rote Perlen für einen Pieks, eine Mützen-Perle für den Beginn des Haarausfalls. Die Kette ist meterlang. „Länger als eine Schlange“, sagt Victoria. Auch Briefe ihrer Klassenkameraden, ein Puzzle mit dem Klassenfoto und eine rote Nase der Klinikclowns bewahrt sie auf. Besonders wichtig ist ihr eine Kerze in Form einer Acht. Es ist ihre Geburtstagskerze. Statt wie andere Kinder eine Party zu geben, musste Victoria diesen Tag in der Klinik verbringen.

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Der VKKK half Victoria in der schwersten Zeit

VKKK war eine wichtige Stütze

Der VKKK sei in dieser Zeit eine wichtige Stütze gewesen, sagt Ina Behm. Im Elternhaus übernachtete die Mutter häufig mit Victorias Schwester Elisabeth. Wenn Vater Maximilian im Schichtdienst Zeit fand, stellte er sich im Elternhaus in die Küche und kochte Pasta für alle Bewohner. „Mein Papa macht die beste Pasta und die besten Soßen“, sagt Victoria. Auch einen Herzenswunsch hat der VKKK erfüllt. Mit ihrer Familie durfte sie 2017 in den Europapark nach Rust und dort viele Fahrgeschäfte ausprobieren. „Nur in die Achterbahn Silverstar haben mich meine Eltern nicht gelassen“, erzählt Victoria mit gespielter Empörung.

Nachgefragt

Zwei neue Projekte beim VKKK

Ein Spielplatz für schwerkranke Kinder und ein Nachsorgehaus mit Anschluss an einen Reiterhof stehen auf dem Wunschzettel.

Bis heute hält die Familie Kontakt zu anderen betroffenen Familien und nimmt an den Nachsorgeangeboten des VKKK teil, wenngleich inzwischen nicht mehr so viel Zeit dazu ist. Victorias besucht die siebte Klasse im M-Zug der Mittelschule, nachmittags geht sie ihren Hobbys nach. Sie tanzt, hört gerne Musik und spielt Gitarre. Hinzu kommen Ergo- und Physiotherapien. Am liebsten verbringt sie ihre Zeit mit Schäferhündin Dina, die ihr die Eltern nach der Chemophase geschenkt haben.

Jubiläum

Bei Donikkl brodelt die Halle

Der VKKK feierte sein 30-jähriges Bestehen. Zur Mitmach-Party strömten 400 Kinder und ihre Eltern ins Lappersdorfer Aurelium.

Gesundheitlich gehe es ihr heute einigermaßen gut, sagt Victoria. Wenngleich sie mit Einschränkungen leben muss. Ihr Herz hat durch die Chemotherapien Schaden genommen und zeigt dem Mädchen Grenzen auf. Zu Fuß kann sie nur kürzere Strecken zurücklegen. Vor diesem Hintergrund ärgern sich die Eltern, dass aufgrund einer Neuerung im Schwerbehindertengesetz Victorias Beinprothese nicht mehr die Anforderungen an eine außergewöhnliche Gehbehinderung erfüllt. Damit sind Parkerleichterungen weggefallen. „Da hat man schon das Gefühl, das einem kranken Kind Knüppel zwischen die Beine geworfen werden“, sagt Maximilian Behm.

Victoria lächelt den Ärger darüber einfach weg. Es gibt Wichtigeres. Etwa dass sie mit ihrem Lachen anderen Kindern helfen kann. Spendenbotschafterin für den VKKK zu sein, das macht sie stolz. Auch wenn das Mädchen auf dem Foto kaum noch Ähnlichkeit mit ihr hat.

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